Scheiss St. Pauli

Nach Chemnitz, Cottbus und Rostock haben sich nun endlich die Fans das Vizestadtmeisters HSV in die Liste derjenigen eintragen können, die sich partout nicht benehmen wollen, wenn sie auf St. Pauli und am Millerntor zu Gast sind.

Anti-St. Pauli Gesänge, wie „Scheiss St. Pauli“ kommen meist von rechts Osten

Die immer wieder gerne wiederholten, deswegen aber nicht kreativer werdenden „Scheiss-St. Pauli“-Rufe des HSV-Anhangs wurden seinerzeit nur noch durch das „Deutsche wehrt euch, geht nicht zu St. Pauli“ getoppt – sie zeigen aber immer wieder den tiefen Komplex, der einige Menschen befällt, wenn sie und ihre Aggressionen an der liebenswerten Ironie unseres Stadtteils abperlen.

Zum Derby hat „Scheiß Sankt Pauli“ Hochkonjunktur

Gestern stand ich eine Weile am Millerntorplatz herum, ein „Hansa“-Pils genießend, als eine kleine Gruppe HSVer, von doppelt so vielen Polizisten begleitet, ihren Sonntagsspaziergang zum Kiez unternahm.

„Scheiss-St. Pauli, Scheiss-St. Pauli“ schallte es herüber. Eine Einladung, die wir gerne annahmen und fröhlich einstimmten.

Die Freude, Mitsänger gefunden zu haben (immerhin gibt es tatsächlich einige Dinge, die Scheisse sind bei St. Pauli, die vielen Rauten in den Business-Logen zum Beispiel, aber das ist eine andere Geschichte) – nun, eben diese Freude, dass auch andere mitsangen, kippte und fiel, das konnte man der entgleisenden Mimik deutlich entnehmen, in blankes Unverständnis um, als erkannt wurde, wer da mit in das Grölen einstimmte. 🙂

Eine schmerzhafte Divergenz zwischen dem, was der Kerl da hörte (Feind des Pauli ist mein Freund) und dem was er da sah (lauter Jolly Rogers auf schwarzen Sweatshirts). … und weil das schon mal ein toller Auftakt zum feinen Derby war, mehr davon:

Wie zeitlos populär der auf den Sänger zurückfallende Schmähgesang ist, zeigt sich zuletzt beim Hamburger Derby im Volkspark. Obwohl wegen Corona nur 1.000 Zuschauer zugelassen und ausschliesslich HSVer anwesend waren, entblödete sich der gesamte Anhang des Vizestadtmeisters, statt seine 11 zu spporten, Scheiss St. Pauli zu rufen.

Es bleibt erbärmlich. Und witzig.

Reeperbahn Festival: St. Pauli, wie es sein soll.


Der Sommer ist beinahe vorbei, da wandelt sich der Kiez ein weiteres Mal. Es ist Festivalzeit auf der Reeperbahn und St. Paulis Straßen werden von einer bunten Mischung aus Künstlern, Aktivisten und Musikliebhaberinnen bevölkert. Eine besondere Zeit im Jahr.
Wenn die Sonne schon am Nachmittag tief aus dem Westen herüber scheint und die Reeperbahn in goldenes Licht taucht, stehen Menschen, wie selbstverständlich um ein improvisiertes Soundsystem herum und wippen, einige tanzen. Der alte Reggae-Sänger und sein junger weißer DJ erinnern an alte Zeiten, in denen im weit entfernten Brooklyn solche Happenings an der Tagesordung waren und nebenbei ganze Musikstile aus der Taufe hoben.

Die Reeperbahn ist für fünf Tage der Nabel der (Musik)Welt

Ich nehme niemals sonst auf dem Kiez so wenig Aggression wahr, Jungesellenabschiede haben es schwer durchzukommen, durch die Crowds, die sich vor beinahe jedem Klub bilden. Es liegt eine gelassene Internationalität in der Luft, die man beinahe greifen kann.
 

