FC St. Pauli Podcast live vom Millerntor

„Bloggen mit Stimme“ – zusammen mit meinen Co-Hosts und Gästen spreche ich in meinem St. Pauli Podcast (alle Episoden) über den Stadtteil, Fußball und POP-Kultur – Konzerte, Musik, Kunst und Events auf dem Kiez und beim FC St. Pauli. Sehr persönlich, manchmal polemisch und polarisierend.

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Rocko Schamonis Roman "Große Freiheit": Zwergkaninchen auf Riesenschultern – ein wohlwollender Verriss

Rocko Schamoni, Foto: Rocko Schamoni
Rocko Schamoni, Foto: Rocko Schamoni

Rocko Schamoni hat einen Roman geschrieben. Ich habe ihn mir durchgelesen – nach „Dorfpunks“ das erste Buch von Rocko, das ich ganz durch bekommen habe, ohne es entnervt in die Ecke zu feuern.

Dabei mag ich Schamoni, ist er doch ein St. Paulianisches Original, Mitbegründer eines meiner Lieblingsklubs, dem Pudel und umtriebiger Ausprobierer.

Das Theaterstück im Schauspielhaus, das auf seinem Roman „Dorfpunks“ basierte war hervorragend. Und doch werde ich mit dem Romanautor Rocko nicht warm.

Podcast-Review: Grosse Freiheit

Hamburg spricht wieder über Hubert Fichte

Schamonis größte Leistung ist, dass nun wieder viel über Hubert Fichte gesprochen wird, den ersten Pop-Literaten, den Hamburg hatte, bekennend bisexuell und das zu einer Zeit, in der Liebe unter Männern noch strafbar war. Aus dem Schatten des Originals schafft es der Roman „Große Freiheit“ nicht einmal ansatzweise. Schamoni erzählt emotionslos die bekannte Geschichte des Puffbesitzers Wolli Köhler, schmückt sie hier und da ein wenig aus, ohne seine Figuren tiefere Wesenszüge zeigen zu lassen.

Wolli der Anreißer, Wolli der Lude und Wolli der Laufhausbesitzer bleiben blass, eigentlich treiben alle drei durch den Stadtteil, wollen weder böse noch gewalttätig sein – ein Gutmensch als Zuhälter? Dabei weiß man doch – spätestens seit dem Originalinterview mit Hubert Fichte, wie vielschichtig und politisch interessiert „Wolli Indienfahrer“ war.

Was fehlt: eine weibliche Stimme

Frauen finden in Schamonis Roman auch statt, allerdings nur am Rande. Dabei wäre die Figur der „Mauli“ oder „Maulwurf“, Wollis Freundin, Geliebte und Hure eine gewesen, die St. Pauli aus der Sicht der Sexarbeiterinnen hätte erzählen können.

Diese Chance lässt Schamoni verstreichen, garniert seinen Roman lieber „gumpesk“ mit lauter Zeitgeschehen. Namedropping steht auch ganz oben auf Schamonis Liste; ohne Bezug zur Geschichte rauschen die Beatles und andere Stars der 60er Jahre, allerdings wie Brühe durch den Roman.

Schlagermove: "den will keiner auf St. Pauli"

… außer einer Interessengemeinschaft (IG St. Pauli) mit besten Verbindungen und guter PR-Abteilung.

Fuck Schlagermove: via Instagram

Das war mein erster Gedanke, als ich heute in der Mopo und im Hamburger Abendblatt verwundert Schlagzeilen, wie diese las:

  • Umzug nach Wandsbek? St. Pauli will Schlagermove behalten (HA)
  • Schlagermove 2019 in Hamburg: Jetzt kämpft St. Pauli auf einmal um den Schlagermove (Mopo)

„Dabei war doch alles gut“, denke ich überrascht. Sogar der Bezirk hatte sich den jahrelangen Protesten ergeben und angekündigt, den Umzug ggf. zu verbieten. Zu eindeutig schienen sogar der Marketing-versessenen Politik in Hamburg die Belastungen der Anwohner.

Und hier liegt auch der Hase im Pfeffer begraben, oder des Pudels Kern 😉 – so offensichtlich sticht er einem mit seinem Hafer ins Auge, dass man sich wundert, dass man sich überhaupt gewundert hat: Die Interessengemeinschaft St. Pauli* vertritt nämlich gar nicht die „Interessen der Menschen auf St. Pauli“, sondern von einigen Geschäftsleuten auf dem Kiez.

Leute, die Macht und Einfluß haben … und vor allem sehr eigene Interessen, die primär monetär sind und mit dem, was die Bewohner St. Paulis wollen offensichtlich nicht übereinstimmen.

