Kollektivstrafen – und die komische Weltsicht der DFL (Antragspaket Sicheres Stadionerlebnis)

Ich besuche gerne regelmäßig – auch beruflich – das Münchner Oktoberfest. Geht es nach der Logik der DFL müsste ich mich analog vor Betreten der Wiesn von „Störern“, die auch das Oktoberfest besuchen und die nicht nur Straftaten verüben (das ist leicht), sondern auch Ordnungswidrigkeiten begehen, also von allen Wildpinklern und Falschparkern auf dem Oktoberfest und hilfsweise auch auf dem Hamburger DOM in einem „verbindlichen Dialog“ oder „verstatuiert“ distanzieren.

Sonst könnte die Stadt München ja nicht wissen, ob ich nicht heimlich mit denen sympathisiere und müsste ggf. auf Druck von Horst Seehofer und seiner CSU eine Kollektivstrafe für alle anreisenden Hamburger verhängen. Wer das für echten Schwachsinn hält, der kennt das Antragspaket der DFL „Sicheres Stadionpaket“* (Download PDF: antragspaket_1_sicheres_stadion_-_antraege_001_-_016_-_final.pdf) noch nicht.

„Wenn seitens von Fanorganisationen/von der organisierten Fanszene kollektiv wirkende Strafen abgelehnt werden, gleichzeitig aber eine Distanzierung von den Tätern nicht stattfindet oder Täter gedeckt bzw. die Tataufklärung und Identifizierung von Tätern erschwert werden sollten, passt dies aus Sicht des Vorstandes des Ligaverbandes nicht zusammen.“

Ich habe noch nicht alles durchgelesen, was dieses öffentliche Diskurspapier so zu bieten hat, die Umkehrung und Inhaftungsnahme von Besuchern eines Fußballspiels zu Vorwärts-Bekennern und Denunzianten ist schon schwer zu vereinbaren, mit dem was ich unter freiheitlicher Grundordnung verstehe. Und seit Montag hoffe ich, dass unser Herr Stenger das auch so vertreten kann … oder Herr Orth, oder Herr Spies.

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Der Ligavorstand möchte durch die Veröffentlichung der konkreten Anträge allen an der aktuellen Debatte interessierten Personen die Möglichkeit geben, sich ein objektives Bild zu machen. Im Sinne der Transparenz soll dieser Schritt zu einer weiteren Versachlichung der Diskussion beitragen.

Absage an DFL-Maßnahmenpapier „Sicheres Stadionerlebnis“ – FC St. Pauli

+++ Update: 12.12.12. – Inzwischen hat die DFL bei mindestens den Gegenstimmen des FC St. Pauli und des 1. FC Union Berlin die 16 Anträge zum Sicherheitskonzept angenommen +++

Das Präsidium der FC St. Pauli hat heute der DFL eine Absage zu ihren Terminvorstellungen erteilt, per heute Stellung zur überarbeiteten Fassung des DFL Sicherheitspapiers zu nehmen und am 12. Dezember durchzuwinken. Das ist eine gute Nachricht, bei aller Auseinandersetzung gerade zur JHV.

DFL-Maßnahmenkatalog
Abstimmung nicht möglich

Der FC St. Pauli sieht sich außer Stande, wie von der Deutschen Fußball Liga gewünscht, den abgeänderten Maßnahmenkatalog zum Thema Sicherheit in deutschen Stadien bis zum Stichtag 22. November 2012 zu kommentieren und im Nachgang am 12. Dezember 2012 darüber abzustimmen. Für die Vereinsverantwortlichen ist ein gemeinsamer Diskussionsprozess mit Fanvertretern für eine adäquate Abstimmung solch eines Katalogs notwendig. Aufgrund des sehr engen Zeitfensters ist dies aber nicht in ausreichendem Maß möglich.

Der FC St. Pauli vertritt die Auffassung – und hat dies bereits am 25. Juli 2012 in einem Brief an DFB und DFL bekräftigt, dass der Verein nur solchen Anträgen zustimmen kann, die das Ergebnis umfassender Diskussion mit Fanvertretern sind. Dies sieht das Präsidium des Hamburger Zweitligisten derzeit als nicht gegeben an.

