Quo Vadis St. Pauli? – Corona Edition

Der moderne Fußball ist kaputt. Das haben wir, die den FC St. Pauli supporten, doch irgendwie schon immer gewusst. Corona hat uns nun das ganze Elend aufgezeigt, auf dem unsere Leidenschaft fußt. Wie in anderen Bereichen unseres Lebens, wirft uns die Corona-Krise nicht nur auf existenzielles zurück – und dazu gehört der Fußball eben nicht! – sondern sie zeigt uns auch, was entbehrlich ist.

Ich habe mich beinahe vom “#Bundesliga”-#Fussball entwöhnt, emotional verkatert frage ich mich jetzt: was bedeutet das für mein Verhältnis zum #FCSP?

ring2 auf Twitter

Was mir fehlt: die Menschen in meinem Verein, das Treffen vor und nach den Spielen, das Erschaffen eines politisch-kulturellen Gewebes, in dem es sich lohnt zu leben. Ein Gewebe, das meine Freunde Willi, Christian und Markus (um mal drei von vielen zu nennen), die Nord, den Wind und den Regen mit dem Rasen und dem Spiel verwebt; unsere Vorstellung einer gerechten Welt manifestieren zu lassen. Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken. Wer das einmal gefühlt hat, will das immer wieder – und nimmt auch Christian Seifert in Kauf.

Was mir nicht fehlt: der Profifußball mit seinen ultrakapitalistischen Regeln, seiner glatten, reinen Gier als Antriebsfeder. Seinen Logo-küssenden Soloselbstständigen, von denen wir uns in einer Art Stockholm-Syndrom einreden, dass sie zu uns gehören. Vielleicht fühlen das einige sogar, Mats und Max, bei Ralle und Kalla bin ich mir fast sicher – in einer Art gemeinsamer Geiselhaft.

Was ich mir eingestehen muss: Kritik habe ich viel geäußert, sogar kaputt machen wollten wir den FCSP in einem Podcast letztes Jahr. Im Kleinen haben wir sogar ein paar Siege davon getragen, gegen DFL und Co.. Dennoch muss ich, wenn ich darüber nachdenke, zugeben: ich bin Teil dieses modernen Fußballs, mein Verein ist Akteur – einer von 36 im deutschen Profifußball – und mein Präsident eines von sieben Präsidiumsmitgliedern der DFL. Ich bin Teil des Problem, mein Verein auch.

Was ich erkenne: Die Geisterspiele zeigen mir, der Profifußball braucht Menschen, wie mich nicht. Menschen, die ich in mannigfaltiger Form beim FCSP vorfinde. Und: ich brauche den Profifußball nicht. Die Geisterspiele des FC St. Pauli gehen mir eingermaßen am Mors vorbei. Ich fühle eine enttäuschte Traurigkeit, eine geisterhafte Vorführung dessen, was für mich Fußball ausmacht. Da hilft auch das famose AFM Radio nicht.

Es gibt keinen richtigen Fußball im Falschen

Jolly Rouge am Millerntor

Ich spüre, es ist die Zeit gekommen, uns vollständig infrage zu stellen. „Bring Back St. Pauli“, der Schlachtruf der Sozialromantiker von 2011 reicht nicht mehr. Es gibt kein Zurück aus der Selbsttäuschung, der wir kollektiv verfallen sind.

Der FC St. Pauli, wie wir ihn kannten ist kaputt, oder wie es ein Freund beschreibt: „In der strategischsten Situation seit Kriegsende kann der FCSP keine Alternative sein. Er ist mit Hinblick auf den Profifussball genauso ein Scheiss-Verein wie die anderen auch ( man sehe mir die krasse Ausdrucksweise nach). Er ist vom Grat gefallen und muss mit. Es ist wie Timm Thaler, der sein Lachen an den Teufel verkauft hat. Dafür ist kein Präsidium verantwortlich. Das sind wir alle, die dies auf jeder JHV auch so wollen. Ob das zu revidieren ist? Ich weiss es nicht.“, und spricht mir aus der Seele, wenn er mir schreibt, „Es wird an den eingeforderten Veränderungen liegen. Und daran wird man Oke messen. Ob das alles nur Lippenbekenntnisse sind, oder ob er es ernst meint und hier eine spürbare Opposition in der DFL aufbaut.“

Wir wollten eine Plattform des Guten im Profifußball sein. Ihn benutzen. Und sind gescheitert. Nun heißt es: neu erfinden oder kämpfen gehen.