DarioDumancic: „Stimmung Festival Village“

Musik und Kunst überall, da fällt es schwer, den Überblick zu behalten. Ich habe mir im Programm des Reeperbahnfestivals ein paar Events und Künstler herausgesucht, die ich mir dieses Jahr ansehen und anhören möchte. Wahrscheinlich wird aber doch alles anders kommen, als geplant und ich streune die Tage durch die Konferenz und später über die Reeperbahn und lasse mich einfach in dieser wunderschönen Stimmung treiben, wie auf einem Fluss aus Melodien; für ein paar Tage ist St. Pauli so, wie es sein soll 😉
A bunch of music journalists visited Hamburg in 2010 for a first impression on our magic district.

„So you think you’re cultured, arty and up for a great time? From World War bunker nightclubs, some of the strangest (funniest) shop/bar names, graffiti, football, art, The Beatles, sex shops and some of the friendliest people on the planet. You wont find many places quite like Hamburg and the organisers have definitely chosen the correct part of the world to host the Reeper Bahn Festival 2010.“

Mein Programm fürs Reeperbahn Festival 2018

Mittwoch: Ein Hammerstart-Tag

  • Joel Culpepper: eingängiger Soul, den man sich hervorragend zur Einstimmung bei Spotify anhören kann. Ein gestandener Sänger auf dem Weg zu seiner nächsten Stufe in der MI
  • FRUM: Ich liebe Skandinavische Musik, und die Musikerinnen von den zu Dänemark gehörenden Faröer Inseln sind herrlich schräg und einzigartig.
  • Ace Tee: die souligen Hip Hopper wollen beweisen, dass sie kein hübsch anzusehendes One-Hit Wonder sind. Bin gespannt; das Zeug dazu haben sie auf jeden Fall.
  • Rola: meine Favoritin des Tages. Eine vielseitige Rapperin, die abseits des Gangsta-Images mit den ganz Großen mithalten kann.

Weitere Tage folgen 🙂 …

Tickets ab 35,00 EUR für einen Festivaltag

 

St. Pauli als UNESCO Weltkulturerbe – ein substanzloser PR-Gag

Am Eingang der alten Haupttribüne des Millerntors kam ich regelmäßig (bei jedem Heimspiel 😉 an einer Tafel vorbei, in der das Stadion des FC St. Pauli als „Weltkulterbe“ beschrieben wurde. Ich habe da regelmäßig „Weltkulturerbe“ gelesen, und so betrachte ich mein Stadion heute noch, also als ein schützenswertes Kleinod, das der ganzen Menschheit und beschützt gehört.

Susis Showbar, Ecke Reeperbahn Große Freiheit bei Tag – Photo credit: ukg.photographer on Visual Hunt / CC BY-SA

Vom Reeperbahn Ballermann zum Weltkulterbe ist nur ein Katzensprung

Damals war Corny Littmann noch Präsident und dieser und seine Freunde beim Business Improvement District, kurz BID St. Pauli, hatten wohl dieselbe Assoziation, als sie kürzlich anregten, den Kiez rund um die Reeperbahn zum UNESCO Weltkulturerbe zu erklären.
„Im Laufe der vergangenen Monate haben sich hinter dieser ungewöhnlichen Idee Protagonisten als Initiative ‚Kulturerbe St. Pauli‘ zusammengefunden“, sagt Julia Staron, Quartiersmanagerin des BID im Stadtteil. „Täglich schließen sich Initiativen, Einrichtungen, Institutionen und auch Einzelpersonen dem Projekt an“, sagt sie ggü der Mopo.

