Starcars doofer Sexismus – und was der FC St. Pauli damit zu tun hat

Foto: Pinkstinks

Der FC St. Pauli hat ein echtes Problem mit seinen Sponsoren. Zuerst die Panne mit der „Pussy-Bande“ vom Autohaus Thomsen, dann der grenzwertige Plakat-Rassismus des Hauptsponsors Astra, vom Sexismus der Biermarke ganz zu schweigen. Überhaupt haben die Marketingabteilungen der Partner des Kiezklubs ein echtes Machoproblem.

Zuletzt Media Markt (immerhin nicht im Stadion) und nun Starcar, immerhin Sponsor der Kategorie „Kapitän“ beim FCSP.

Platter Sexismus sells? Wirklich?

Starcar Sexismus Werbung
Sexistische Postkartenwerbung von Starcar

Seit letztem Monat gehen dutzendfach Fotos, wie das da oben, beim Werbemelder der Aktivisten von Pinkstinks ein. Dabei handelt es sich, wie mir die Pressestelle des FCSP mitteilte, nach Starcars Aussage um eine 2 1/2 Jahre alte Kampagne, die auf damalige Beschwerden hin, aus der Kommunikation genommen wurde. Warum diese jetzt wieder auftaucht, ist unklar.

Abgesehen davon, dass ich nicht glaube, dass „Popo sells“ ein wirkungsvoller Marketingansatz ist, ist für mich aber klar: diese Art der Werbung passt nicht zu einem Sponsoren des FC St. Pauli. Punkt!

Geile Kiste? Ernsthaft? Am Freitag ist #Weltfrauentag. Was habt ihr euch bloß dabei gedacht?!

Pinkstinks auf Facebook

Imageschaden durch Sponsoren

Das Problem, dass sexistisches und anderweitig diskriminierendes Verhalten weniger dem Sponsor als dem FC St. Pauli schadet, habe ich hier schon einmal angesprochen. Inzwischen mutiert das Ärgernis zu einem echten Problem: die Marke St. Pauli nimmt Schaden!

Vertragsstrafen als probates Mittel

Ich halte es für essentiell, dass unsere Sponsoren sich auf gewisse Spielregeln verpflichten, da reicht augenscheinlich eine Broschüre gegen Sexismus nicht aus. Sponsoren muss klar sein, dass man sich mit dem Jolly Roger nicht schmücken kann, wie mit einem Federschmuck zum Fasching; eine Partnerschaft mit dem FC St. Pauli bringt Verantwortung mit sich – eine Verantwortung, die sich dringend auch in den Verträgen manifestieren muss:

  1. Vertragsstrafen bei Image-schädigendem Verhalten des Sponsors. Das kann der FC St. Pauli ja gerne in die Anti-Diskriminierungsarbeit stecken, dann haben alle etwas davon.
  2. Schulungen der Partner durch NGOs und Coaches: wie wäre es denn mit Präventivarbeit? Ich fordere, dass 5% jeder Sponsoringsumme für die Schulung der Sponsoren und Partner – und der Mitarbeiterinnen des FCSP – von Betroffenenverbänden und Coaches verwendet wird. Da kann man mit Pinkstinks anfangen und über Beraterinnen, wie Noah Sow und andere sich einen echten Benefit einkaufen.

Ich habe den FC St. Pauli um eine Stellungnahme gebeten, die ich hier nachtrage, wenn sie eintrifft. Ich habe schnell eine Antwort aus der Geschäftsstelle erhalten, danke dafür.

Ansonsten hat Starcar mit dieser Aktion mindestens einen langjährigen Kunden verloren: mich.

Der Under Armour #meetoo Querschläger …

In Washington spricht man vom so genannten „Trump Lightning“-Effekt, wenn die (meist zurecht entfachte) Wut und Erzürnung über Donald Trump an ihm abzuprallen scheint und stattdessen diejenigen neben ihm trifft. Vom Pilotenbrille tragenden Pressesprecher bis zu FBI-Bossen.