St. Pauli als Plattform: was soll das sein?

Darüber muss ich noch ein wenig nachdenken, ergänze diesen Artikel also immer wieder …

In der Zwischenzeit: kommentiert gerne mit euren Gedanken und Ideen, und hört euch gerne Willis, Markus‘ und meine Gedanken dazu in unserem Podcast an.

Kommunikation des FCSP: Wenn zuwenig einfach zu wenig ist

Es sind schon komische Zeiten, wenn die sonst so verschlossen agierenden Ultras des FC St. Pauli klarer kommunizieren, als der Verein selbst.

Photo credit: Ted's photos - Returns late Feb on Visual hunt / CC BY-NC-SA

Nach den Vorkommnissen im Derby, das ist die gute Nachricht, hatte die führende Gruppe auf der Süd ein langes Interview beim Podcast „Millernton“ gegeben, in dem sie nicht nur die Verantwortung für die Ereignisse übernahmen, sondern auch erklärten, was sie OK finden, wohinter sie stehen. So billigt USP bspw. das Verbrennen von abgezogenen HSV-Schals und Bannern als besondere Maßnahme gegenüber einer „besonderen“ Szene.

Das empfinde ich als falsch, freue mich aber, dass es eine Haltung gibt, mit der ich mich auseinandersetzen kann.

Beim FC St. Pauli selbst ist das anders.

Am Tag vor dem nächsten Heimspiel, also zwei Wochen nach dem Derby, erschien auf FCSP.com eine Verlautbarung, die, gelinde gesagt, unklar war.

„Verantwortliche“ des Vereins, hätten ein Maßnahmenpaket beschlossen, eines, das in kurzen Spiegelstrichen aufgezählt wurde. Einzelheiten dazu blieben genauso unklar, wie der Absender der Nachricht.

Die Maßnahmen nach dem Derby im Einzelnen

  1. Umbauten im Eingangsbereich der Südkurve
  2. Intensivere Kontrollen beim Zugang zur Südkurve
  3. Quantitative Aufstockung des Sicherheitspersonals
  4. Verringerung des von Fangruppen in der Südkurve selbstbestimmt verwalteten Kartenkontingents für die Südkurve. Diese Karten gehen in den freien Verkauf.
  5. Kostenbeteiligung von Fangruppierungen der Südkurve an brandschützenden Maßnahmen

… und meine Fragen dazu:

  • Was sind das genau für Baumaßnahmen? Sollen diese einen Blocksturm demnächst verhindern helfen? Spekuliert wurde nach dem Spiel gg Duisburg über eine so genannte „Vereinzelungsanlage“.
  • Wieviele Karten verwaltet die Süd denn heute und wieviele „Morgen“? Wie lange sollen diese Maßnahmen gelten?
  • Was erhofft sich der Verein von dem „freien Verkauf“ der Tickets? Wie stellt man dann sicher, dass nicht lauter „Touris“ kommen?
  • Wie, was soll denn da an Brandschutzmaßnahmen erfolgen? Wieviel kosten diese und an wen stellt man dann die Rechnung? Eine Gebühr, die auf die Tickets umgelegt wird, wurde in Gesprächen auf der GG am Freitag diskutiert.

Fragen, die so ähnlich seit Donnerstag dutzendfach gestellt werden. Und unbeantwortet blieben.

Tweet des FC St. Pauli zu den „Maßnahmen nach dem Derby“

Überhaupt lässt diese Liste nur eines zu: das wilde Spekulieren. Weder ist klar, wer da mit wem diese Maßnahmen ausgeheckt hat, noch wie diese konkret aussehen.

Ich halte das für einen Fehler. Vor allem, wenn es stimmt was andere Blogger vermuten, und diese Maßnahmen aus einem echten oder fabulierten publizistischem Druck erfolgten. Offenkundig scheint mir, dass „die Verantwortlichen“ nicht alle meint, die beim FCSP Verantwortung tragen.