Das Schützenswerte sind die Menschen auf St. Pauli

Dabei ist die Grundidee nicht falsch. Julia Staron zieht die richtigen Schlüsse, wenn sie meint, dass  durch „die steigenden Touristenzahlen sich manche ausgeliefert (fühlen)“ und Verdrängung, neudeutsch Gentrifizierung, befürchten. „Uns ist wichtig, dass wir nicht zu einem Museum oder einer Kulisse werden“.
Wobei ich mich sofort frage, wer denn bisher von den Touristenströmen, den Harley Days, dem Schlagermove oder dem ganz normalen Wahnsinn am Wochenende (Stichwort Jungesellenabschiede) profitiert oder mit seiner auch poltischen Einflussnahme zumindest ggf begünstigt hat?
Wenn ich an den Kiez denke, dann denke ich an die Menschen, die dort nicht mehr oder nur noch vereinzelt leben. Den Wegzug von migrantischen, queeren und anderen unter Gentrifizierungsdruck stehenden zu verhindern, das müsste Ziel jeder Maßnahme sein. Ob da das Label „UNESCO Weltkulturerbe“ die passende Strategie ist?

„Mit ihrer Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste erlangen die meisten Kultur- und Naturerbestätten einen gesteigerten Bekanntheitsgrad, der sich oftmals in einer Zunahme der Besucherzahlen widerspiegelt. Für die Bevölkerung in und um Welterbestätten bietet der Tourismus oft eine wichtige Einnahmequelle. Gleichzeitig kann jedoch ausufernder, unkontrollierter Tourismus zu einer Bedrohung für das Kultur- oder Naturerbe werden.“ – Die UNESCO zu möglichen Konsequenzen eines Weltkulturerbes

Ob ein mehr an Tourismus dann zu einem Bewahren der einzigartigen Kiezkultur führt, bezweifle ich. Zumindest solange, wie ein Megaevent auf St. Pauli das nächste jagd. Solange Filme, wie „Manche hatten Krokodile“ ein St. Pauli dokumentieren, das ausstirbt, wie der Regenwald in Brasilien.

Der St. Pauli Code als Leitbild

Viel erstrebenswerter als ein Siegel der UNESCO finde ich das Weben eines politischen Rahmens, der ermöglicht, dass der St. Pauli Code, den Bewohner des Stadtteils im Zuge der ESSO-Häuser-Auseinandersetzungen erstellt haben, mit Form und Leben erfüllt wird.

St. Pauli Code:

  1. Unterschiedlichkeit statt Homogenität fördern
  2. Kleinteilig bleiben
  3. Günstig statt teuer sein
  4. Originale und Toleranz fördern
  5. Sich seinen öffentlichen Raum aneignen und lebendig gestalten
  6. Experiment und Subkultur bleiben
  7. Einen Freiraum ohne Konsumzwang bieten

Allein letzterer Punkt wird nicht mit den Motiven des BID übereinstimmen. Vielleicht wollen Corny und Co. dieses Vehikel auch nur nutzen, um den Status Quo zu erhalten und bspw. die unliebsame Konkurrenz durch Kioske auf der Reeperbahn auszuschalten (denn die gehören ja wohl offenkundig nicht zu einem Weltkulturerbe, oder?).
Ich fürchte, dass die Bewerbung zum Weltkulturerbe am Ende genauso zum PR-Gag verkommt, wie die Aktion St. Pauli pinkelt zurück: eine dolle Geschichte (die es vielleicht sogar in die New York Times schafft) – für den Kiez  aber ohne Substanz bleibt.
Weiterlesen:

Fuck Harley Days

Ich habe einen guten Bekannten, der auch mal mein Chef war. Wir beide sind St. Paulianer, aber deswegen nicht immer einer Meinung. Beim Thema Harley Days prallen wir sogar regelmäßig aufeinander.

„Bitte keine Burn-outs“

Er liebt Motorräder, je lauter desto besser. Ich dagegen kann diesem Posing von Provinz-Zahnärzten und alternden Anwälten so rein gar nichts abgewinnen.