Alumni Event at The Under Armour Headquarters; CEO Kevin Plank – Foto University of Delaware – CC by =

Under Armour, Astra – und welche Marke nimmt Schaden? Der FCSP!

Beim FC St. Pauli ist das ähnlich. Die Fehltritte ihrer Sponsoren schlagen wenig auf die Unholde in den Konzernen durch, sowohl Astra, als auch Under Armour scheren sich vermutlich nur wenig um unsere Aufregung, sei sie noch so medienwirksam (ja, das ist ein kleiner Anflug von Selbstkritik ;). Neben denen, die verhöhnt, markiert oder diskriminiert werden nimmt der FC St. Pauli und seine Integrität enormen Schaden. „Der Under Armour #meetoo Querschläger …“ weiterlesen

Das Millerntor ist kein SAFE PLACE, traurig aber wahr

Eye without a face – Photo credit: Kecko via Visualhunt / CC BY

Der magische FC Blog dokumentiert einen alltäglichen Übergriff während eines Spiels am Millerntor. Diesmal einen sexistischen. Die Beschreibung des Vorfalls ist so alltäglich, die Reaktionen darauf so vorhersehbar, dass genau diese Banalität und der Automatismus, mit dem auch im St. Pauli Umfeld diskriminierende Übergriffe abgehandelt werden, schmerzen.

„Ich würde gerne sagen, dass das erste Mal war, dass mir sowas im Station passiert. Wäre aber leider gelogen. Und ich fürchte auch, dass sowas (nicht nur mir) wieder passiert.“

Eine gute Freundin von mir erlebte solche alltägliche Verletzung auch – rassistisch. Die, da deckt sich ihre Schilderung mit dem Beitrag „Übergriff während des Stoke Spieles“, besonders weh tun, weil St. Pauli als Safe Place gewünscht wird.
Der erste Schritt zur Besserung ist wohl, dass wir anerkennen, dass sexistische Übertretungen und auch andere Verletzungen durch Diskriminierung bei uns stattfinden. Sankt Pauli ist nicht deswegen „immun“, weil wir uns Antidiskriminierung auf die Flaggen schreiben oder hinten ans Trikot heften.

St. Pauli ist kein Safe Place!

Das erinnert alles sehr an die #metoo Diskussion – und das passt auch meiner Ansicht nach. Das zu erkennen kann nur der erste Schritt sein. Zuhören und Nachlesen der zweite.
Nachlesen kann man den Bericht im Original hier …

St. Pauli T-Shirts: Nur für Frauen Nun für alle in Rosa

Es ist noch nicht so lange her, da hat der FC St. Pauli seinen Werbepartnern einen Leitfaden vorgelegt, in dem Werbung ohne Sexismus angepriesen wird. Bei seiner eigenen Modekollektion scheint schien der FCSP-Shop diese Richtlinien allerdings nicht ganz so konsequent zu beherzigen.

Kollektion Ruby des FC St. Pauli. Screenshot: fcstpauli.com

FC St. Pauli sagt Sorry

Update: Nach eindeutigen, klaren und teilweise heftigen Reaktionen (u.a. in diesem Blog, siehe unten) auf seine Kollektion „RUBY“, hat der FC St. Pauli eingelenkt.

Die Merchandise-Kollektion „Ruby“ hat in den letzten Tagen im Verein und seinem Umfeld für Diskussionen gesorgt. Für das Wording zur Vorstellung der Frauen-Kollektion (u.a. „zauberhaft und liebenswürdig“), das auf sexistische Klischees einzahlt, bittet der FC St. Pauli um Entschuldigung.

Es bleibt zwar offen, wie diese neue Form der Kollektion aussehen wird, auch ist nicht klar, ob Männer in Zukunft ihren Jolly Roger in pink tragen können. Das Eingeständnis eines Fehlers zeigt Größe und unterstreicht eine Entwicklung, die ich mir wünsche und unterstütze.

