Rund Kap Hoorn kommt der Wind immer von voorn

Der FC St. Pauli wechselt alle vier Jahre die Liga, ist einem Bekannten die Tage aufgefallen: nach den vier Jahren Regionalliga-Hölle folgten vier Jahre Zweite Liga und der Abstieg aus der Ersten. Nach nun wieder vier Jahren zweite Bundesliga würde uns das Gesetz der Beinahe-Serie in die Dritte Liga zerren.

Da kann man mal sehen, gegen welche Schicksalsmacht die Boys in Brown ankämpfen. Tapfer, wie ich finde.

Nach Sören Gonther und Sebastian Maier traf es gegen Union Berlin nun Robin Himmelmann, mit seinem Verstolperer in der 89. Minute.

Nimmt man die Lautstärke der Trotzgesänge als Maßstab, dann wächst hier entgegen dem Hamburger Trend gerade ein Team zusammen, das sich trotzig und stoisch gegen die eigene Abschlussschwäche und das immanente Pech stemmt. Ein Team, bei dem es mir leicht fällt, You’ll Never Walk Alone zu singen. (Mit anzusehen, wie Matze Hain den Hool auf dem Feld niederrang, ist für mich das Highlight des Abends gewesen!)

Jetzt ist Zeit für „bedingungslose Optimisten“

Lächelnd knufft mir A. in die Seite, als ich Mitte der zweiten Halbzeit mir noch ein 3:2 herbei wünsche. „Du bist echt ein hoffnungsloser Optimist“. Immerhin, mein Wünschen reicht zu einem wunderschönen Abseitstor von Verhoek; ein Fallrückzieher ohne Wert. Dem FC St. Pauli gelingt der Anschluss nicht mehr, in der Tabelle verliert er ihn zum Mittelfeld und trudelt gen Abstiegszone.

Nun sind gerade Optimisten gefragt; so wie ich, erinnern sich viele Gutwünscher gerade an eine ähnliche Saison, wo der FCSP in der Liga schwächelte, damals der ganzen Republik aber im Pokalwettbewerb das Fürchten lehrte. Das Millerntor war damals noch ein bruchreifer Erdhaufen und doch eine Trutzburg des „Es wird schon noch, das Happy End“. „Jetzt ist Zeit für „bedingungslose Optimisten““ weiterlesen

Verhoekt und zugenöth … #f95fcsp

Vorne verteidigen, schnell passen, den Überfliegern vom Rhein Paroli bieten; das alles ist euch gelungen.

Meine Szenen des Spiels: Ratsche tankt sich durch; Pass auf Alushi – fast – Nöthe auf Alushi – schöner Schuss; fast … Dann Einwechselung Verhoek, den ich ja immer mehr mag … Standard Daube, Tolle Flanke, Kopf Verhoek. Erster Ballkontakt; Tor; fast. Nu ja kann passieren. Zum Liebhaben seid ja ihr fast zu gut, glücklicherweise gibt es da die versehrten Momente; den zaudernden Nöthe, mal wieder, den unpräzisen Budemir, den starken aber stolpernden Ratsche und den gehandicapten Alushi, ach wenn ihr wüsstet, wie solche Spiele an eurer Legende feilen, ihr würdet singen im Mannschaftsbus!; well done Boys in Brown!

Ich bin heute Abend nur die Straße runter, zum Tutto Sports in Odense Ottensen, wo Kebbi italienischen Wein ausschenkt und ich mit Carsten quasi in einer Privatvorstellung den FCSP in DUS anfeuere; nu gewonnen haben wir nicht, aber eine Menge gelobt und gesungen – für euch meine Boys in Brown: tolles Spiel; Scheissergebnis.

Regionalligagedächtniskick gegen Aalen (mit A-A), alle Bolls mit katastrophaler Leistung

„So ging das hier drei Jahre lang“, erklärte ich Annika, einer Freundin meiner Tochter, die das erste Mal am Millerntor war, als sie mich auf die Bewegungslosigkeit der Boys in Brown ansprach. Cheftrainer Roland Vrabec hatte nach einem empathischen Impuls alle 11 Positionen des FC St. Pauli mit „Bolls“ besetzt und damit den Startschuss gegeben zu einem Abschiedsspiel, dass Hamburg so schnell vergessen wird, wie Goldfische ihre letzte Runde um die Schatzkiste. „Regionalligagedächtniskick gegen Aalen (mit A-A), alle Bolls mit katastrophaler Leistung“ weiterlesen

Champions League verspielt – ausgerechnet in Aue

Als ich heute Morgen den Altonaer Balkon zum Fischmarkt hinuntergehe, weht mir schon der abgelenkte und angereicherte Westwind entgegen. Er riecht nach Fisch und Zwiebelmett, und bringt die Kunde, dass der FC St. Pauli im Aufstiegskampf einen Dämpfer erlitten hat, vielleicht ist der Zug nach oben sogar abgefahren.

Mir persönlich kann das ja gar nichts anhaben, finde ich einen spannenden Aufstiegskampf in Liga zwo doch allemal vorziehenswerter, als einen langen Abstiegskampf in Liga eins. Ich träume dann, wie bspw. in Mainz seinerzeit von einer Teilnahme wie die anderen im „Europapokal“, weiss aber doch, dass die armen Jungs da auf dem Rasen mein Dilemma nicht auflösen können, immer zu gewinnen, schön zu spielen und doch nicht aufzusteigen, bei gleichzteitigem Gewinn der Champions League und aller Derbys.

Da mir berichtet wurde, dass hier „der eine oder andere“ sporadisch mitliest, erteile ich schonmal Absolution für die Niederlage in Aue – auch wenn ich mir das leicht machen kann, ich war ja nicht mit ins Erzgebirge gefahren – denn solche Spiele musst Du verlieren, wenn Du am Millerntor nu immer gewinnen und Düsseldorf und Fürth auswärts ärgern willst, ohne am Ende direkt aufzusteigen. Sich da Aue vorzunehmen ist außerdem unserer ureigensten Tradition geschuldet, die eigentlichen Underdogs in der Liga zu halten – und Aue gehört, spätestens seit dem Spiel am Millerntor, bei dem Aue gekämpft und gesungen hat, um dann doch abzusteigen und unsere Jungs dennoch abzuklatschen, zu meinen Lieblings-Ost-Vereinen.

Verzeiht euch selbst, dann könnt ihr euch auch „belohnen“ – das gilt für den „Jung“-Rekonvaleszenten Marius Ebbers, aber vor allem für Max Kruse, der seit Weihnachten, als ihn der Sportboulevard in die Bundesliga jubelte, verzweifelt an seinem Anspruch. Mit Druck geht das nicht, lasst euch das von einem Stotterer gesagt sein. Nehmt euch eure Zeit, atmet die Hälfte wieder aus, haucht die erste Silbe des nächsten Spieles, dann könnt ihr auch wieder Kraft geben, ohne zu verkrampfen. Und „Schicht im Schacht“ ist erst, wenn es zum letzten Mal pfeift.