„Alles was dumm und scheiße ist, findet hier statt.“ – Rocko Schamoni

In einer Zeit, in der Gerichte Menschen vor tödlichem Abgas schützen müssen, eine solche Veranstaltung zuzulassen ist nicht nur nicht politisch korrekt, sondern „scheiße“ – wie Rocko Schamoni es einmal ausdrückte.
Auch auf die Gefahr, reflexartig als Spiesser gebrandmarkt zu werden, der anderen keinen Fun gönnt: jeder Spaß hat seine Grenzen und die sind auf St. Pauli längst so weit überschritten, wie die Grenzwerte in unserer Atemluft.
Harley Days HH Plakat
Dabei kann man dem einzelnen Harley-Fahrer gar keinen Vorwurf machen. St. Pauli ist für das Vergnügen da, das finde ich auch, und warum sollte das Vergnügen, mit einer 15.000 Euro teuren Maschine über die Reeperbahn zu brettern, weniger wert sein, als meines, jeden zweiten Sonntag (oder Montag oder Samstag 😉 in meinem Stadion herum zu grölen.

Party für alle, immer, das geht einfach nicht

Vielleicht ist die Grenze dessen, was man auf dem Kiez noch veranstalten kann, dann erreicht, wenn man andere Menschen verletzt. Und Lärm verletzt, vor allem der von getunten Harleys.
Wenn es wenigstens echte Rocker wären, die sich da zu modernen Ritterspielen zusammen fänden; dann passte das immerhin zum Milieu. Aber wenn sich Pinneberger Zahnärzte zum egomanischen „Sau-rauslassen“ treffen, dann ist das nichts anderes als einer der schlimmen Junggesellenabschiede nur mit ganz viel Leder.

Ich wünsche mir, dass dies die letzten Harley Days auf St. Pauli sind und werbe dafür, dass man den Vertrag, der 2020 ausläuft, nicht verlängert – oder zumindest das Konzept radikal anpasst.

BITTE KEINE HARLEY DAYS (Nie wieder)

***

Harley Days Termine:

… dreimal werden wir noch genervt, heissa dann ist Ruhe 😉

  • 2018: 22. Juni – 24. Juni
  • 2019: 28. Juni – 30. Juni
  • 2020: 26. Juni – 28. Juni

 

Save St. Pauli – Kioske auf der Reeperbahn sind nicht (allein) das Problem

Am kommenden Sonnabend wird auf St. Pauli demonstriert. Das Quartiersmanagement um Julia Staron und den selbsternannten Jugendgang-Vereiniger Michael Runge hat eine Demo organisiert, um nach dem „Wildpinkeln“ das „Wildsaufen“ zu bekämpfen.
Hej, denkt man da sofort, das ist eine tolle Sache. Leuchtet ja ein, dass die Biere, die im Kiosk zum Vorglühen gekauft werden, dann in den Clubs nicht mehr konsumiert werden. Die gerade geschlossene Burlesque-Bar wird hier in Anschlag gebracht gegen Jugendliche aus dem Viertel, aus Altona aber auch aus Pinneberg.

Die Amüsiermeile ist ein billiges Flittchen geworden.

Im Sommer bevölkern Hundertschaften Jugendlicher die Straße VOR den Clubs und cornern sich durch eine feuchte Nacht auf dem Kiez. Die Folge: Kotze im Hauseingang und Uringestank an jeder Ecke.
Aber ist das wirklich ein „ökonomisches Problem?

„Wenn die letzte Bar, der letzte Club geschlossen ist, werdet ihr merken, dass am Kiosk die Kultur am Ende ist“

Die G.A.S. St. Pauli, ein tief im Viertel verwurzelter Fanclub des FCSP ruft dazu auf, sich der Demo zu verweigern. „Save St. Pauli – Kioske auf der Reeperbahn sind nicht (allein) das Problem“ weiterlesen

Neu auf dem Kiez: AHOI St. Pauli Rum

Ahoi Sankt Pauli Rum mit Becher, Foto: AHOI Rum

Rum und St. Pauli, das gehört für mich zusammen.

Der Hafen, die Lichter, die Sehnsucht; all das ist in einem tiefen Schluck St. Pauli Rum zu finden. Nicht nur, wenn die aus Zuckerrohr gewonnene Spirituose nach ihrer Reise über die Weltmeere in Hamburgs Hafen anlandet.