Für einige ihrer Mitglieder, so mein Eindruck, muss die Angst vor dem Umsatzverlust stärker sein, als die Furcht vor dieser Entlarvung, nämlich eigentlich kein lebendiges Teil St. Paulis (mehr) zu sein.

„Sich erst wortreich über zu viele Kioske und Billigalk zu beschweren und dann den Leuten hinterher zu trauern, die einen Großteil deren Kundschaft ausmachen, ist auch etwas irritierend …“

David Luther auf FB.

Die Menschen auf St. Pauli hassen den Schlagermove

Schlagermove Besoffene
Schlagermove Symbolbild: Photo credit: F. de Souza. on Visual Hunt / CC BY-NC-ND

Mit wem ich auch spreche, die Menschen auf St. Pauli, ob hipper Medienunternehmer, Kneipier, der über seinem Laden wohnt oder Lehrer im Stadtteil, sie alle haben gelernt, den Schlagermove zu hassen.

Vollgekotzte Straßen und Vorgärten, vollgepisste Hauseingänge, Kinderspielplätze mit kopulierenden Besoffenen. Das alles musste St. Pauli in einem Maß ertragen, das selbst dieses robuste Völkchen nicht länger hinnehmen wollte.

Und gerade als sich eine politische Lösung bietet, fällt wer den Menschen auf St. Pauli in den Rücken? Mit mächtig medialem Anlauf?

  • Der Verein, der 1985 als Interessensverband für die auf St. Pauli ansässigen Unternehmen und Betriebe gegründet wurde.
  • Er beeinflusst durch seine Aktivitäten das wirtschaftliche und soziale Geschehen im Stadtteil. Im besonderen Focus steht dabei die Entwicklung als touristischer Standort unter Berücksichtigung des eigenwilligen Charme und Flair St. Paulis. (mehr)

St. Pauli vorgelesen: Der Traum

St. Pauli Landungsbrücken, Hamburg
St. Pauli Landungsbrücken: Photo credit: MontanNito on Visual hunt / CC BY-NC-SA

Wolfgang Borchert: „Draußen vor der Tür“ Kapitel 5

Der Traum

Sankt Pauli vorgelesen

Literatur, die auf St. Pauli spielt; vorgelesen zum Internationalen Vorlesetag.
Ein junger Mann, vom Krieg gezeichnet, lebensmüde, springt an den St. Pauli Landungsbrücken in den sicheren Tod. Denkt er.

(In der Elbe. Eintöniges Klatschen kleiner Wellen. Die Elbe. Beckmann.)
Beckmann: Wo bin ich? Mein Gott, wo bin ich denn hier?
Elbe: Bei mir.
Beckmann: Bei dir? Und – wer bist du?
Elbe: Wer soll ich denn sein, du Küken, wenn du in St. Pauli von den Landungsbrücken ins Wasser springst?
Beckmann: Die Elbe?
Elbe: Ja, die. Die Elbe.
Beckmann (staunt): Du bist die Elbe!
Elbe: Ah, reißt du deine Kinderaugen auf, wie? Du hast wohl gedacht, ich wäre ein romantisches junges Mädchen mit blaßgrünem Teint? Typ Ophelia mit Wasserrosen im aufgelösten Haar? Du hast am Ende gedacht, du könntest in meinen süßduftenden Lilienarmen die Ewigkeit verbringen. Nee, mein Sohn, das war ein Irrtum von dir. Ich bin weder romantisch noch süßduftend. Ein anständiger Fluß stinkt. Jawohl. Nach Öl und Fisch. Was willst du hier?
Beckmann: Pennen. Da oben halte ich das nicht mehr aus. Das mache ich nicht mehr mit. Pennen will ich. Tot sein. Mein ganzes Leben lang tot sein. Und pennen. Endlich in Ruhe pennen. Zehntausend Nächte pennen.
Elbe: Du willst auskneifen, du Grünschnabel, was? Du glaubst, du kannst das nicht mehr aushalten, hm? Da oben, wie? Du bildest dir ein, du hast schon genug mitgemacht, du kleiner Stift. Wie alt bist du denn, du verzagter Anfänger?
Beckmann: Fünfundzwanzig. Und jetzt will ich pennen.
Elbe: Sieh mal, fünfundzwanzig. Und den Rest verpennen. Fünfundzwanzig und bei Nacht und Nebel ins Wasser steigen, weil man nicht mehr kann. Was kannst du denn nicht mehr, du Greis?
Beckmann: Alles, alles kann ich nicht mehr da oben. Ich kann nicht mehr hungern. Ich kann nicht mehr humpeln und vor meinem Bett stehen und wieder aus dem Haus raushumpeln, weil das Bett besetzt ist. Das Bein, das Bett, das Brot – ich kann das nicht mehr, verstehst du!
Elbe: Nein. Du Rotznase von einem Selbstmörder. Nein, hörst du! Glaubst du etwa, weil deine Frau nicht mehr mit dir spielen will, weil du hinken mußt und weil dein Bauch knurrt, deswegen kannst du hier bei mir untern Rock kriechen? Einfach so ins Wasser jumpen? Du, wenn alle, die Hunger haben, sich ersaufen wollten, dann würde die gute alte Erde kahl wie die Glatze eines Möbelpackers werden, kahl und blank. Nee, gibt es nicht, mein Junge. Bei mir kommst du mit solchen Ausflüchten nicht durch. Bei mir wirst du abgemeldet. Die Hosen sollte man dir strammziehen, Kleiner, jawohl! Auch wenn du sechs Jahre Soldat warst. Alle waren das. Und die hinken alle irgendwo. Such dir ein anderes Bett, wenn deins besetzt ist. Ich will dein armseliges bißchen Leben nicht. Du bist mir zu wenig, mein Junge. Laß dir das von einer alten Frau sagen: Lebe erst mal. Laß dich treten. Tritt wieder! Wenn du den Kanal voll hast, hier, bis oben, wenn du lahmgestrampelt bist und wenn dein Herz auf allen vieren angekrochen kommt, dann können wir mal wieder über die Sache reden. Aber jetzt machst du keinen Unsinn, klar? Jetzt verschwindest du hier, mein Goldjunge. Deine kleine Handvoll Leben ist mir verdammt zu wenig. Behalt sie. Ich will sie nicht, du gerade eben Angefangener. Halt den Mund, mein kleiner Menschensohn! Ich will dir was sagen, ganz leise, ins Ohr, du, komm her: ich scheiß auf deinen Selbstmord! Du Säugling. Paß gut auf, was ich mit dir mache, (laut) Hallo, Jungens! Werft diesen Kleinen hier bei Blankenese wieder auf den Sand! Er will es nochmal versuchen, hat er mir eben versprochen. Aber sachte, er sagt, er hat ein schlimmes Bein, der Lausebengel, der grüne!

