1. Heimsieg in der DFB Realität

Ich bin neulich in die Falle der eigenen Wahrnehmung gefallen, als ich mir gegen den 1. FCK aus der Region den „ersten Heimsieg“ der Saison gewünscht habe, zumindest den ersten, den ich am Millerntor miterlebe.

Dabei hatte ich schon einen eingefahren. Zusammen mit den Boys in Brown; gegen die Fortuna aus Düsseldorf.

DFB-Realität?

In einem Spiel, und das passiert nur bei manchen, bei dem die Realität des DFB und die von mir erlebte an einem oder mehreren Punkten divergiert.

Das kann man sich in der Wirkung so ähnlich vorstellen, wie die vielen Situationen in der ersten Bundesliga diese Saison: wenn der Stürmer jubelnd abdreht, kurz verschämt zögert, bis der Schiri auf den Anstoß zeigt, sich das Hemd vom definierten Oberkörper reißt, nur um zu verpassen, dass sich der Mann in Neongelb, mit fragendem Blick und klopfenden Fingern auf sein Headset von einer höheren Instanz sagen lässt, dass das alles Mögliche war, was er da gesehen hat, nur kein Tor.

„Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken, das ist die höchste aller Künste.“ – Henry David Thoreau, Walden

Den Videoschiedsrichter gibt es in der zweiten Bundesliga nicht. Dafür existiert in mir aber eine mächtige Instanz, die ähnlich arbeitet; die eher auf emotionalen Fakten basiert, aber am Ende – so habe ich das einst beschlossen – die für das Ergebnis eines Spiels und die Bewertung eines Spielerlebnisses letztlich entscheidende Stelle ist. Das führt dann dazu, dass die Realität sich aufspaltet: in eine DFB-Realität und in eine echte.

Zum ersten Mal nahm ich diese Fähigkeit 2012 beim Pokalspiel in Stuttgart wahr. Seitdem immer mal wieder.

Es gibt Schiedsrichter, die mit ihrer Art, auf das Wesen eines Spiels einzuwirken, diese Realitätsspaltung noch forcieren; Herr Brych gehört definitiv dazu. Ich kann inzwischen beinahe körperlich spüren, wenn es geschieht. Beim abgepfiffenen ersten Tor und beim zweiten nicht gegebenen auch. Bei dem überfälligen Elfmeter dann spaltete sich das Spiel von Herrn Brychs Tatsachenrealität ab und wurde zu meinem ersten Heimsieg: Einem am Ende verdienten 3:2 für die Boys in Brown.

Jetzt mag der eine oder andere denken, dass ich mir die Saison dann ja zurecht wünschen kann. Armer Narr, möchte ich da entgegnen: ich wünsche mir das ja nicht, ich erlebe das so. Dummerweise habe ich bisher noch keine Möglichkeit gefunden, wie meine Realität sich in der offiziellen Tabelle niederschlägt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Quantensignatur dieses Heimsiegs bleibt ja bestehen.

Also: Folgt morgen „mein“ 2. Heimsieg (in Folge?)

Am Freitag kommen also die Roten Teufel ans Millerntor. Die durchleben ja gerade die Hölle, wie man hört; haben sich aber gerade pünktlich zum Spiel bei uns mit Hoffnung aufgeladen. Dagegen wäre normalerweise kein Kraut gewachsen: der FCK ist Vorletzter, wir Sechster; also hätten wir – unserer Magie gemäß – die drei Punkte, schlimmstmöglich spielend, in die Region entlassen müssen. Aber eines ist anders morgen. Neben 29.000 Supportern wandern auch noch hunderte Zahnbürsten ans Millerntor.

Wie ich gerade in der neuen VIVA lesen konnte, „sammeln wir heute im Millerntor und auch am kommenden Montag in Sandhausen Zahnbürsten und Zahnpasta. Der Verein verteilt diese an Hilfsbedürftige, insbesondere sozial benachteiligte Kinder. Alle Fans haben die Möglichkeit, Zahnbürstenspenden vor, während und nach dem Spiel an den dafür bereitgestellten Boxen auf dem Südkurvenvorplatz abzugeben.“

Das könnte in der Tat das Quentchen sein, das den sonst vorinszenierten Ablauf von „Aufbaugegner kommt ans Millerntor und wird auch aufgebaut“, aushebelt. Und da ihr alle aufgefordert seid, NEUE Zahnbürsten mitzubringen, wird am Ende hoffentlich auch die DFB-Realität mit der meinen übereinstimmen – zu meinem ersten „offiziellen“ Heimsieg dieser Saison ;)

 

Ein Punkt für Ewald Lienen

Nach solchen Spielen, wie am vergangenen Freitag neige ich ja zu leichter euphorischer Übertreibung, aber auch nach einem Wochenende, an dem die anderen Mitbewerber um den Abstieg in die Dritte Liga sogar siegen konnten, überwiegt das gute Gefühl: diese Boys in Brown hatten sich den Sieg verdient und der zweiten Liga ein Signal gesendet, „wir wollen doch noch mitspielen, lieber Zug zum Klassenerhalt, bitte noch nicht abfahren“. „Ein Punkt für Ewald Lienen“ weiterlesen

MANN!