„Bis zum 4.4. zu warten, diese Selbstwiederfindung intern oder nur auf der Süd zu beprechen, halte ich nicht nur für einen Fehler, ich halte es auch für verpflichtend, all diejenigen mitzunehmen, die nicht organisiert und gut vernetzt sind.“

SPNU in diesem Blog

Ich wiederhole mich, wenn ich mir wünsche, dass solch wichtigen Diskurse nicht nur „intern“, entlang der verkrusteten und ausgelatschten Wege der aktiven Fanszene, geführt werden. So ein Statement habe ich mir allerdings nicht gewünscht, das ist ja noch schädlicher, als gar nicht zu kommunizieren. Etwas, zu dem der Verein inzwischen wieder zurück kehrt. Leider.

Lotsenwechsel an Bord der MV St. Pauli

Eines der eindrucksvollsten Bilder, die bei einem Besuch an der Kieler Förde übrig bleiben, sind die eindrucksvollen Lotsenboote, die in schillerndem Orange zu den Container-Schiffen pesen, um den neuen Lotsen an Bord zu bringen. Bei jedem Wind und Wellengang steigt der Lotse vom Kanal aus und der für die offene Ostsee steigt an Deck.
Gestern auf der JHV musste ich öfter an dieses Bild denken, Oke und sein Team brausten mit orangener Signalfarbe auf den braunweissen Tanker zu, und oben an der Reling standen die scheidenden Lotsen, Stefan Orth und seine Vizes.
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PK: Aufsichtsrat entzieht Stefan Orth und Präsidium das Vertrauen – Nordtribüne wird gebaut (Live-Tweet)

Der FC St. Pauli lädt alle interessierten Medienvertreterinnen und Medienvertreter zu einer Pressekonferenz am Dienstag (1.7.) um 11 Uhr in den Pressekonferenzraum des Millerntor-Stadions ein. Thema des Mediengespräches ist die aktuelle Situation im Präsidium des FC St. Pauli. Als Gesprächspartner steht Ihnen Präsident Stefan Orth zur Verfügung stehen.

Die Ankündigung der Pressestelle des FC St. Pauli macht mich neugierig; was ist denn die aktuelle Situation des Präsidiums?, inwiefern wirft die JHV da ihre Schatten voraus?, stellt Stefan Orth die Nachfolger von Tjark Woydt und Bernd Spies vor?
Ich bin um 11 am Millerntor und höre gespannt zu; in diesem Beitrag sammle ich dann die Updates, die ich via @stpauli twittere:
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Vortritt beim Rücktritt, oder: die JHV des FC St. Pauli könnte spannender werden, als gedacht. (Mittwoch, den 27.11.13 ab 18 Uhr 30 im CCH)

Nach der turbulenten Jahreshauptversammlung des FC St. Pauli im letzten Jahr, wo es für unser Präsidium um die Wurst ging, persönlich für Gernot Stenger, erwartet für dieses Jahr niemand Redeschlachten am Mikrophon. Auch werden wir auf schlecht inszenierte Theaterauftritte von Bernd Spies wohl verzichten müssen (der Auftritt selbst war ja ganz amüsant) … Es sei denn, es bewahrheitet sich ein Gerücht, dass sich seit dem Frühjahr hartnäckig hielt, nämlich dass entweder der Aufsichtsrat oder das Präsidium zurücktreten wollen, um zu verhindern, dass es nächstes Jahr zu einem Superwahltermin im November kommt und die JHV Aufsichtsrat und Präsidium neu wählen (muss)! „Vortritt beim Rücktritt, oder: die JHV des FC St. Pauli könnte spannender werden, als gedacht. (Mittwoch, den 27.11.13 ab 18 Uhr 30 im CCH)“ weiterlesen

Wie Stefan Orth, nur in bunt und wuchtig

„Ich bin nicht bunt, ich bin nicht schrill. Ich bin ich. Ich stehe für Ruhe, Kontinuität und Besonnenheit.“
Stefan Orth,
zum Antritt seiner Präsidentschaft beim FC St. Pauli ggü BILD.
Ich möchte eine Präsidentin.
Ich möchte es bunt.
Und laut muss eine Präsidentin auch mal werden können.
Und auch Angela Merkel steht für Ruhe und Kontinuität … puuh. Also bitte weniger davon.
Ok, Besonnen sollte sie sein.
Vorschläge?