Wolfgang Borcherts Drama »Draußen vor der Tür« handelt von der existenziellen Not des jungen Kriegsheimkehrers Beckmann. Aufgewachsen im nationalsozialistischen Deutschland und nach Jahren an der Front hat der fünfundzwanzigjährige Protagonist nichts, an das er nach dem Krieg anknüpfen könnte. Er leidet unter seiner Schuld und fühlt sich von der Gesellschaft, die nichts mehr vom Krieg wissen will, ausgeschlossen. Das Stück spielt in Hamburg nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges. Die Uraufführung fand am 21. November 1947 statt, einen Tag nach dem Tod des Autors.
Quelle: Draußen vor der Tür – Wolfgang Borchert – Inhaltsangabe
https://www.inhaltsangabe.de/borchert/draussen-vor-der-tuer/

Anwohnerparken auf St. Pauli: der reine Wahnsinn

Die Grundidee ist gut, nur wie mit jeder guten Idee kommt das Versemmeln mit der Umsetzung: das Anwohnerparken auf St. Pauli sorgt für Ärger.
Mit über 4.000 Parkplätzen ist der Anwohnerparkraum St. Pauli/Altona-Altstadt der größte in Hamburg und nervt die Anwohner und vor allem Gewerbetreibenden vom ersten Tag.

Ladenbesitzer, die nicht vor ihren Läden parken dürfen

Ob Gemüsehändler in der Paul-Roosen-Straße oder Kioskbesitzer auf dem Kiez, das Parken vor dem eigenen Laden kostet jetzt zwei Euro die Stunde und die Behörde sieht auf Nachfrage der Betroffenen „keine gewichtigen Interessen“ und schickt eine horrende Kostennote statt einer Lösung hinterher.

Leere Straßen, leere Parkplätze auf St. Pauli

Bewohnerparken St. Pauli
Bewohnerparken St. Pauli. Foto: Ole M.

Überhaupt scheint es wenig St. Paulianer zu geben, die sich aktuell einen der Anwohnerparkscheine für 30 Euro im Jahr besorgt haben (die Behörde spricht von 2.500). Tagsüber klaffen riesige Lücken dort, wo es noch vor Kurzem auch bei Helligkeit schwierig war, einen Parkplatz zu ergattern.