Ich kann mich noch an Zeiten erinnern, das brauchte man eigentlich gar nicht in die Region zu fahren, schon gar nicht um zu gewinnen. Sind wir doch immer, aber nur um drei Punkte abzuliefern.

Das ist nun mit diesem Jahr endgültig vorbei – der Betzenberg ist gezähmt. Von Schnecke Kalla, Buchti und Lennart Thy. Von Lasse Sobiech und Philipp Ziereis – unserer teuflisch guten Innenverteidigung.

Von all den Boys in Brown, die sich vom ollen Ewald noch was haben beibringen lassen wollen. Und nu stehen sie am Ende der Hinrunde auf einem Relegationsplatz – dem oben.

MANN! Das war nicht gepant. ;)

Anspruchsloser Adventskick

Nordkurve Flagge HerzDie Stunden vor unserem Heimspiel gegen die Region am heutigen ersten Advent plätschern merkwürdig unaufgeregt dahin. Ich bin weder hibbelig, wie sonst, noch besonders kämpferisch gestimmt. Irgendwie ist alles gesagt, die Woche über. Selbst der Tabellenplatz hat nichts magisches mehr (17;). Die 18 ist so eindeutig und Kaiserslautern so unbestritten der Favorit, dass jeglicher Rest von Anspruch verflogen ist.

Für mich ist die Krise deswegen vorbei. Es ist alles getan, geschimpft und gestärkt worden diese Woche. Mir fällt einfach nichts mehr ein, was man nu noch besprechen müsste – und das macht mich eigentlich ganz froh: so gehe ich gleich ans Millerntor ohne Anspruch, aber mit Vorfreude auf A., C. und die optimistischen Fatalisten; endlich verstehe ich, aus welchem Grundgefühl dieser Name entstanden sein muss – St. Pauli ist eben immer noch die einzige Möglichkeit.

ps vor fast genau sieben Jahren spielten die Boys in Brown schon so desolat gegen die Region, dass ich tief in die Woche hinein mich grämte – und lieb hatte ich sie doch ;)

FCSP vs Kaiserslautern – Stani: „everybody knows that he has to invest everything to hold the points in Hamburg“

Holger Stanislawski Bierdusche

„Wir wissen um die Wichtigkeit dieser Begegnung und werden entsprechend versuchen, die Punkte gegen sehr, sehr selbstbewusste Lauterer am Millerntor zu halten.“ … „Sie können sehr schnell umschalten und sind immer versucht, ihre Außenspieler gut in Szene zu setzen. Dazu haben sie mit Srdjan Lakic einen Stürmer in ihren Reihen, der schon dann trifft, wenn er auch nur annähernd am Ball ist“.

„Wir selbst haben gegen Bremen eine Vielzahl an Chancen vergeben, Tore geradezu verschenkt. Vor diesem Hintergrund müssen wir selbstbewusst auftreten und mit viel Sorgfalt ins Spiel gehen. Momentan spielen wir uns vor dem Tor leider fast tot, aber wenn wir 120 Torschüsse auf dem Konto haben, werden wir hoffentlich bald belohnt.“ … „Die Mannschaft wird alles investieren. Aber ich erwarte, dass sich jeder seiner Verantwortung bewusst ist – alle sind gefordert!“

translation (with Google):

„We understand the importance of this match and will try defending the points against a very, very self-conscious team to keep sound at the Millerntor.“ … „Kaiserslautern can switch very quickly and are always trying to put their wing players too well in the limelight. They have a striker with Srdjan Lakic in their ranks who scores even if he is remotely on the ball. “

„Against Bremen we awarded a variety of opportunities, but almost given away goals. We must be confident and go with a lot of care into the game. At the moment we are playing us at the gate, unfortunately, almost dead, but if we have 120 shots on goal in the account, hopefully we will be rewarded soon. “ … „The team will invest everything but I expect that everyone’s responsibilities are all called“

Quelle: fcsp.com