Ein Tor von St. Pauli – ein Schluck Rum aus der Pulle, besser als die schönste Bierdusche

Ich stehe am Millerntor oft mitten auf der Gegengeraden, wo bei Toren des magischen FC häufig ein silberner Flachmann die Runde macht, gefüllt mit gutem Rum. Mir gefällt das. Es muss nicht immer Bierdusche sein. Ein stilsicherer Gruß an den Torschützen und ein Ritual, das verbindet.
Seit einiger Zeit läuft mir im Viertel immer öfter ein neuer Rum über den Weg: der AHOI Sankt Pauli Rum. Eine Kreation des St. Pauli Gastronoms Christopher Stapel. Er hat den AHOI Rum nach seinem persönlichen Geschmack entwickeln lassen: ausgewogen; stark und mild zugleich.

Hipster-Trend: St. Pauli Rum ist das neue Gin

Neulich sang der St. Pauli Barde Jochen Distelmeyer vom Gin Tonic ohne Gurke und Strohhalm, machte sich gleichzeitig über den Hype um diesen lustig. Der Trend auf St. Pauli geht weg vom Hipster-Tonikum, so mein Eindruck, führt eher zurück. Rum ist das kommende Getränk, auch weil es zwischen Hansens Verschnitt und 15 Jahre alten Perlen aus der Südsee so große Unterschiede und Geschmacksrichtungen gibt.

Ahoi Rum im Schaufenster. Foto: AHOI Rum

Der AHOI ST. PAULI RUM wird an vielen Orten auf dem Kiez schon verkauft, unter anderem bei:

  • baretta in der Susannenstraße
  • im St. Pauli Museum
  • in Stanis REWE Markt
  • … und vielen weiteren Verkaufsstellen (Karte)

Ich habe mir schon eine Flasche an Bord gestellt, für die klammen aber glücklichen Momente, wenn die Leinen fest und die Arme schwer sind. Aus den Emaillebechern, die wir Segler „Muck“ nennen, schmeckt der Rum nochmal so gut. Und bei dem einen oder anderen Tor des FCSP wird das Zuckerrohr-Destillat sicher auch rum-gereicht.

St. Paulis Susis Showbar – sexy Table Dance auf der Großen Freiheit?

An der Ecke Reeperbahn und Große Freiheit befindet sich ein Relikt der Zeit, in der es auf dem Kiez Live-Sex-Shows gab. Wie im nahe gelegenen Dollhouse (ebenfalls Große Freiheit) tanzen in Susis Showbar leicht bekleidete Mädchen und Frauen zu eingängigem Pop und ziehen sich für die meist männlichen Zuschauer aus.
Dabei wird ein Tischgeld verlangt und erwartet, dass die Damen, die gerade nicht tanzen und den Menschen an den Tischen ihre Vorzüge, die körperlichen, feil bieten, einen Piccolo ausgegeben bekommen.

Table Dance – ein patriarchales Relikt wird zur Touri-Show

Susis Mädels erfüllen ein uraltes patriarchales Ritual, das es schon lange auf St. Paulis Reeperbahn gibt: die Spontanverfügbarkeit von Frauen zum sexuellen Gefallen. Soweit, so normal. Susis Showbar unterhält aber auch eine Loge am antisexistischen Millerntor des FC St. Pauli und das (er)regte im Zuge der Sozialromantiker Proteste Widerstand.

Susis Showbar Loge am Millerntor: Umstrittener Stangentanz

Susi versteht nicht, was „wir“ St. Paulianer gegen sie und ihr Etablissement haben.
Ritsch, ihr Wirtschafter zeigt sich aber kompromissbereit: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass einige Fans Frauen gegenüber nicht so freundlich eingestellt sind. Deshalb haben wir beschlossen, gegen Kaiserslautern genauso fußballbegeisterte Boys wie Mädchen einzuladen. Sie sollen unsere Freude über ein erzieltes Tor durch ihre Tanzdarbietungen an der Stange zum Ausdruck bringen.“
… schreibt die Mopo – und lässt das Zitat unwidersprochen, dass sich „nur“ wenige Fans des FC St. Pauli an der „Trockenfickerei“ an den Stangen in der Loge stören.