Parken wie bei #G20

Was man zur Anwohnerparkzone auf St. Pauli wissen muss:

LBV Parkraum Karte St. pauli, Altona Altstadt
LBV Parkraum Karte St. pauli, Altona Altstadt. Foto: LBV HH

  1. Besuchern ist das Parken in der Bewohnerparkzone St. Pauli nur zwischen 9 morgens und 2 Uhr nachts überall erlaubt, es sind entsprechend Parkgebühren an einem der 100 Parkscheinautomaten zu zahlen
  2. Die Höchstparkdauer beträgt drei Stunden
  3. Der Anwohnerparkausweis kostet 30 Euro pro Jahr
  4. Es sind vier Bewohnerparkzonen eingerichtet:
    1. MA201 „Wohlers Park“
    2. MA202 „Paulinenplatz“
    3. MA203 „Spielbudenplatz“
    4. MA204 „Hein-Köllisch-Platz“
  5. Der Antrag auf einen Bewohnerparkausweis kann online gestellt werden

St. Pauli als UNESCO Weltkulturerbe – ein substanzloser PR-Gag

Am Eingang der alten Haupttribüne des Millerntors kam ich regelmäßig (bei jedem Heimspiel 😉 an einer Tafel vorbei, in der das Stadion des FC St. Pauli als „Weltkulterbe“ beschrieben wurde. Ich habe da regelmäßig „Weltkulturerbe“ gelesen, und so betrachte ich mein Stadion heute noch, also als ein schützenswertes Kleinod, das der ganzen Menschheit und beschützt gehört.

Susis Showbar, Ecke Reeperbahn Große Freiheit bei Tag – Photo credit: ukg.photographer on Visual Hunt / CC BY-SA

Vom Reeperbahn Ballermann zum Weltkulterbe ist nur ein Katzensprung

Damals war Corny Littmann noch Präsident und dieser und seine Freunde beim Business Improvement District, kurz BID St. Pauli, hatten wohl dieselbe Assoziation, als sie kürzlich anregten, den Kiez rund um die Reeperbahn zum UNESCO Weltkulturerbe zu erklären.
„Im Laufe der vergangenen Monate haben sich hinter dieser ungewöhnlichen Idee Protagonisten als Initiative ‚Kulturerbe St. Pauli‘ zusammengefunden“, sagt Julia Staron, Quartiersmanagerin des BID im Stadtteil. „Täglich schließen sich Initiativen, Einrichtungen, Institutionen und auch Einzelpersonen dem Projekt an“, sagt sie ggü der Mopo.

Das Schützenswerte sind die Menschen auf St. Pauli

Dabei ist die Grundidee nicht falsch. Julia Staron zieht die richtigen Schlüsse, wenn sie meint, dass  durch „die steigenden Touristenzahlen sich manche ausgeliefert (fühlen)“ und Verdrängung, neudeutsch Gentrifizierung, befürchten. „Uns ist wichtig, dass wir nicht zu einem Museum oder einer Kulisse werden“.
Wobei ich mich sofort frage, wer denn bisher von den Touristenströmen, den Harley Days, dem Schlagermove oder dem ganz normalen Wahnsinn am Wochenende (Stichwort Jungesellenabschiede) profitiert oder mit seiner auch poltischen Einflussnahme zumindest ggf begünstigt hat?
Wenn ich an den Kiez denke, dann denke ich an die Menschen, die dort nicht mehr oder nur noch vereinzelt leben. Den Wegzug von migrantischen, queeren und anderen unter Gentrifizierungsdruck stehenden zu verhindern, das müsste Ziel jeder Maßnahme sein. Ob da das Label „UNESCO Weltkulturerbe“ die passende Strategie ist?

„Mit ihrer Einschreibung in die UNESCO-Welterbeliste erlangen die meisten Kultur- und Naturerbestätten einen gesteigerten Bekanntheitsgrad, der sich oftmals in einer Zunahme der Besucherzahlen widerspiegelt. Für die Bevölkerung in und um Welterbestätten bietet der Tourismus oft eine wichtige Einnahmequelle. Gleichzeitig kann jedoch ausufernder, unkontrollierter Tourismus zu einer Bedrohung für das Kultur- oder Naturerbe werden.“ – Die UNESCO zu möglichen Konsequenzen eines Weltkulturerbes

Ob ein mehr an Tourismus dann zu einem Bewahren der einzigartigen Kiezkultur führt, bezweifle ich. Zumindest solange, wie ein Megaevent auf St. Pauli das nächste jagd. Solange Filme, wie „Manche hatten Krokodile“ ein St. Pauli dokumentieren, das ausstirbt, wie der Regenwald in Brasilien.

Der St. Pauli Code als Leitbild

Viel erstrebenswerter als ein Siegel der UNESCO finde ich das Weben eines politischen Rahmens, der ermöglicht, dass der St. Pauli Code, den Bewohner des Stadtteils im Zuge der ESSO-Häuser-Auseinandersetzungen erstellt haben, mit Form und Leben erfüllt wird.