„Ruby“ ist die werbefreundlichere Umschreibung von Rosa

Mit den Attributen „zauberhaft und liebenswürdig“ bewirbt die Startseite des FC St. Pauli die „neue Kollektion Ruby“; wobei Ruby eine Form von Rosa ist, zumindest sind alle Kleidungsstücke, T-Shirt, Kleider und Hoodies rosa – und offenkundig nur für Frauen gedacht. Das ist nicht schlimm und auch nicht sexistisch im engeren Sinne der Leitlinien. Ein Verein, wie der FC St. Pauli sollte sich aber mehr Gedanken über solch eine Produktauswahl machen, finde ich.

Auch Männer mögen Rosa

Damit weist die Merchandising-Abteilung den Frauen unter den St. Paulifans nicht nur eine Gender-typische Farbe zu (die Shirts gibt es nur in so genannten „Damen-Schnitten“ und nur bis zur Größe XL), sie schließt auch noch Männer aus.

Die St. Pauli Fans reagieren polemisch auf das Angebot in „Hot Pink“

Der Fanclubsprecherrat (FCSR) reagiert bei Facebook mit nicht ganz ernst gemeinten weiteren Vorschlägen.

„Was zusätzlich wünschenswert wäre: Pink/rosafarbener Schal ohne Vereinsfarben. Vergünstigter Eintritt für Frauengruppen mit jeweils ner Flasche Prosecco.“

Das St. Pauli Blog „Lichterkarussel“ sieht den Abstieg schon vollzogen, „während die erste Herren-Fußballmannschaft plötzlich im Abstiegskampf steckt, ist die Merchabteilung schon abgestiegen und möchte weibliche Fans künftig in rosa kleiden. Jungs müssen weiter auf diese schöne Farbe verzichten“.

Korrekte T-Shirt Angebote lohnen einfach nicht?

Vor fünf Jahren habe ich mich schon einmal darüber geärgert, dass es keine St. Pauli Shirts in Pink und für Männer gibt. Damals hat der Chef von Upsolut (ein Mann 😉 mir geantwortet, dass sich große Größen und Männer-Schnitte in gewissen Farben nicht verkaufen.
Ein politisch ausgewogenes Sortiment passte offenkundig nicht in die Profitmaximierungsstrategie eines französischen Mischkonzerns. Nun gehört das St. Pauli Merchandising schon seit einiger Zeit wieder dem Verein.
Na?, FC St. Pauli, wie wäre es mit einem Herren T-Shirt mit FC St. Pauli Jolly Roger in 2XL in pink, rosa oder meinetwegen „Ruby“? Ich würde eines kaufen, denn „zauberhaft und liebenswürdig“ steht mir!

FC St. Pauli präsentiert neuen Leitfaden gegen Sexismus im Stadion

Offiziell ist sexistisches Verhalten am Millerntor in der Stadionordnung untersagt, aber das Ziel, unser Millerntor zu einem Safe Place auch und gerade für Frauen zu machen, ist noch lange nicht erreicht.

Eye without a face – Photo credit: Kecko via Visualhunt / CC BY

Ob es „Achim die F****“ auf der Nord ist, die lauthals angesungen wird oder ob Sponsoren und Werbepartner sexistisch am Millerntor agieren; entweder „aus Versehen“, wie das Autohaus Thomsen oder aus Überzeugung, wie Susis Showbar oder aus mangelnder Einsicht, wie Astra Werbung: es bleibt vor allem für Sponsoren und Marketing-Partner eine Menge zu tun.