Tjark Woydt zu DFB-Strafen: "Schweinerei"

Eine Schweinerei nennt Tjark Woydt, Vize-Präsident des FC St. Pauli die 480.000 EUR Strafen, die der Verein an den DFB zahlen musste, oder durch diese an Einnahmen einbüßte. Er adressiert hier nicht den DFB, wie ich für eine kurze Sekunde hoffte, sondern die eigenen Mitglieder und Fans – und das ist die Attitüde, die mich auf die Palme bringt.
Es ist die unerhörte Formel, in der willkürliche Verbandsstrafen ohne rechtliche Prüfung oder Gegenwehr angenommen werden – egal ob es sich um Becherwürfe von Business-Seatlern handelt, Pyros der Gäste oder harmlose Kassenrollen, die zwei Minuten einen Anpfiff verzögern – und dann gedroht wird, diese Strafen, auf die Mitglieder umzulegen.
Das ist die Einstellung, die Fans und Mitglieder ungeprüft auf die Seite der Täter stellt, eine Art „Sippenhaft aus Feigheit“ und die Pfeifen in Verbänden und Verwaltung in ihrer unrechtmäßigen Machtsucht legitimiert. Immerhin, dazke Tjark, nun kenne ich Deine wahre Agenda. Deine Haltung ist in meinen Augen eine Schweinerei!

Fast zwei Millionen Euro Steuern!

Der FC St. Pauli hat das Geschäftsjahr 2011/12 mit einem Gewinn abgeschlossen. Beim erstmals erstellten Abschluss für die St. Pauli-Gruppe (Konzernabschluss), in den zusätzlich die Wirtschaftsaktivitäten aller Tochtergesellschaften einflossen, wurde bei Gesamterträgen von EUR 30,25 Mio. ein Betriebsergebnis von knapp EUR 2 Mio. (vor Steuern) erzielt, was dann zu einem erfreulichen Jahresüberschuss nach Steuer von EUR 0,15 Mio. geführt hat.

… meldet heute Fcsp.com auf der Homepage den ersten Konzernjahresabschluss der FC St. Pauli Gruppe, wie Tjark Woydt „uns“ letzte JHV ja auch schon nannte, und was sich mindestens komisch anhört und auch ein wenig piekst.
Ich traue mir trotz kaufmännischer Ausbildung nicht zu diesen Abschluss zu bewerten (Was? Nur knapp 10% Umsatzrendite? „Versager“ ;)), aber eines fällt mir sofort auf: Wir haben 2011/2012 (das Geschäftsjahr geht sinnigerweise nicht kalendarisch, sondern bis zum Abschluss einer Saison am 30.06.) fast zwei Millionen Euro an Steuern bezahlt! Und da besteht die Stadt auch noch frech auf eine weitere Beteiligung bspw an der Domwache? Ja geht’s noch?
Ich frage mich, ob man diese zwei Millionen Euro nicht besser in gemeinnützige, Spenden-fähige Projekte im Stadtteil investieren könnte? Geht das so, dass nur die Steuerlast gemindert wird? Das fände ich St. Pauli-like!

"Fundamentalkritik" Heute: Präsidium

Mir wird immer wieder vorgeworfen, in meinem Blog zu einer Art „Fundamentalkritik“ zu neigen. Immer dagegen, selten irgendwofür. Das sei einfacher und Aufmerksamkeit-wirksamer. Und das stimmt natürlich auch. Blogger bloggen um gelesen zu werden. Das kann man ignorieren, ernsthaft dementieren wäre aber scheinheilig.
Zu meiner Art „Fundamentalkritik“ gehört Polemik und – in meinem Fall wichtig- der Blick von Außen. Ich kenne inzwischen eine Menge toller und auch anstrengender Menschen, die sich in den Tiefen unseres Vereins engagieren; trotz der schwer zu ertragenden Politik dort.
Heute will ich „eurem*“ Präsidium einmal aufmalen, wie ich es sehe.
Satirisch, persönlich und fundamental:

Unser Vorstand setzt sich satzungsgemäß aus dem Präsidenten und seinen Stellvertretern zusammen, die alle ehrenamtlich für den Verein tätig sind.
Am 14. November 2010 wurde das Präsidium durch die Mitgliederversammlung gewählt. Das Team setzt sich wie folgt zusammen: Stefan Orth (Präsident) / Jens Duve, Dr. Bernd-Georg Spies, Dr. Gernot Stenger, Tjark H. Woydt (Vizepräsidenten).