St. Pauli Code:

  1. Unterschiedlichkeit statt Homogenität fördern
  2. Kleinteilig bleiben
  3. Günstig statt teuer sein
  4. Originale und Toleranz fördern
  5. Sich seinen öffentlichen Raum aneignen und lebendig gestalten
  6. Experiment und Subkultur bleiben
  7. Einen Freiraum ohne Konsumzwang bieten

Allein letzterer Punkt wird nicht mit den Motiven des BID übereinstimmen. Vielleicht wollen Corny und Co. dieses Vehikel auch nur nutzen, um den Status Quo zu erhalten und bspw. die unliebsame Konkurrenz durch Kioske auf der Reeperbahn auszuschalten (denn die gehören ja wohl offenkundig nicht zu einem Weltkulturerbe, oder?).
Ich fürchte, dass die Bewerbung zum Weltkulturerbe am Ende genauso zum PR-Gag verkommt, wie die Aktion St. Pauli pinkelt zurück: eine dolle Geschichte (die es vielleicht sogar in die New York Times schafft) – für den Kiez  aber ohne Substanz bleibt.
Weiterlesen:

Neues Logo, neue T-Shirts, neue Kooperation

St. Pauli NU Segeln Shirt
St. Pauli NU Segeln Shirt

Der April macht was er will – und ich auch. So sehr mir die sportliche Situation des FCSP auch auf den Geist geht, so sehr freue ich mich auch daran, dass es nun Frühling wird und es wieder aufs Wasser geht.
Die Segelabteilung ist gegründet und bei Helga und Björn in guten Händen (Ansegeln ist hier eine Woche früher, als bei mir an der Ostsee 😉 – ich werde mich (aus persönlichen und zeitlichen Gründen) dort nicht weiter engagieren können, bleibe den Kapitänen dort aber weiter freundschaftlich verbunden und natürlich Mitglied 😉 Ich werde mich in Sachen St. Pauli auf mein Blog konzentrieren und versuche dieses Frühjahr ein paar neue Sachen.

Ein St. Pauli Stander als Logo

Ich habe meinen Entwurf, den ich im Vorfeld mir für die Segelabteilung ausgedacht habe, zum Logo dieses Blogs gemacht. Meiner Ansicht nach, verbindet das meine beiden Leidenschaften, den magischen FC und seinen Kiez auf der einen Seite und das Segeln auf der anderen Seite nu auch sichtbar. Zum anderen beseitigt es das Problem, dass ich offiziell den Jolly Roger des Klubs ja nicht verwenden darf.

Kooperation mit der Mopo

Die Hamburger Morgenpost hat mich gefragt, ob sie ausgewählte Artikel meines Blogs übernehmen darf. Ich habe zugestimmt. Diese Woche geht das Projekt „Hamburg Insider“ online, auf das ich schon sehr gespannt bin. Eine separate Betrachtung, wieso und warum, liefere ich nach 🙂 Auch hier brauchte ich ein neues Logo. Das passt also alles,.
Update: Ich habe meinerseits die Kooperation mit der Mopo beendet. Ich habe da tolle Leute getroffen, aber nicht das Gefühl, dass ich und mein Blog sich da weiter entwickeln kann.
Neuer Podcast: Seit November 2018 produziere ich mein Format „Hamburger Blutgrätsche“ für die Mopo. Ich bin hier als Formatentwickler und Host unterwegs. Co-Host ist der HSVer Sievi, den viele von euch aus seinen Wutvideos kennen. Bin gespannt.

Neues St. Pauli Shirt

Ich habe schon Shirts mit meinem Blog-Stander verschenkt und da diese wirklich gut angekommen sind, mir selbst eins gedruckt. Da ich Shirts, die ich mir selbst designe, immer auch meinen Leserinnen zur Verfügung stelle, habe ich eine Seedshirt-Kampagne aufgesetzt, die 10 Tage limitiert läuft. KLICK HIER.

Der FC St. Pauli setzt Segel

Von den St. Pauli Landungsbrücken aus, haben Generationen von Familien ihre Angehörigen auf große Fahrt verabschiedet; ich kann mich noch an Erzählungen meiner Großmutter erinnern, wie sie mit großen Laken gewunken haben, damit mein Opa ihren letzten Gruß von Zuhause sehen konnte. St. Pauli ist mit dem Hafen, seiner Geschichte, aber auch dem krassen Wandel des Viertels so sehr mit der See verbunden, wie kaum ein anderer Stadtteil. Sein Fußballclub, der FC St. Pauli ebenso.
Da liegt es doch nahe, dass sich im FC St. Pauli auch viele Segler und Segelbegeisterte finden; da wundert es nicht, dass die Idee von Helga Numberger, eine Segelabteilung zu gründen auf fruchtbaren Boden fiel. Nach dem offiziellen Go des Amateurvorstandes Ende 2017 steht fest: „Der FC St. Pauli setzt Segel“ weiterlesen

Neu auf dem Kiez: AHOI St. Pauli Rum

Ahoi Sankt Pauli Rum mit Becher, Foto: AHOI Rum

Rum und St. Pauli, das gehört für mich zusammen.

