‚Macht die Logen auf‘ – Teilöffnung des Millerntor-Stadions

Nun ist es amtlich: der FC St. Pauli kann zum ersten Heimspiel der Saison 20/21 das Millerntor für Fans öffnen – zumindest für ca. 2.200.

Mein Podcast Zwischenruf zur Verlosung der Corona-Tickets

Heute am Morgen, als die Meldung dann offiziell über die Ticker kam (seit gestern rumorte es ja schon in der aktiven Fanszene deshalb), rief ich Markus an, um zu wissen, ob wir uns bewerben wollten für eine der verlosbaren Tickets für das erste Heimspiel gegen Heidenheim.

„Das ist billiger Ersatz. Ich geh da nicht hin“

„Das ist doch kein Fanerlebnis, wie ich das haben will. Das ist billiger Ersatz. Ich geh da nicht hin“, war seine Antwort.

„Wie läuft denn das?“, wollte er dann doch wissen. 15 EUR kosten die Tickets pauschal, habe ich ihm geantwortet. Unter allen Dauerkarten-Inhaber:innen werden die 2.200 und ein paar Zerquetschte dann verlost.

Infos beim FCSP.

Die Zahl der jetzt zugelassenen Zuschauer*innen ergibt sich aus den Absprachen des Vereins mit den Hamburger Behörden. Wenn alles gut läuft und die pandemische Lage es zulässt, besteht die Möglichkeit, das Konzept anzupassen und das Kontingent zu erhöhen.

Die Auslosung übernimmt das Kartencenter.

Presseabteilung FCSP

Wie steht es um die Plätze für die Behinderten?

In Absprache mit unserer Fanbeauftragten für Menschen mit Behinderung wird festgestellt, wie viele entsprechende Plätze z.B. für Rolli-Fahrer*innen zur Verfügung stehen. Wenn dann entsprechend mehr Menschen mit Behinderung sich auf Tickets bewerben, wird unter ihnen ebenfalls gelost.

Presseabteilung FCSP

Was ist eigentlich mit den Logen?

Soweit ich unterrichtet bin, gelten diese Konditionen nicht für die Logen. Mir wurde berichtet, dass diese eigene Mietverträge und deswegen eine eigene Nutzungsszenarien haben. Ich gehe davon aus, dass bei einer Teilöffnung des Stadions auch die Logen geöffnet werden. Wie wäre es denn, wenn man die eine oder andere Loge instantbesetzt – und diese Karten für diejenigen shanghait, die sich 15 EUR für ein FCSP Heimspiel nicht leisten können … was meint ihr?

Quo Vadis St. Pauli? – Corona Edition

Der moderne Fußball ist kaputt. Das haben wir, die den FC St. Pauli supporten, doch irgendwie schon immer gewusst. Corona hat uns nun das ganze Elend aufgezeigt, auf dem unsere Leidenschaft fußt. Wie in anderen Bereichen unseres Lebens, wirft uns die Corona-Krise nicht nur auf existenzielles zurück – und dazu gehört der Fußball eben nicht! – sondern sie zeigt uns auch, was entbehrlich ist.

Ich habe mich beinahe vom “#Bundesliga”-#Fussball entwöhnt, emotional verkatert frage ich mich jetzt: was bedeutet das für mein Verhältnis zum #FCSP?

ring2 auf Twitter

Was mir fehlt: die Menschen in meinem Verein, das Treffen vor und nach den Spielen, das Erschaffen eines politisch-kulturellen Gewebes, in dem es sich lohnt zu leben. Ein Gewebe, das meine Freunde Willi, Christian und Markus (um mal drei von vielen zu nennen), die Nord, den Wind und den Regen mit dem Rasen und dem Spiel verwebt; unsere Vorstellung einer gerechten Welt manifestieren zu lassen. Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken. Wer das einmal gefühlt hat, will das immer wieder – und nimmt auch Christian Seifert in Kauf.