Susis Showbar vs.  FC St. Pauli

Susis Showbar, Ecke Reeperbahn Große Freiheit bei Tag – Photo credit: ukg.photographer on Visual Hunt / CC BY-SA

Der Konflikt liegt hier ganz woanders: Das was für mich und sicher auch andere St. Paulianerinnen unerträglich ist, sind die Macht und Machismen, die in Logen hinter getönten Scheiben nicht nur die Mädels zu Lustobjekten machen, sondern das ganze Millerntor zur Sexfolklore gleich mit. Gerade gestern habe ich ein kurzes aber wichtiges Gespräch darüber geführt, was denn der Unterschied zwischen Tita von Teese (Foto) und einem Tabledance auf der Reeperbahn ist.

Subjekt=sexy

Es ist schlicht die Kunst, Frauen als Subjekte zu erhalten, die in einer Rolle ihre Würde wahren können. Ob das gelingt, hängt elementar mit dem Umfeld (Loge) und den Betrachtenden (Männer, die Logen besuchen/sich leisten) zusammen. „St. Paulis Susis Showbar – sexy Table Dance auf der Großen Freiheit?“ weiterlesen

Visit St. Pauli

Willkommen auf St. Pauli

Dieses Magazin beschäftigt sich mit dem magischen FC St. Pauli, seinem Kampf um den richtigen Bundesliga-Fußball im Falschen, und dem Stadtteil St. Pauli, direkt an den Toren Hamburgs an der Elbe gelegen.

Reeperbahn, ich komm an

Pyjama Hotel St. PauliWir lieben die Reeperbahn, den Hafen mit Hafenstraße, Pudel und Fischmarkt.
Die Meile zwischen Schanze und Kiez, mit Weinbar, tollen Hotels und Restaurants. Wir lieben die Menschen, die ihren Stadtteil beleben, bewirtschaften und bevölkern. Die sich gegen Gentrifizierung wehren und ihn jeden Tag gestalten.
 
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Uwe Knuth: Der St. Pauli Maler und "Bänker vom Kiez" wird 80

Es ist ein sonniger Spätsommertag, als ich von der Reeperbahn nach Bahrenfeld radle. Ich bin verabredet mit Uwe Knuth dem Maler, der auch Bänker war. Als einer der Vertrauten von Kiez-König Willi Bartels hat er die Finanzierung seines Immobilien-Imperiums organisiert. Das Hotel Hafen Hamburg unter anderem, in dessen oberen Glaserkern er sehr gerne malt. Mit traumhaftem Blick auf die St. Pauli Landungsbrücken und seinen Hafen.

80 Jahre – davon am längsten Maler

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Uwe Knuth wird diesen Monat 80 Jahre alt, weswegen die Fabrik der Künste eine Ausstellung seiner Bilder zeigt. Vernissage ist heute Abend.
In seinem gemütlichen Atelier stehen und hängen überall Bilder. „Ich muss noch die raussuchen, die in die Ausstellung sollen“, so entschuldigt er das Durcheinander. Wir trinken Wasser und plaudern über sein Leben und seine Malerei.

Eigentlich malt er schon länger Bilder, als er arbeitet.

„Uwe Knuth: Der St. Pauli Maler und "Bänker vom Kiez" wird 80“ weiterlesen

MOLOTOW MUSS BLEIBEN

MOLOTOW eröffnet 1990
gekündigt zum 30.06.2014
MOLOTOW MUSS BLEIBEN
Das Molotow St Pauli MUSS bLEIBEn
Das Molotow auf der Reeperbahn gehört zu meiner Sankt-Paulianer-Werdung dazu, wie das Millerntor, der Dixi im Funky Fuß, das Bendula, Onkel Otto, das Mary Lou’s, Schmidts‘ Theater, das schwitzen im Soul Kitchen, die Webcam in der Washington Bar, Helga und Heino im Komet, das Edeka mit seiner tollen Türsteherin oder das Top 10 des Kalle Schwennsen. Ein Klub darf untergehen, wenn er dem Kiez nichts mehr zu bieten hat. Ok. Aber von Bayrischen Spekulanten vertreiben lassen? NIX DA!