Der Hafen, die Lichter, die Sehnsucht; all das ist in einem tiefen Schluck St. Pauli Rum zu finden. Nicht nur, wenn die aus Zuckerrohr gewonnene Spirituose nach ihrer Reise über die Weltmeere in Hamburgs Hafen anlandet.

Ein Tor von St. Pauli – ein Schluck Rum aus der Pulle, besser als die schönste Bierdusche

Ich stehe am Millerntor oft mitten auf der Gegengeraden, wo bei Toren des magischen FC häufig ein silberner Flachmann die Runde macht, gefüllt mit gutem Rum. Mir gefällt das. Es muss nicht immer Bierdusche sein. Ein stilsicherer Gruß an den Torschützen und ein Ritual, das verbindet.
Seit einiger Zeit läuft mir im Viertel immer öfter ein neuer Rum über den Weg: der AHOI Sankt Pauli Rum. Eine Kreation des St. Pauli Gastronoms Christopher Stapel. Er hat den AHOI Rum nach seinem persönlichen Geschmack entwickeln lassen: ausgewogen; stark und mild zugleich.

Hipster-Trend: St. Pauli Rum ist das neue Gin

Neulich sang der St. Pauli Barde Jochen Distelmeyer vom Gin Tonic ohne Gurke und Strohhalm, machte sich gleichzeitig über den Hype um diesen lustig. Der Trend auf St. Pauli geht weg vom Hipster-Tonikum, so mein Eindruck, führt eher zurück. Rum ist das kommende Getränk, auch weil es zwischen Hansens Verschnitt und 15 Jahre alten Perlen aus der Südsee so große Unterschiede und Geschmacksrichtungen gibt.

Ahoi Rum im Schaufenster. Foto: AHOI Rum

Der AHOI ST. PAULI RUM wird an vielen Orten auf dem Kiez schon verkauft, unter anderem bei:

  • baretta in der Susannenstraße
  • im St. Pauli Museum
  • in Stanis REWE Markt
  • … und vielen weiteren Verkaufsstellen (Karte)

Ich habe mir schon eine Flasche an Bord gestellt, für die klammen aber glücklichen Momente, wenn die Leinen fest und die Arme schwer sind. Aus den Emaillebechern, die wir Segler „Muck“ nennen, schmeckt der Rum nochmal so gut. Und bei dem einen oder anderen Tor des FCSP wird das Zuckerrohr-Destillat sicher auch rum-gereicht.

St. Pauli Hoodie – nu verdient auch der FC St. Pauli

Der Klassiker in schwarz: Totenkopf-Hoodie von St. Pauli

Der FC St. Pauli hat seinen Jolly Roger zurück gekauft. Seit 2016 vermarktet der Verein sein Merchandise wieder selbst. Deswegen kaufe ich meine Shirts und Hoodies mit dem Jolly Roger drauf auch wieder vom FC St. Pauli Shop.

Ich glaube ich kauf mir für die anbrechende Rückrunde mal wieder den Klassiker: St. Pauli Hoodie mit Jolly Roger auf der Brust.

St. Pauli Hoodie, Screenshot amazon.

 

Fotos: Upsolut

Eine Übersicht über die vielfältigen St. Pauli Shirts habe ich anderswo zusammengestellt.

G20 – Polizei muss eingestehen: "Keine Beweise für einen Hinterhalt"

G20 in Hamburg (3) – July, 2017; Photo credit: Konrad Lembcke via Visualhunt / CC BY-ND

Peu-à-peu kommt zutage, was viele Bewohner_innen Hamburgs und St. Paulis schon lange ahnten und wussten: Es gibt keine Beweise der Polizei, dass es auf dem Schulterblatt einen Hinterhalt gegeben hat. Das musste die Polizei Hamburg nach einer Anfrage der Partei DIE LINKE un einräumen.

G20: Hinterhalt nur Schutzbehauptung?