Was mir nicht fehlt: der Profifußball mit seinen ultrakapitalistischen Regeln, seiner glatten, reinen Gier als Antriebsfeder. Seinen Logo-küssenden Soloselbstständigen, von denen wir uns in einer Art Stockholm-Syndrom einreden, dass sie zu uns gehören. Vielleicht fühlen das einige sogar, Mats und Max, bei Ralle und Kalla bin ich mir fast sicher – in einer Art gemeinsamer Geiselhaft.

Was ich mir eingestehen muss: Kritik habe ich viel geäußert, sogar kaputt machen wollten wir den FCSP in einem Podcast letztes Jahr. Im Kleinen haben wir sogar ein paar Siege davon getragen, gegen DFL und Co.. Dennoch muss ich, wenn ich darüber nachdenke, zugeben: ich bin Teil dieses modernen Fußballs, mein Verein ist Akteur – einer von 36 im deutschen Profifußball – und mein Präsident eines von sieben Präsidiumsmitgliedern der DFL. Ich bin Teil des Problem, mein Verein auch.

Was ich erkenne: Die Geisterspiele zeigen mir, der Profifußball braucht Menschen, wie mich nicht. Menschen, die ich in mannigfaltiger Form beim FCSP vorfinde. Und: ich brauche den Profifußball nicht. Die Geisterspiele des FC St. Pauli gehen mir eingermaßen am Mors vorbei. Ich fühle eine enttäuschte Traurigkeit, eine geisterhafte Vorführung dessen, was für mich Fußball ausmacht. Da hilft auch das famose AFM Radio nicht.

Es gibt keinen richtigen Fußball im Falschen

Jolly Rouge am Millerntor

Ich spüre, es ist die Zeit gekommen, uns vollständig infrage zu stellen. „Bring Back St. Pauli“, der Schlachtruf der Sozialromantiker von 2011 reicht nicht mehr. Es gibt kein Zurück aus der Selbsttäuschung, der wir kollektiv verfallen sind.

Der FC St. Pauli, wie wir ihn kannten ist kaputt, oder wie es ein Freund beschreibt: „In der strategischsten Situation seit Kriegsende kann der FCSP keine Alternative sein. Er ist mit Hinblick auf den Profifussball genauso ein Scheiss-Verein wie die anderen auch ( man sehe mir die krasse Ausdrucksweise nach). Er ist vom Grat gefallen und muss mit. Es ist wie Timm Thaler, der sein Lachen an den Teufel verkauft hat. Dafür ist kein Präsidium verantwortlich. Das sind wir alle, die dies auf jeder JHV auch so wollen. Ob das zu revidieren ist? Ich weiss es nicht.“, und spricht mir aus der Seele, wenn er mir schreibt, „Es wird an den eingeforderten Veränderungen liegen. Und daran wird man Oke messen. Ob das alles nur Lippenbekenntnisse sind, oder ob er es ernst meint und hier eine spürbare Opposition in der DFL aufbaut.“

Wir wollten eine Plattform des Guten im Profifußball sein. Ihn benutzen. Und sind gescheitert. Nun heißt es: neu erfinden oder kämpfen gehen.

St. Pauli als Plattform: was soll das sein?

Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken, ergänze diesen Artikel also immer wieder …

In der Zwischenzeit: kommentiert gerne mit euren Gedanken und Ideen, und hört euch gerne Willis, Markus‘ und meine Gedanken dazu in unserem Podcast an.

Corona und die Kaderplanung – bleibt alles bei den Alten?

In diesen Zeiten, in denen der Ball ruht, hat man viel Zeit, über seinen Herzensverein nachzudenken. Ich zum Beispiel lese alles, manchmal auch doppelt, was ich zum FCSP finden kann, und sei es nur um den omnipräsenten Corona-Nachrichten zu entgehen. Dummerweise haben die meisten Nachrichten, die unseren Verein betreffen, auch mit dem Corona-Virus und dessen Auswirkungen zu tun.

Photo credit: A.Davey on VisualHunt.com / CC BY-NC-ND

Manche davon, wie bspw. der Artikel in der Mopo, der sich mit „zehn auslaufenden Verträgen“ beschäftigt, regen meine Phantasie an. Und in dieser komme ich zu einem anderen Schluß, als die Mopo.