Stefan Orth:
Du fährst tatsächlich ein Auto mit einem Kennzeichen, das Deine Initialen trägt. Jeder im Verein, den ich spreche, findet, dass Du ein netter Kerl bist. Du tust keinem weh – und änderst Deine Meinung, eben deshalb vielleicht, permanent. Eine Haltung war Dir bisher noch nicht nachzuweisen.
Bis auf Zitate in Hamburger Boulevardmedien kommunizierst Du nicht bis gar nicht mit Deinen Mitgliedern. Zumindest kommt bei mir nix an.
Ehrlich, ob Du nun Präsident bist, oder in Paderborn kackt ne Kuh …?!
Bernd-Georg Spies
Dich sieht man immer seltener. Gibt ja auch wenig zu feiern derzeit, und noch weniger Gelegenheit die lockeren grauen Strähnen auf eine halbe Seite im Abendblatt zu lächeln. Vor allem seitdem ihr die Männer bei Springer so an der Nase herumgeführt habt im Frühjahr, dass sie euch – und Dir dem Schattenpräsidenten – einen eigenen Leitartikel schenkten.
Abgetaucht trifft es ganz gut, imho. War aber auch peinlich, dass Du Döspaddel neben Paderborn die medienwirksame Sicherheitstafel unterschrieben hast. So ein Foto lässt sich dummerweise schlecht dementieren – und Stress mit den Parteifreunden haste vermutlich seit der Schweinske-Cup Nummer sowieso. Warst Du das eigentlich, der damals gegen die tolle Stellungnahme des FCSP war?
Für Dich ist hier nix mehr zu holen. Bleib in Deckung und werde meinetwegen Senator in diesem SPD-Senat. Vielleicht ernennen Sie Dich ja zum Schirmherren der Reiterstaffel?
Und nun Du
Gernot Stenger:
Du hast mich enttäuscht. Als einziger, denn Deine Emotionen und Dein Mut, den Sozialromantikern entgegen zu treten, waren zwar inhaltlich falsch (imho) – aber zeigten ein erfrischendes Maß an Engagement, das sich bei den Verfahren vor dem DFB Sportgericht in Sachen Becherwurf zu einer Akzeptanz steigerte, bei der ich hoffte, Du könntest das Bindeglied werden, zwischen verfilzter Verbandsarroganz und dem, was St. Pauli ausmacht.
Leider, und das mag Dir so gar nicht vorgekommen sein, hast Du mit Deiner Rolle beim DFB-Sicherheitspapier die Seiten gewechselt. Am Ende hast Du vielleicht die Wahrnehmung der Dinge so lange verdreht, bis Du der einzige warst, der das Ergebnis noch als „St. Pauli Like“ gesehen hat. Schade!
Jens Duve:
War auch dabei, als das Jugendzentrum drei Sterne bekam. Also auf dem Pressefoto.
Tjark Woydt:
Macht in Anleihen. Ansonsten unauffällig.
* Der Autor gehört zum Club der 39, die das aktiuelle Präsidium nicht gewählt haben.

Präsident eines Fußballvereins zu werden, ist eine Scheißidee

Jolly Rouge Blogger im Echoraum in der Ritze (St. Pauli)

Jeky spielt drüben in ihrem Blog gerade ein Szenario durch, dass ich für denkbar unwahrscheinlich halte, und vermischt das mit einer gehörigen Portion Kritik an Blogs im Allgemeinen und FCSP-Blogs im Besonderen. (Offenlegung: auch wenn ich glaube, dass in der Hauptsache ein anderes Blog gemeint ist, fühle ich mich angesprochen … und blogge lange genug, um das Wiederkehren dieser Resonanz-Diskussion gelassen zu betrachten 😉

Wäre ich Dr. Gernot Stenger, würde ich zu dem Ergebnis kommen, dass eine unentgeltliche, ehrenamtliche Tätigkeit für diesen Verein, bei der man, egal, was man tut, ohnehin nichts richtig macht, irgendwie Zeitverschwendung ist.