„Das ganze Lügenhaus fällt langsam zusammen.“ twittert mein Freund O. heute und verlinkt den Spiegel Online Artikel dazu, in dem es heißt:

Auf die Frage, wie viele dieser Gegenstände als Beweismittel gesichert wurden, teilte die Behörde nun mit: „nach derzeitigem Kenntnisstand keine“.
Eisenstangen, Paletten und große Steine, mit denen die Spezialkräfte aus einem umkämpften Haus am Schulterblatt 1 beworfen worden sein sollen, habe man ebenfalls nicht gefunden. Hinweise auf „selbstgemachte Eisenspeere“, mit denen sich Gewalttäter angeblich bewaffnet hatten, seien nicht bestätigt worden.

Neues zum „Hinterhalt in der Schanze“: Polizei räumt ein, dass sie keine Beweise findet.

Christiane Schneider, aus der Fraktion „Die Linke“ in der Bürgerschaft, merkt dazu an: „Im Innenausschuss hatte sie folgende (angebliche) „Quelleninformation“ verdeckt eingesetzter Kräfte zur Begründung ihres Rückzugs aus dem Viertel vorgetragen: „Circa 1.500 zu allem bereite Personen beherrschen das Schanzenviertel. Das Schanzenviertel ist als Festung ausgebaut und man erwartet schon die Polizei. Auf dem Gerüst Schulterblatt 1 und den Dächern entlang des Schulterblatt sollen Molotowcocktails, Eisenstangen und Zwillen bereitgelegt sein, ebenso sollen Feuerlöscher und Gehwegplatten bereitgelegt sein. Zwillen seien auch an andere Personen im Viertel verteilt worden. Verletzungen … bis hin zum Tod würden von der Störerklientel billigend in Kauf genommen.“ (S. 43 des Wortprotokolls. Außerdem hieß es, es würden Stahlseile gespannt, um das Einrücken von Polizei zu verhindern. Für all das hat sie keine Beweise, wie sie auf eine Anfrage von uns zugeben musste.“

O. schreibt bei Facebook mir dann noch aus dem Herzen: „Das ist ein Skandal, der endlich Konsequenzen haben muss. Und das nicht in der Flora, sondern im Rathaus. Und der größte steht noch aus: denn das wird die Bekanntgabe der realen Gesamt-Kosten für die Stadt.“

Olaf, TRITT ENDLICH ZURÜCK! Und nimm Dudde und den Bubi gleich mit.

Bundestagswahl 2017 – so wählte St. Pauli


Die Bundestagswahl 2017 ist jetzt schon historisch zu nennen. Die Faschisten der AfD sind mit über zehn Prozent in den neuen Bundestag eingezogen. In Hamburg allgemein und auf St. Pauli im Besonderen schneidet die AfD schlecht ab – auch die SPD von Olaf Scholz bezieht prozentuale Prügel, wohl auch von denen, die beim „Fest der Demokratie“ selbige von der G20-Polizei einstecken mussten.

St. Paulis Wahlergebnisse im Einzelnen

  • Wahlbeteiligung: 77,3%
  • Wahlgewinner: DIE LINKE, mit 33,8% der Zweitstimmen
StadtteilWahlbeteiligungSPDCDUGRÜNEDIE LINKEFDPAfDÜbrige
St. Pauli77,3%15,9%10,4%21,8%33,8%4,6%4,5%9,0%

 
Am Hafenrand, da wo St. Pauli noch am wildesten ist, ergab sich folgendes Bild:

Wahllokal 11202
 Bernhard-Nocht-Straße 78, 20359 Hamburg
Zweitstimmen (Parteien)
1Grüne21,1%107 Stimmen
2Linke19,7%100 Stimmen
3CDU19,5%99 Stimmen
4SPD19,5%99 Stimmen
5FDP9,1%46 Stimmen
6AfD5,7%29 Stimmen
7Die Partei3,3%17 Stimmen
8DiB1%5 Stimmen
9BGE0,6%3 Stimmen
10Tierschutzpartei0,4%2 Stimmen
11ÖDP0,2%1 Stimmen
Erststimmen (Kandidaten)
1Johannes Kahrs (SPD)28%142
2Christoph Bernhard de Vries (CDU)21,1%107
3Martin Dolzer (Linke)19,3%98
4Meryem Dagmar Çelikkol (Grüne)17,3%88
5Nicole Jordan (AfD)5,1%26
6Michael Kruse (FDP)5,1%26
7Samantha Edsen (Die Partei)3,5%18
8Henner Kühne (Freie Wähler)0,4%2
9Martin Krause (ÖDP)0,2%1

Quelle: Statistisches Bundesamt, Hamburg, vorläufiges Wahlergebnis.