Pinkstinks, das Aktionsbündnis und der FCSP entwickeln Leitfaden für Sexismus

Dabei ist es gerade für Agenturen, Marketing-Fuzzies und Sales-Menschen – die meisten Männer (vor allem die Entscheider)  – wichtig zu lernen, was geht und was nicht. Immerhin, und das betont Stevie Schmiedel, die Gründerin von Pinkstinks immer wieder, geht es nicht darum, dass Werbung nicht sexy sein darf. „FC St. Pauli präsentiert neuen Leitfaden gegen Sexismus im Stadion“ weiterlesen

Hannover 96 macht auf Cleveland Indians

Es ist eine Szene, die Filmgeschichte schrieb: In dem Baseballfilm „Cleveland Indians“ versucht eine Truppe von abgehalfterten Profis verzweifelt, die Meisterschaft zu gewinnen, nachdem sie erfahren haben, dass sie nur geholt wurden, um abzusteigen.
Zur Motivation stellen sich die Kerle eine Aufstellpuppe ihrer Managerin in die Kabine und entblättern sie mit jedem Sieg.

Hannover 96 motiviert sich mit Sylvie van der Vaart Meis

„Hannover 96 macht auf Cleveland Indians“ weiterlesen

St. Paulis Susis Showbar – sexy Table Dance auf der Großen Freiheit?

An der Ecke Reeperbahn und Große Freiheit befindet sich ein Relikt der Zeit, in der es auf dem Kiez Live-Sex-Shows gab. Wie im nahe gelegenen Dollhouse (ebenfalls Große Freiheit) tanzen in Susis Showbar leicht bekleidete Mädchen und Frauen zu eingängigem Pop und ziehen sich für die meist männlichen Zuschauer aus.
Dabei wird ein Tischgeld verlangt und erwartet, dass die Damen, die gerade nicht tanzen und den Menschen an den Tischen ihre Vorzüge, die körperlichen, feil bieten, einen Piccolo ausgegeben bekommen.

Table Dance – ein patriarchales Relikt wird zur Touri-Show

Susis Mädels erfüllen ein uraltes patriarchales Ritual, das es schon lange auf St. Paulis Reeperbahn gibt: die Spontanverfügbarkeit von Frauen zum sexuellen Gefallen. Soweit, so normal. Susis Showbar unterhält aber auch eine Loge am antisexistischen Millerntor des FC St. Pauli und das (er)regte im Zuge der Sozialromantiker Proteste Widerstand.

Susis Showbar Loge am Millerntor: Umstrittener Stangentanz

Susi versteht nicht, was „wir“ St. Paulianer gegen sie und ihr Etablissement haben.
Ritsch, ihr Wirtschafter zeigt sich aber kompromissbereit: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass einige Fans Frauen gegenüber nicht so freundlich eingestellt sind. Deshalb haben wir beschlossen, gegen Kaiserslautern genauso fußballbegeisterte Boys wie Mädchen einzuladen. Sie sollen unsere Freude über ein erzieltes Tor durch ihre Tanzdarbietungen an der Stange zum Ausdruck bringen.“
… schreibt die Mopo – und lässt das Zitat unwidersprochen, dass sich „nur“ wenige Fans des FC St. Pauli an der „Trockenfickerei“ an den Stangen in der Loge stören.

Susis Showbar vs.  FC St. Pauli

Susis Showbar, Ecke Reeperbahn Große Freiheit bei Tag – Photo credit: ukg.photographer on Visual Hunt / CC BY-SA

Der Konflikt liegt hier ganz woanders: Das was für mich und sicher auch andere St. Paulianerinnen unerträglich ist, sind die Macht und Machismen, die in Logen hinter getönten Scheiben nicht nur die Mädels zu Lustobjekten machen, sondern das ganze Millerntor zur Sexfolklore gleich mit. Gerade gestern habe ich ein kurzes aber wichtiges Gespräch darüber geführt, was denn der Unterschied zwischen Tita von Teese (Foto) und einem Tabledance auf der Reeperbahn ist.