Ich bin seit langem der Ansicht, dass „Präsident eines Fußballvereines“ ein „Scheiß-anstrengender Job“ ist. Tatsächlich kannst Du es kaum allen recht machen. DFL, DFB, Banken, Stadt, Politik, den Sympartysanten vielleicht, den Fans, den aktiven und engagierten schon mal gar nicht. Aber das weiß man vor der Wahl. Und außerdem gibt es auch Vorteile, gerade für Menschen, die sich in ihrem beruflichen Leben eng an der Politik bewegen und denen Öffentlichkeit in diesem Sinne sehr nützlich ist, nicht wahr Bernd? Oder, und das kann man auch nicht ganz von der Hand weisen, deren Schaugeschäfte besser denn je gehen, seitdem man als Retter eines Stadtteilvereines gilt? So, mein Punkt ist wohl klar, ich glaube nicht, dass die Herrschaften (übrigens alles Männer!) das aus reinen altruistischen Motiven tun – sicher auch, und die einen mehr, als die anderen. „Präsident eines Fußballvereins zu werden, ist eine Scheißidee“ weiterlesen

Michael Frontzeck – teures Feigenblatt eines angezählten Präsidiums?

Description
English: Michael Frontzeck, german football coach and former player.
Deutsch: Michael Frontzeck, deutscher Fußballtrainer und ehemaliger -spieler.
Date 12.02.2008
Source Own work
Author DarkZippy
Der Sportetat von Rachid Azzouzi, Sportchef des FC St. Pauli, soll schon vor der Entlassung von André Schubert komplett ausgeschöpft gewesen sein, erschloss sich mir in einem Gespräch mit „gut informierten Kreisen“ vor dem Spiel gegen Aalen.
Dann kam die Entlassung von André Schubert, die ich grundsätzlich begrüßt habe, die es aber auch nicht zum Nulltarif gibt. Stichwort Abfindung.
Zum nächsten Heimspiel gegen Union Berlin hatte man eine Trainer-Troika, und einen Nachfolger in Rekordzeit: Michael Frontzeck.
Nun frage ich mich: Zu welchem Preis?
Ist Michael Frontzeck zu teuer? Ein Trainergehaltsvergleich aus der Bundesligasaison 2010/2011 zeigt zumindest schon einmal das Gefälle, das Michael Frontzeck zu verkraften hat, wenn er denn bei Stanis Gehalt gelandet wäre:

* Holger Stanislawski (St.Pauli): 480.000
* Jens Keller (Stuttgart): 600.000
* Mirko Slomka (Hannover): 800.000
* Thomas Tuchel (Mainz): 800.000
* Michael Skibbe (Frankfurt): 1 Mio.
* Dieter Hecking (Nürnberg): 1 Mio.
* Michael Frontzeck (Gladbach): 1,2 Mio.

Quelle: 11 FREUNDE via soccerfans.de
Immerhin: auch Bild.de (unverlinkbar) nennt 720.000 EUR Gehalt für Michael Frontzeck bei Borussia Mönchengladbach.
Wäre es eine Option gewesen, mit der Troika in eine intensivere Trainersuche zu gehen? Wer hat das ggf. verhindert und warum? Ohne offizielle Erklärungen bleibt nur das Mutmaßen, aber ich könnte mir vorstellen, dass das Präsidium auf gar keinen Fall riskieren wollte, dass ihre Entscheidungsschwäche aus dem Mai nun wieder Thema in den Medien wird. Was meint ihr?

"Sicheres Stadionerlebnis" – nu auch Du Gernot!

Die DFL brütet was aus.
Eine Kommission aus sechs Vereinsvertretern soll OHNE Beteiligung der Fans oder Fanvertretern die Repression und das disziplinarische Eigenleben dieses ominösen Verbandes weiterdenken, verschärfen und legitimieren. Mittendrin: Der Vize-Präsident des FC St. Pauli, Gernot Stenger.