Wenn der Wind sich dreht, wenden sich ihre Hälse

„St. Pauli Bosse im Interview“, heisst es in der Mopo – und gestern erschien der zweite Teil zum DFL Sicherheitspapier – und ist imho ein Paradefall von „Wendehalspolitik“ unserer Herren Orth und Spies:

In Teil zwei sprechen der St. Pauli-Boss und sein Vize über das umstrittene DFL-Papier „Sicheres Stadionerlebnis“, die Rolle von Präsidiumskollege Gernot Stenger und den Dialog mit den Fans.

Da „Blogs“ dezidiert erwähnt werden, möchte ich als Betreiber eines dieser Bogs kommentieren:

Das ganze Statement hier liest sich in den meisten Passagen, wie von Union Berlin abgekupfert, und so kommt es bei mir auch an. Lustig, dass ausgerechnet die DFL, die bösen Blogs und Gernot Stenger als Ursache für das Kommunikationsdesaster dieser beiden Präsidenten zur Sprache kommen, und imho Ausdruck einer schlimmen schwarze Peter Poliitk. Habe ich das überlesen, oder finde ich keine Spur von Selbstkritik?

Ich kann nur wahrnehmen, was mir öffentlich kommuniziert wird, und das sieht seitens Spies und Orth dunkel aus.

Zur Sicherheitskonferenz fahren, unterschreiben:

SPIES: Es wurde dann relativ skurril mit der feierlichen Unterzeichnung der dort verfassten Erklärung, und wir haben unmittelbar danach als Präsidium einen Brief an Herrn Rauball und Herrn Niersbach (DFL und DFB; Anm. d. Red.) geschrieben.

Spies hat mit keiner Silbe öffentlich das Vorgehen beim Gipfel kritisiert, bis heute, sondern brav unterschrieben.

… um dann dem DFL Sicherheitspapier (nicht) zuzustimmen*

SPIES: Der nächste Schritt war die Errichtung der Arbeitsgruppe, in der Gernot Stenger mitgearbeitet hat. Er hat dies getan, weil wir es für richtig hielten. … Unterm Strich müssen wir sagen, dass auch Stengers großes Engagement die generelle Linie des Papiers nicht groß hat verändern können.

Spies, Stenger und Orth haben, so wurde es mir berichtet, und so liest sich die öffentliche Stellungnahme des FC St. Pauli zum Sicherheitspapier auch, sich bei der Bewertung der DFL-Maßnahmen NICHT dagegen ausgesprochen, sondern sich „der Mehrheit gebeugt“. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass sie es unterstützten. Und nun? Zurückrudern, verschleiern, beschuldigen. Die alte Leier. Und immer wieder über die Mopo, anstatt direkt zu kommunizieren.

Und wenn es Blogs gelingt, Druck zu machen, dann ist das schonmal per se gut. Und Spies und Orth stände es gut zu Gesicht endlich einmal Farbe zu bekennen und Haltung anzunehmen. Gerne auch in diesem Blog.

Bis dahin gehe ich davon aus, meine Herren, dass Sie mir wie oben hergeleitet, weiterhin Bullshit erzählen. Denn es nützt nichts, über die Boulevardmedien zu kommunizieren, zu verdrehen und zu drohen.

„Fundamentalkritik“ – Heute: DFL Maßnahmenpapier „Sicheres Stadionerlebnis“

Update 12.12. // Inzwischen hat die DFl auf ihrer Mitgliederversammlung alle 16 Anträge zum Konzept „Sicheres Stadionerlebnis“ angenommen. Der Protest geht wohl weiter …

Nachdem der FC St. Pauli (außer seinem Vize Gernot Stenger) das Papier der DFL für ein „Sicheres Stadionerlebnis“, wie zuvor Union Berlin, aber halbherzig abgelehnt hat, ziehen weitere Vereine nach.