Subjekt=sexy

Es ist schlicht die Kunst, Frauen als Subjekte zu erhalten, die in einer Rolle ihre Würde wahren können. Ob das gelingt, hängt elementar mit dem Umfeld (Loge) und den Betrachtenden (Männer, die Logen besuchen/sich leisten) zusammen. „St. Paulis Susis Showbar – sexy Table Dance auf der Großen Freiheit?“ weiterlesen

Fanfeed: Sexistische Kackscheisse zur Frauen-Fußball-WM

Fanfeed aggregiert Inhalte zum Thema Fußball in eigenen Beiträgen und strickt darum herum Artikel-Füllstoff – das unter anderem auch für den FC St. Pauli für dessen Live-Fanfeed „Millerntorlive“. Nun ist gerade Sommerloch und Fußball WM der Damen. Da liegt es doch nahe, „die heissesten Geräte“, gemeint sind Spielerinnen, aus den Teams zu zeigen. Eine immer wiederkehrende sexistische Kackscheisse, Nationalspielerinnen zu Sexobjekten zu degradieren, hinter denen die Fußball spielende Person verschwindet. „Fanfeed: Sexistische Kackscheisse zur Frauen-Fußball-WM“ weiterlesen

FC St. Pauli VIP Logen: Gilt hier nicht auch die Stadionordnung? #sexism

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Susis Showbar musste von der Fanschaft dazu gedrängt werden, ihren Stangentanz in der VIP Loge sein zu lassen. Akzeptiert hat Susi von der gleichnamigen Showbar in der Großen Freiheit das nie. Heute habe ich mir die Astra Loge angesehen und muss mich fragen, wie ein offensichtlich sexistisches Motiv, wie das oben in unserem Stadion hängen kann?

Astra, schlimmer Sexismus auch am Millerntor

Sind VIP-Logen Zonen, in denen unsere Stadionordnung nicht gilt? Natürlich nicht!
Ich fordere Astra auf, ihre Loge umzudekorieren und vom Verein, dass er die Werte des FCSP auch und gerade ggü Sponsoren durchzusetzen.

Mach Dich grade Nordkurve #Sexismus #Homophobie

Es ist kein Problem der Nordkurve allein, dass sich homophobe und sexistische Artikulationen auch am Millerntor noch halten, dort wird es aber gerade offen sichtbar, dass unsere Fanszene nicht nur immer noch eine Menge Arbeit mit sich selbst hat, auch dass in den letzten Jahren die Energie erlahmt ist, das Thema in den Konflikt zu bringen. Nun taucht heute ein Foto (auf Wunsch entfernt) in sozialen Medien auf, das eindeutig sexistische und homophobe Sticker eines Nordkurven-Stehers auf seiner Kutte zeigt. Kurz: Diese Sticker dieser Typ haben am Millerntor nix verloren.
„Mach Dich grade Nordkurve #Sexismus #Homophobie“ weiterlesen

Sexistische Kackscheisse oder Boulevard-Ballermann? #LennartThy

Lennart Thy als Spieler vom FC St. Pauli; Source: Wikimedia, Author: Northside
Lennart Thy als Spieler vom FC St. Pauli; Source: Wikimedia, Author: Northside
Lennart Thy und das gesamte Team des FC St. Pauli sind von der BILD und anderen bunten Medien auf den Boulevard geschleift worden; angeblich gab es eine sexistische Attacke gegen ein Penthouse-Model am Strand von El Arenal.
Das wäre natürlich ein Super-Gau, wenn er stimmte – nur einen Tag nach der Empörung über den DFB, könnte diese noch größer ausfallen. Allerdings traue ich der BILD-Redaktion jede schmutzige Verdrehung der Wahrheit zu und halte mich mit meinem Urteil sehr zurück. Soweit ich weiss, ist das „Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus Sankt Pauli“ an der Sache dran und mit dem Verein im Gespräch. Da ist die Sache sicher besser aufgehoben, als auf dem Boulevard.

