Willkommen zurück Lenny

Es war ein Highlight seiner Kiezkicker-Karriere, das Spiel in dem Lennart Thy alle vier Tore schoß. Dieses Spiel, so sind wir uns sicher, hat ihn auf den Einkaufszettel des Bundesligisten Werder Bremen gezaubert, der, soviel sei auch angemerkt, zu dem Zeitpunkt für die zweite Liga planen musste.

Lennart Thy als Spieler vom FC St. Pauli; Source: Wikimedia, Author: Northside

Nun ist Lenny zurück und wir heißen den Ex-St. Paulianer herzlich willkommen – Ex St. Paulianer wird er nämlich bleiben: als Leihspieler bliebt er Werderaner, der FC St. Pauli hat keine Option, ihn nach einer gelungenen Operation „Klassehalten“ länger zu verpflichten. Das ist schade und das finde ich auch echt doof. Andererseits braucht Lennart Thy wenig Zeit zum eingewöhnen. Ich würde mir wünschen, dass er seine vier Tore auf mehrere Spiele verteilt, dann weine ich ihm gerne ein oder zwei Tränen nach, wenn er wieder gen Bremen entschwindet. ;) „Willkommen zurück Lenny“ weiterlesen

No Chewald, no cry

Gestern rief mich M. an und wollte mit mir wetten. „Wetten, dass Ewald heute nicht entlassen wird?“, rief er ins Telefon und ich dachte, gut dass wir schon befreundet sind, sonst fände ich das echt gemein – nicht mal an seinem Geburtstag hat der Mann seine Ruhe. So richtig witzig war mir auch nicht zumute. Nach Heidenheim schon gar nicht.

Ich stelle mir schon länger die Frage, ob ich den Druck ausgehalten hätte, der schon seit ein paar Wochen auf dem Präsidium lastet und dessen leichteste Übung gewesen wäre, den sportlich Verantwortlichen, Ewald Lienen und seinem Trainerstab, die rote Karte zu zeigen und auf diesen unsteten Impuls zu setzen, der in der Sportpresse gerne zum „Gesetz des Profifußballs“ hochgejazzt wird.

#chewaldbleibt

Das Thema Ewald Lienen beschäftigt uns, die Suppporter der FC St. Pauli, mich natürlich auch. Ich habe das anfangs für eine gute Idee gehalten, sich als FC St. Pauli den vermeintlichen Regeln des Business zu verwehren und zu versuchen, das „Lienen-Loch“, in das alle seine Mannschaften auf allen Trainer-Stationen nach zwei Jahren fallen, gemeinsam zu durchschreiten. Inzwischen bin ich mir nicht mehr sicher.

„Du kannst nicht erst Treue schwören, die 2-3 Spieltage durchziehen und Ewald jetzt entlassen“

Heute Mittag kam W. auf einen schnellen Espresso vorbei. Wir haben kurz über seine Berlinreise gesprochen, kamen dann aber schnell zu dem Thema, das unsere Herzen gerade beschäftigt – der FC St. Pauli und natürlich Ewald Lienen. W. meint, dass der Verein erst in der Winterpause reagiert. Zum einen könne man nicht erst fulminant die Treue schwören und dann, nachdem man diese stoisch erfüllt, kurz vor Weihnachten den Trainer entlassen. Das macht keinen Sinn. Dann käme ja vermutlich kein neuer Trainer, sondern der neue Co-Trainer übernimmt – ob das den so dringend benötigten Impuls setzen würde? Wir bezweifelten das.

Evolution der Reset-Taste

Stanislwaski Wutrede Vertrauen (Youtube)
Stanislwaski Wutrede Vertrauen (Youtube)

Als W. sich verabschiedet, scheint die Wintersonne in mein Fenster. Draußen ist es kalt und wird es auch bleiben. Nasser wird’s und noch ungemütlicher. Darauf kann man sich als Supporter des FC St. Pauli gefasst machen. Im Moment passiert immer das sportlich Schlimmste. Zuletzt ist der einzig funktionierende Mittelfeldspieler, Buchtmann (Gute Besserung!), auch noch ausgefallen. Mehr Hypothek geht nicht.

Stani hatte in einer vergleichbaren Situation die geniale Idee, eine imaginäre Reset-Taste zu drücken. Alles zurück auf Anfang. Per Kick-off in den eigenen Mors aus der Krise; das Pech, das einen im Hamburger Starkregen unter Wasser zieht, über Bord pissen. Das braucht es jetzt – in einer Ewald Lienen Variante.

Lienen nehme ich bisher als Kopfmensch wahr, als ziselierenden Analytiker, der Gegner intellektuell zerlegen und ihre Schwächen offen legen kann. Eine halbwegs funktionierende Mannschaft kann diese Anleitung dann nutzen, um zu gewinnen. Kann das die aktuelle Mannschaft des FC St. Pauli auch? Ich befürchte das kann sie nicht – und hier liegt auch der Unterschied zu der Situation vor zwei Jahren.

Höchstens drei Spiele hat Ewald Zeit, die vielleicht grundlegendste Veränderung im Kader vorzunehmen: die Verwandlung vom Lehrer und Analysten zum Revolutionär – seine. Nach dem Tod Fidel Castros bleibt sowieso nur einer übrig, um die wenigen fitten Spielern im Kader unter einer revolutionären Ikone zu vereinen: Ewald muss tatsächlich zu Chewald werden.