Ich verweise an dieser Stelle auf die vorbereitenden Analysen vom „Magischer FC Blog“ und der „basch
Ich mag Gernot Stenger, vielleicht, weil er durch seine Erscheinung und die in Jahrzehnten abgeschliffene Art die Sprache eines Juristen zu sprechen eher unsympathisch wirkt. Ich habe bei ihm – und nur bei ihm – den Wunsch wahrgenommen zu vermitteln. Mich erreichen Berichte, nach denen er als einziger im Präsidium bereit war, mit der Stadt, der Polizei, all diesen Zirkeldemokraten in den Innenfight zu gehen. Vielleicht ist ihm das ja nicht gut bekommen.
Anders kann ich mir nicht erklären, wie man als Vize-Präsident des FC St. Pauli so vorgehen kann, wie es Gernot und Bernd-Georg tun (Orth ist ja, bis auf kurze Besuche in Lokalredaktionen, abgetaucht). Letztlich, so muss man feststellen, agiert dieses Präsidium GEGEN seine Fans. Am Ende der Analyse, ist den Herren der konsumierende Sympartysant näher, als die aktive und desorganiserte Fanschaft des FC St. Pauli.
Das war im Übrigen schon immer so, zumindest habe ich das so wahrgenommen, dass Fanschaft, Fanladen und Jolly Roger sich nicht immer vertragen haben mit der Organisation und Verfilzung eines Fußballvereins. Enttäuscht bin ich nicht, habe ich von diesen Herren nichts anderes erwartet. Fordern werde ich es aber immer wieder:
Schließt die Reihen, wendet euer Gesicht denjenigen zu, die uns kontrollieren, gängeln, und am Ende vertreiben gedenken – Seid souverän, autonom und Sankt Pauli.
Oder geht.

Es gibt kei­nen Mit­tel­weg, ihr müsst euch ent­schei­den, auf wel­che Seite ihr steht und ich habe Angst, dass alle un­se­re Träu­me und Hoff­nun­gen aber­mals bit­ter ent­täuscht wer­den, wenn ihr eure Wahl trefft. Ger­not, der du an die­ser Kriegs­er­klä­rung mit­wirkst. Du meinst es so gut, du hast so viel ge­lernt, wir haben so viel ge­spro­chen, und du bist ein her­zens­gu­ter Mensch. Lei­der zeigt das nur deut­lich, dass du genau weißt, was du tust. Bernd, ich er­in­ne­re mich wie ges­tern an die Hand­schlä­ge und un­se­re Gra­tu­la­tio­nen zur Prä­si­dent­schaft noch auf der Bühne des CCH. Du, der Schat­ten­prä­si­dent mit Am­bi­tio­nen, der tolle Typ. Dass du den “Kodex” un­ter­schrie­ben hast, ob­wohl du genau wuss­test, wel­chen Weg die­ser ebnen soll­te und dass es in un­se­rem Ver­ein, in des­sen Namen du das getan hast, tief­ge­hen­de Dis­kus­sio­nen zu den The­men gibt – ich konn­te es nicht fas­sen. Ist das wirk­lich der geile Ehr­geiz, der reine Op­por­tu­nis­mus dem Ver­band ge­gen­über? Ste­fan, gibt’s dich noch? Jens, Tjark, wo steht ihr?
… via basch
… der Autor ist Mitglied im „Club der 39“

St. Pauli, Du Arsch

Punk
Ich möchte keinen Ehrenpräsidenten Corny Littmann, weil ich einen echten, amtierenende schrägen haben möchte (gerne auch als „queer*“ zu verstehen). Cornys Ego verstopft doch alles dahinter und lässt dann nur Raum für Ute Orth ihren Mann ihren Sohn.
Überhaupt war der Verein noch nie so bieder, mit jeder Tribüne, die aus lustlosem Beton sich des Kulturerbes Millerntor bemächtigt (ja, ich schreibe bewusst nicht „Kulterbe“), wird es schlimmer. Ich möchte Logen für Hartz4-Empfänger, eine umgekehrte Privilegierung; ich wünsche mir, dass Spieler Biermann wieder einen Vertrag bekommt, damit wir ein Zeichen setzen gegen die Leistungsgesellschaft Bundesliga. Ich streite gerne darüber, ob man das Stadion weiterbauen soll, und ich möchte dass wir den Support von USP als Ansporn begreifen. Ich bin ein Arsch, weil ich mir das alles wünsche, aber am Sonntag gar nicht kann**.
* Queer [‚kw??(?)] ist ein Fremdwort aus der englischen Sprache und bezeichnet als Adjektiv Dinge, Handlungen oder Personen, die von der Norm abweichen. Ursprünglich drückte es meist eine negative Einstellung zu der Abweichung oder dem Abweichler aus (Konnotation). **Der Autor ist am Sonntag mit Altona 93 unterwegs, und hat das Foto oben im O-Feuer aufgenommen