Hertha BSC am Wochenende und der FC Augsburg und der VfL Wolfsburg heute. Dabei fasst ausgerechnet Felix Magath, als unterschreibender Geschäftsführer die fundamentale Kritik an dem Papier imho passend zusammen:

„Auf der Sicherheitskonferenz in Berlin am 17. Juli 2012 wurde angekündigt, gemeinsam mit den Vereinen Lösungen in den einzelnen dort vorgestellten Handlungsfeldern zu suchen. Diese Chance wurde leider vertan. Vielmehr wird den Vereinen nunmehr nach der überraschenden Präsentation des Kodexes auf der Sicherheitskonferenz in Berlin erneut ein fertiges Ergebnis präsentiert, an dessen Entstehung lediglich ein kleiner Kreis ausgewählter Vereinsvertreter beteiligt war, ohne dass hier ein transparentes Verfahren erkennbar wäre. Für viel gravierender erachten wir allerdings die Tatsache, dass dieses Konzept komplett ohne Einbindung der Fans entstanden ist. – Geschäftsführung des VfL Wolfsburg“

Ob sich Gernots Wange nun heiß anfühlt?

„STELLUNGNAHME ZUM DFL-PAPIER „SICHERES STADIONERLEBNIS“: Gernot Stenger macht die beleidigte Leberwurst. #fail

Da macht sich die halbe organiserte und desorganisierte Fanschaft des FC St. Pauli die Mühe, sich die Frechheit, die sich Grundsatzpapier der DFL „Sicheres Stadionerlebnis“ nennt, auseinander zu nehmen, argumentativ, dabei das Präsidium aufzufordern, „aktiv Einfluss zu nehmen“ im Sinne des FC St. Pauli und dessen, was ihn ausmacht. Da legt der 1. FC Union Berlin vor, mit einer dezidierten und fundierten Stellungnahme – und dann das hier.

In a nutshell heisst das imho:

Mimimi, wir machen jetzt auf Druck der doofen Fans nicht mehr weiter. Da wir aber vor allem vor den Funktionärskumpels beim DFB nicht doof dastehen wollen, Gernot im besonderen, weisen wir nochmal darauf hin, dass wir uns nur der Mehrheit beugen (ein paar Vernünftige waren wohl darunter) – und deswegen auch nicht mehr „aktiv Einfluss“ nehmen können.

Das ist schlimmste Schwarzer-Peter-Politik, mit der Gernot Stenger St. Pauli und seinen Fans und Mitgliedern die Brocken vor die Füße kotzt. Ehrlich Gernot, dann hab wenigstens die Größe und trete sofort zurück!

HALLOOO? ICH GLAUB ES HACKT! – Natürlich sollt ihr weiter AKTIV EINFLUSS NEHMEN – ABER IN UNSEREM SINNE!!!! „„STELLUNGNAHME ZUM DFL-PAPIER „SICHERES STADIONERLEBNIS“: Gernot Stenger macht die beleidigte Leberwurst. #fail“ weiterlesen

Sicheres Stadionerlebnis – St. Pauli

Update: Inzwischen gibt es eine Stellungnahme des FC St. Pauli zum Papier der DFL.

Man hört, Gernot Stenger sei müde. Müde des ewigen Kampfes mit den Sozialromantikern im Verein. Überdrüssig des Gefühls, immer zwischen den Stühlen zu sitzen vielleicht auch. Und in der Tat: es ist anstrengend, Vize-Präsident des FC St. Pauli zu sein. Eines Vereins, dessen Fans und Mitglieder schnell Konflikte zu Grundsatzdebatten erheben und manchmal auch überhöhen.

Die Debatte um die Polizeiwache ist gerade ein wenig abgeklungen, nachdem Geschäftsleitung und Präsidium nun eine externe Lösung versprachen – und ich bin mir ziemlich sicher, dass das Präsidium das nicht als Erfolg verbucht, als Wiederannäherung an seinen Souverän, sondern als Kleinbeigeben begreift. Leider. – und nun auch noch die Grundsatzdebatte um die DFL, die in ihrem Positionspapier „Sicheres Stadionerlebnis“ eine Welt entwirft, die für viele St. Paulianer und Stadion-Gänger schon heute unverdaulich ist und die das Mitwirken unseres Herrn Stenger als unerträglich empfinden. „Sicheres Stadionerlebnis – St. Pauli“ weiterlesen