Stadion-Bande gegen Sexismus und Homophobie.

Gestern wurde auf Kiezhelden der letzte Rest an Spenden eingesammelt, heute ist sie schon fertig: die neue Bande im Millerntor-Stadion gegen Sexismus ist aufgehängt: „Football has no gender“

Foto: FCTSPAULI.COM
Foto: FCTSPAULI.COM, „v.l. Tjark H. Woydt (Präsidium), Dorit Moysich (Projektleitung Kiezhelden), Anne Schick (Aktionsbuendnis gegen Homophobie und Sexismus), Mirko Woitschig (Fanclub Sprecherrat), Rene Born (AFM Vorstand)
Fussball, FC St. Pauli, Praesentation Bande ‚Football has no gender‘ im Stadion Millerntor“

 
 
 
 
Der FC St. Pauli setzt gemeinsam mit dem Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus und seiner sozialen Seite KIEZHELDEN ein weiteres sichtbares Zeichen gegen Sexismus. Zwischen der Gegengerade und der Südkurve des Millerntor-Stadions wurde eine braune Bande angebracht, auf der in weißer Schrift „Football has no gender“ zu lesen ist.

„Football has no gender“

„Nach dem Hissen der Regenbogenfahne auf dem Dach des Stadions ist die Bande mit diesem Statement ein weiterer Schritt in unserem Kampf gegen Sexismus und Homophobie im Fußball“, erklärt St. Paulis Vizepräsident Tjark Woydt.
Mirko Woitschig vom Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus begrüßt dieses im Stadion sichtbare Zeichen: „Wir wissen dieses Zeichen wirklich sehr zu schätzen und freuen uns darüber hinaus sehr, soviel Unterstützung und positives Feedback aus allen Ecken des Vereins und der Fanszene bekommen zu haben.“
Unterstützung für die Bande erhielt das Aktionsbündnis von KIEZHELDEN, dessen zehntes Projekt die Teil-Finanzierung der Bande war, sowie durch die Abteilung Fördernde Mitglieder des FC St. Pauli und den Fanclub-Sprecherrat.

Ein Zeichen für Vielfalt und gegen Homophobie

Der FC St. Pauli hat darüber hinaus Vertreter der Vereine, die die Berliner Erklärung gegen Homophobie unterschrieben haben, vor dem Spiel gegen den SV Sandhausen eingeladen, um weitere Schritte im Kampf gegen Diskriminierung aufgrund von Geschlecht oder sexueller Orientierung zu diskutieren.

Friede, Freude Gegengerade?

Es war schön mittenmang zu stehen, auf der neen Gegengeraden und aus voller Brust YNWA zu singen. Auch wenn das inszeniert war, und der echte Roarr noch nicht so recht den Weg auf diese frische Betontribüne fand.
Und es war gut, dass das Aktionsbündnis gegen Homophobie und Sexismus Flagge & Flyer zeigte, und wie sich heraus stellt: bitter nötig war es auch.
Es ist ein Verdienst der kritischen Geister unserer Fanschaft und in der Blogosphäre (ja Momo meine ich) und rund um das Millerntor, dass diese Themen immer wieder aufs Tablet kommen, die verhindern, dass sich diese Fanschaft gemütlich ausruht auf dem tatsächlich Erreichten und dem vermeintlich.
Natürlich haben wir im Stadion ein genau so gelagertes Sexismus und Rassismus-Thema, wie überall in der Gesellschaft. Nur, weil sich keine ausgesprochenen Nazis mehr zu uns trauen, sind wir, mehrheitlich weiß, hetero und männlich, nicht gefeit vor dummer Anmache aus den eigenen Reihen.
Was mal wieder engagierte Frauen uns zurufen müssen, sicher nach reiflicher Abwägung, ob man ihm Freudentaumel überhaupt gehört wird. Deswegen ist Annehmen, Sackenlassen, Mitwüten wichtig. Lasst das Abtun, das Abwälzen auf „die Neuen“ – stellen wir uns: „Our journey is not complete!“