Hasta la victoria siempre!

@StPauli ist bereit.

Ewald Lienen und die großen, großen Kleinigkeiten

Nach dem Heimspiel gegen Aue bin ich noch lange durch das Viertel gestrichen, habe viele liebe Millerntor-Bekannte getroffen. Das singuläre Thema des Abends: Ewald Lienen und der Zustand der Boys in Brown, die neun Tage nach Saisonstart die rote Laterne fest umschlossen halten – und das Schlimmste – auch so spielen, als wollten sie sie auch nicht wieder loslassen. Schuld an der Misere, so fasste es M. gut zusammen, seien die „vielen großen, großen Kleinigkeiten“. „Ewald Lienen und die großen, großen Kleinigkeiten“ weiterlesen

Kopfabreisser Sankt Pauli

Kopf abreißen ist derzeit schwer in Mode bei Braun-weiss.

Vor dem Spiel gegen Bochum erzählte mir Sportchef Thomas Meggle,  dass er Bochums Exstpaulianer Gregoritsch angedroht habe, ihm den Kopf anzureissen, sollte er gegen uns treffen. – Bekanntlich traf Gregerl zum Zwischendurch-0:1 und trägt seinen Skalp immer noch.

Weil die flapsige Drohung aber vorm beinahe sicheren 0:2 wirkte, kommt der Mutmacher in Mode auf St. Pauli: ggü der Flimmerkiste kündigte Kampfschnecke Kalla schonmal an „jedem den Kopf abzureissen“, den man vor dem Spiel gg Darmstadt noch heiss machen müsse.

Na dann kann ja nix mehr schiefgehen. Ausser, dass es einigen Boys in Brown nächste Saison in den Hals regnet ;-)

Sebastian Schachten: „So laut habe ich das Millerntor lange nicht mehr empfunden“

Man sah nach dem Spiel lauter gut gelaunte Verlierer rund um das Millerntor. Die Fans des Brauseklubs aus Leipzig hatten ihr erstes Auswärtsspiel am Millerntor zwar verloren, aber selten gewordene Eindrücke mitgenommen. Zu was das Millerntor in der Lage ist, wenn es um die Wurst geht, konnte man zur Mittagsstunde am Sonntag nicht unbedingt erwarten. Am Ende wurde es das lauteste Spiel des Jahres – mit einer fightenden Mannschaft und einem entfesselten Millerntor. „Sebastian Schachten: „So laut habe ich das Millerntor lange nicht mehr empfunden““ weiterlesen

Rund Kap Hoorn kommt der Wind immer von voorn

Der FC St. Pauli wechselt alle vier Jahre die Liga, ist einem Bekannten die Tage aufgefallen: nach den vier Jahren Regionalliga-Hölle folgten vier Jahre Zweite Liga und der Abstieg aus der Ersten. Nach nun wieder vier Jahren zweite Bundesliga würde uns das Gesetz der Beinahe-Serie in die Dritte Liga zerren.

Da kann man mal sehen, gegen welche Schicksalsmacht die Boys in Brown ankämpfen. Tapfer, wie ich finde.

Nach Sören Gonther und Sebastian Maier traf es gegen Union Berlin nun Robin Himmelmann, mit seinem Verstolperer in der 89. Minute.

Nimmt man die Lautstärke der Trotzgesänge als Maßstab, dann wächst hier entgegen dem Hamburger Trend gerade ein Team zusammen, das sich trotzig und stoisch gegen die eigene Abschlussschwäche und das immanente Pech stemmt. Ein Team, bei dem es mir leicht fällt, You’ll Never Walk Alone zu singen. (Mit anzusehen, wie Matze Hain den Hool auf dem Feld niederrang, ist für mich das Highlight des Abends gewesen!)

Lust am Kampf

Sich balgen bringt Spaß. Wenn es dabei um etwas geht, umso besser.

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Ich würde Julian Koch sehr gerne glauben, dass die Boys in Brown die Lust am krassen Buffen neu finden. Dazu gehört immer das Risiko, auch eine mitzukriegen. Aber solange die Lust dabei ist, wird alles gut!

„Hier kommt keiner lebend raus“ klingt als Ansage erstmal martialisch (HA heute), kann aber anstecken – wenn es zum Mantra wird: ¡no pasaran!

Fröhling: Gegen die Löwen, gegen einen Ex-St. Paulianer aus Altona

Torsten Fröhling
Torsten Fröhling, 1860 München. Foto: Northside, via wikimedia
Torsten Fröhling spielte sechs Jahre in braun-weiss, von 1991 bis 1995 1997. Danach trainierte er überall in Norddeutschland unterklassige Mannschaften, darunter auch unseren Nachbarn Altona 93. Fröhling war zuletzt Co-Trainer Trainer der U-23 bei den 1860 Löwen und soll nun als Interims-Chefcoach der ersten Mannschaft dafür sorgen, dass 1860 nicht auch unterklassig spielt nächste Saison. Nicht böse sein, aber als Altonaer und St. Paulianer hoffe ich auf einen schlimmstmöglichen Einstand. Auch wegen des immer noch weiss-blauen Herzens ;)