Unterm Strich sieht es selbst bei defensiver Schätzung so aus, als bräuchte St. Pauli mindestens eine Handvoll neuer Säulen plus den einen oder anderen Perspektivspieler, will man die Ziele höher stecken als bisher.

Mopo.de

Der Fußball Transfermarkt wankt

Wird die Saison verspätet zu Ende gespielt, wie es derzeit zu vermuten ist, dann wird Corona im internationen Fußball tiefe wirtschaftliche Spuren hinterlassen haben. Da wirken dann Beharrungskräfte, die kaum jemand für möglich halten würde: Spieler, die einen laufenden Vertrag haben, werden einen Teufel tun, den Verein zu wechseln. Vereine, die laufende Verträge haben, werden dasselbe tun – an ihren Spielern, vielleicht auch denen, die sie vorher abgeben wollten, festhalten.

Kontinuität als Chance: lasst sie spielen, die Boys in Brown

Dabei könnte das erzwungene Festhalten an einem Team, an einer Gruppe Fußballern auch dieser Glücksfall sein, den eben nur eine besondere Situation erschaffen kann. Bricht der Markt zusammen, oder kühlt sich spürbar ab, bleiben alle Spieler zusammen. Das hatten wir in der Vergangenheit erst einmal, als sich die Truppe um Boll, Bruns und Co. von der dritten in die erste Liga boxte. Als verschworener Haufen, den das Team des FC St. Pauli später nie wieder war.

Ich traue den jetztigen Boys in Brown zu, aus dieser Krise als sportliche Gewinner hervor zu gehen.

Der FC St. Pauli bekommt einen kompletten Kader voll 2020/21

Stammspieler mit einem laufenden Vertrag:

  • Robin Himmelmann (bis 2021)
  • Daniel Buballa (2021)
  • Luca Zander (2023)
  • Finn Ole Becker (2022)
  • Rico Benatelli (2022)
  • Ryo Miyaichi (2021)
  • Henk Veerman (2021)

Derzeit verletzte Stammspieler:

  • Christopher Avevor (2023)
  • Christian Conteh (2021)

Spieler aus der zweiten Reihe mit Vertrag

  • Kevin Lankford (2022)
  • Luis Coordes (2021)
  • Boris Tashchy (2022)
  • hinzu kommen die beiden ehemaligen Leistungsträger Christopher Buchtmann (2022) und Marvin Knoll (2022).

Spieler, deren Verträge auslaufen, die aber durch Corona zum Bleiben überredet werden könnten:

Jan Philipp Kalla: nie war er so wertvoll. Das Schnüffelstück zwischen Fanschaft, Vereinskultur und Profikader könnte der Katalysator für eine Entwicklung sein, aus der eine Gruppe zu einem echt stpaulianischem Team wird.

Östigard und Lawrence: Ja, die möchte ich auch behalten. Vielleicht zwingt Corona ja ihre Heimatvereine dazu, die Leihe zu verlängern. Beiden nehme ich ab, dass sie mit Wonne bleiben würden. Sportlich wäre das ohnehin eine Wucht. Das Gleiche gilt für Viktor Gyökeres.

Diamantakos: Ich bin mir nicht sicher, ob er will. Wenn ja, dann sei herzlich willkommen in diesem Haufen der Gestrandeten 🙂

Here to stay

Es mag sein, dass mir meine Phantasie gerade Streiche spielt, aber ich wünschte mir, dass Jos Luhukay ebenfalls an dieser Situation wächst. Wenn es keine Alternativen „zu kaufen“ gibt, dann geht er vielleicht den Weg weiter, den wir ihm in unseren letzten Podcasts ans Herz gelegt haben: den Weg der Teambildung – mit den Boys in Brown, die da sind – und die nu da bleiben.