Zu unser Flyeraktion heute: Vielen Leuten schien das von uns angesprochene Thema aus dem Herzen zu sprechen. Danke fürs tolle Feedback!
ABER, und jetzt müssen wir die Supi-Dupi Gegengeradeneröffnungsparty dann dochmal sprengen! Was von Teilen, nicht wenigen, Gegengeradenbesuchern gegenüber einigen unserer (vornehmlich weiblichen) Gruppenmitgliedern an Bermerkungen gemacht wurden geht nicht und werden wir auch nicht dulden!
Hier ein paar Beispiele:
– „Wenn man sich so kleidet wie Du, darf man sich über sexistische Äußerungen nicht beschweren.“
-„Was soll das Sexismus ist doch nicht schlimm.“
Dass saufen für viele Leute wichtiger ist als Fanaktionen, wissen wir ja schon, macht die Sache mit blöden Kommentaren dann trotzdem auch nicht besser.
Dazu sei gesagt, falls jemand sein Zitat hier wiedergefunden hat, darf er uns gerne entliken und auch sonst dem Millerntor fern bleiben.
Keiner braucht Sexisten auf St. Pauli! Wer das auch so sieht darf sich gerne uns anschließen.

Stadion-Dominanzgesellschaft #profcsp

Wo wir schon mal dabei sind, uns zu hinterfragen, #profcsp, sei auch der bei metalust weiterdiskutierte Kommentar von Noah noch einmal zitiert …
»Kann ich mich drauf verlassen, dass im Stadion rassistische Comictransparente sofort abgehängt werden? Nein. Muss ich mir rassistische Sprüche anhören und weiß, dass das dann nicht groß thematisiert wird? Ja. Werden zwei Schwarze Frauen schon mal ohne jeden Anlass bepöbelt und alle glotzen doof und niemand schreitet ein? Ja. Sind das Einzelfälle? schön wärs. Bei ‘zehn’ hab ich aufgehört zu zählen und meine Dauerkarte verschenkt. Ist die Bude schlicht und einfach weit davon entfernt, ein ‘safe space’ zu sein? Aber Hallo. Bildet der Verein (die Angestellten) sich fort, was und wie Antirassismus eigentlich überhaupt ist und funktioniert? Nein. Kann ich eine Combo ernst nehmen, die gegen Rassismus sein will, sich aber über ihre eigenen Exklusionssignale und -Gepflogenheiten keine Gedanken macht? Nein.«

Digitale Dominanzgesellschaft #profcsp

Wo wir gerade dabei sind uns zu hinterfragen … #profcsp
… kann ich euch einen Blog ans Herz legen, …
»Denn die Facebook- und Twitter-Revolutionen, diese Mitmach-Politik, von denen hierzulande seit der “Grünen Revolution” im Iran so euphorisch gesprochen wird, entsteht auf dem Rücken von vielen zugunsten einiger privilegierter Menschen, zu denen logischerweise auch Frauen gehören. Dass wir rund um die Uhr an Politik teilhaben können, uns vernetzen, kommunizieren und theoretisieren und überlegen, wie das Netz dieser egalitäre Raum bleiben kann ohne staatliche Zugriffe, übersieht, dass wir schon längst Teil einer dominanten und dominierenden Sphäre sind, die andere ausschließt und ausbeutet.
Dabei wären das Netz und die neuen Kommunikationsformen und -techniken noch viel machtvoller, würde versucht, diese Ausschlüsse aufzubrechen oder zumindest nicht weiter fortzuführen. Der wohl schmerzloseste Beginn wäre eine Debatte darüber, ob unsere Theoretisierungsversuche eines transnationalen Wissen- und Machtraumes auch wirklich alle einbezieht, welche Stimmen in der Diskussion darüber bisher außen vor bleiben.« — Medienelite