St. Pauli wird "Business Improvement District" (BID) – omg WTF?

Die Idee hinter dem Business Improvement District kommt aus den USA, weiss wikipedia, und ist ursprünglich eine Reaktion auf das zenrale Produktmarketing von Einkaufzentren, denen innerstädtische Bereiche nicht viel entgegenzusetzen hatten*. Nun soll unser St. Pauli auch einer werden, ein Distrikt in denen man die Geschäfte verbessert.
Die Idee ist, laut BILD.de, für St. Pauli nicht neu und soll im Februar dem Senat vorgelegt werden. Aber wer sind denn die „Geschäftsleute“, die sich da zusammenschliessen und drei Millionen Euro investieren wollen. Und wohin?
Dem Projektblatt bei Hamburg.de „bid st. pauli projektblatt“ ist nicht viel zu entnehmen.

Wo frage ich mich, liegt die Konkurrenz zu St. Pauli? Was wollen die Quartiersmeister in Sachen „Sauberkeit“ oder „Beschilderung“ anders machen? Ist das ein weiterer Schritt weg vom Wohnbezirk St. Pauli?
Was meint ihr?
*wikipedia:
BIDs wurden in nordamerikanischen Innenstädten als Reaktion auf die wachsende Konkurrenz durch Einkaufszentren entwickelt. Einer der Vorteile von Einkaufszentren gegenüber den gewachsenen Innenstädten ist, dass sie ein zentrales Management haben, das für eine gesunde Einzelhandelsstruktur sorgt, ein sauberes und einheitliches Erscheinungsbild wahrt und Werbemaßnahmen der Mieter koordiniert. Diese Eigenschaften von Einkaufszentren sollten durch BIDs auch Innenstädte erreichen. Das erste BID wurde 1970 in Toronto (Kanada) eingerichtet: Bloor West Village gilt heute als eine der BID-Erfolgsgeschichten.
Aufgrund ihres Erfolgs in Nordamerika gelten sie auch in Deutschland als zukunftsträchtiges Stadtentwicklungskonzept. Das erste BID in Deutschland wurde im Februar 2005 in Hamburg-Bergedorf beantragt, bewilligt und inzwischen erfolgreich umgesetzt. Ein weiteres prominentes deutsches Beispiel ebenfalls aus Hamburg ist der Neue Wall.

… weiter findet sich bei bid.de:

Die Idee hinter den BID-Modellen ist unter anderem die Abbildung von center-adäquaten Bedingung im innerstädtischen Bereich. Vor dem Hintergrund der wachsenden Konkurrenz durch Einkaufscenter sollen die Vorteile der Center (z.B. Sicherheit-Sauberkeit-Service, PKW-Erreichbarkeit, komplettes Angebotssortiment) mit denen der innenstädtischen Lage (wie etwa vielfältige (auch nicht-kommerzielle) Nutzungen der öffentliche Räum, ÖPNV Anbindung, gewachsene Strukturen und Flair) ein Verbindung gebracht werden. Letztendliches Ziel ist die Rückgewinnung und Bindung von Kunden, Besuchern und Mietern und damit die Erhaltung innerstädtischer Funktionsvielfalt einschließlich Dienstleistungs- und Wohnnutzungen.

Jack is visiting Sankt Pauli – a Reeperbahn Festival Preview

Its Reeperbahn Festival in September. Again.

A bunch of music journalists visited Hamburg lately for a first impression on our magic district.

So you think you’re cultured, arty and up for a great time? From World War bunker nightclubs, some of the strangest (funniest) shop/bar names, graffiti, football, art, The Beatles, sex shops and some of the friendliest people on the planet. You wont find many places quite like Hamburg and the organisers have definitely chosen the correct part of the world to host the Reeper Bahn Festival 2010.

… and here is his blogpost about it.