Corona-Absage: Kein Heimspiel für mich

Die Gesundheitsbehörde ist kurz davor, ihren Kollegen in Bremen und Schleswig-Holstein zu folgen und hat „Veranstaltungen ab 1.000 Personen aufgrund der Coronavirus Pandemie“ in Hamburg untersagt. Damit findet das Heimpiel des FC St. Pauli am Sonntag gegen Nürnberg „unter Aussschluss der Öffentlichkeit statt“. Das melden NDR und DFB. Davon ganz unanhängig habe ich mich selbst unter Solidaritätsquarantäne gestellt.

Ich gehe nicht ans Millerntor am Sonntag.

https://www.facebook.com/Fanclubsprecherrat/photos/a.634976999924659/2801208766634794
FCSR auf Facebook: lt. NDR untersagt die Gesundheitsbehörde HH alle Spiele ab 1.000 Zuschauer

Freiheitsrechte und die Absage nach Anordnung: ein Reflex wird zum Problem

Noch gestern war mein erster Reflex: das lasse ich mir doch nicht verbieten, ans Millerntor zu gehen und unsere Boys in Brown zu unterstützen. Da fassten altbewährte Synapsen in einanander, die in dem Virus-bedingten Versammlungsverbot einen feuchten Traum von Andy Grote vermuteten. Ich habe sogar überlegt, nach einer Absage zum Millerntor zu gehen und dann eben davor zu supporten: aus Trotz.

Nach der Absage trotzdem zum Millerntor?

Ich gebe zu, ich war und bin skeptisch, was die Einschränkung von Freiheitsrechten angeht; das ist aber so einleuchtend logisch und durch Daten evident (Stichwort Hong Kong Grippe), dass ich langsam in das Lager von „flatten the curve“ einbiege.

Mir geht es hier nicht nur um die Verantwortung des Einzelnen, meiner Verantwortung meinen Mitstpaulianer_innen gegenüber, sondern auch um den Diskurs, ob Einschränkungen der Freiheit druch den Staat auch wegen Corona hinnehmbar sind. Und ab wann?

Daran schliesst sich die Frage an, wer für eventuelle Kompensationen zu sorgen hat.

Nicht falsch verstehen: Corona zeigt uns eindringlich, dass der neoliberale Fetisch der Selbstoptimierung nicht funktioniert.

Wenn ich für richtig erachte, dass Menschenansammlungen zu vermeiden sind, muss ich zuerst die Menschen aus dem ÖPNV bringen, aus althergebrachten Arbeitsethiken, hin zu Homeoffice und Co.- und das sofort – vielleicht sogar diskutieren, vier Wochen nur noch das Nötigste zu produzieren und zu verwalten und allen anderen Netflix zu verordnen.

Diese Diskussion ist spannend und geht über den Fußball hinaus.

Bundesliga-Saison zu Ende spielen? Nicht unbedingt

Mich überzeugt die Idee, dass wir am Steigepunkt der Exponentialfunktion uns und unser Leben entschleunigen müssen. Dann eben keine Saison mehr. Keine Konzerte; Home oder Boat-Office.

Entschleunigung, die wichtige gesellschaftliche Themen wieder nach oben spült: die Ausstattung des Gesundheitssystems, der Krankenhäuser. Gesellschaftliche Solidarität. Ent-Globalisierung der wichtigsten Versorgungsgüter. Was ist dagegen ein Heimsieg gg Nürnberg?

Wettbewerbsverzerrung Geisterspiel

Kurz nochmal zurück zum Fußball und dem FCSP. Ich halte so genannte Geisterspiele – also Fußballspiele auszurichten ohne Zuschauer für eine nicht hinnehmbare Wettbewerbsverzerrung. Gerade der FCSP hat eine excellente Heimbilanz, was an der auch hier schon oftz beschriebenen Magie zwischen Fans, Rasen und Boys in Brown am Millerntor liegt. Verbietet man den Zugang zum Stadion, spielt aber trotzdem, ist das für den FC St. Pauli ein doppeltes Auswärtsspiel (nach dem in der Hinrunde in Nürnberg) und somit unzulässig. Die Liga MUSS abgesagt oder nachgespielt werden. Sagen wir doch die EM ab, dann wäre genug Zeit 😉