Jochen Distelmeyer – Gin Tonic ohne Strohhalm, zur Not ein Bier – aber kein Astra


Der ehemalige Frontmann der Hamburger Schule Band „Blumfeld“ hat gestern im Rahmen der Konzertreihe für „Daheimgebliebene“ – dem Sommer in Altona – ein feines Konzert gegeben.
Dieser Mann hat schon vieles gesehen, sogar sowas, wie Weltruhm aus der Ferne. Ich habe ihn damals immer eine Spur zu arrogant wahr genommen, das hat sich wohl in den Jahren, in denen wir getrennt von einander gealtert sind, verwachsen. „Jochen Distelmeyer – Gin Tonic ohne Strohhalm, zur Not ein Bier – aber kein Astra“ weiterlesen

Ganz Hamburg … liebt Love Newkirk

Mit Soul durch den Hamburger Hafen

All you need is Love – Werbung am Dock 1 im Hamburger Hafen

Love Newkirk, so hat es einmal ein lieber Freund ausgedrückt, ist ein „Weltstar von nebenan“. Wer die brilliant ausgebildete Soulsängerin einmal in Aktion erlebt hat, wie seinerzeit beim Festival „Fussball und Liebe“ oder letzte Saison beim „Kessel braun-weisses“, der vergisst diese Begegnung nicht so schnell.

Love’s Secret: Soul-Hafenrundfahrt mit Barkassen Meyer

„Ganz Hamburg … liebt Love Newkirk“ weiterlesen

"Lieber Frank-Walter Steinmeier" #OSZEHAM16

Nachdem Außenminister Frank-Walter Steinmeier im Vorfeld der am 8.12. beginnenden OSZE-Konsultationen die Hamburger Bürger_innen in einer handgeschriebenen Anzeige um Verständnis gebeten hatte, dass ihr Wohnraum durch massenhaft aufgezogene Polizei in Kampfmontur und Panzerung kaum noch betretbar ist, folgt nun die – ebenfalls handschriftliche – Antwort der „Interventionistischen Linken“.

Lieber Frank-Walter Steinmeier #OSZEHH16

In wenigen Tagen kommst Du mit Deinen Außenminister-Homies der „Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit“ (OSZE) in Hamburg zusammen.

Auch wir finden Frieden super und arbeiten gerne mit anderen Menschen zusammen. Aber wie viele andere Hamburger_innen fragen wir uns, wie ihr auf die Idee kommt, dass genau ihr für diesen Frieden steht. Ihr hofiert und unterstützt den Diktator und IS-Unterstützer Erdogan, der mit aus Deutschland gelieferten Waffen einen blutigen Bürgerkrieg gegen die eigene Bevölkerung im Südosten der Türkei führt.

Ihr beratet darüber, wie sich „Schleuserbanden bekämpfen“ lassen, anstatt das einzig Richtige zu tun und mit sofortiger Wirkung das Massensterben im Mittelmeer zu beenden: Mit Fähren für Geflüchtete!

Ihr propagiert das brutale Spardiktat in Griechenland. Ihr repräsentiert die organisierte Traurigkeit einer kapitalistischen Verwertungslogik, den alle Menschen in Europe unterworfen sind.

Ihr seid die Eliten, die Krisenverwalter, die Neoliberalen und die Vergangenheit.

Gegen all das stellen wir uns in Hamburg!

Wir bitten dich daher nicht herzlich um Verständnis für etwaige Proteste – ist uns egal. Wir stehen ein für eine solidarische Gesellschaft mit Wohnraum für Alle, mit einem Recht auf Bewegungsfreiheit. Für die zukünftige Gesellschaft, min der niemand mehr für einen Hungerlohn ausgebeutet word oder vor den Toren der Festung Europa ertrinken muss.

Für euch gibt es daher beim OSZE-Gipfel und im Juli 2017 beim G20-Gipfel keine sprichwörtliche hanseatische Gastfreundschaft.

Wir sehen uns auf der Straße.

Mit kämpferischen Grüßen
Deine
Interventionistische Linke

Interventionistische Linke Brief an Steinmeier OSZE Hamburg

St. Paulis Susis Showbar – sexy Table Dance auf der Großen Freiheit?

An der Ecke Reeperbahn und Große Freiheit befindet sich ein Relikt der Zeit, in der es auf dem Kiez Live-Sex-Shows gab. Wie im nahe gelegenen Dollhouse (ebenfalls Große Freiheit) tanzen in Susis Showbar leicht bekleidete Mädchen und Frauen zu eingängigem Pop und ziehen sich für die meist männlichen Zuschauer aus.
Dabei wird ein Tischgeld verlangt und erwartet, dass die Damen, die gerade nicht tanzen und den Menschen an den Tischen ihre Vorzüge, die körperlichen, feil bieten, einen Piccolo ausgegeben bekommen.

Table Dance – ein patriarchales Relikt wird zur Touri-Show

Susis Mädels erfüllen ein uraltes patriarchales Ritual, das es schon lange auf St. Paulis Reeperbahn gibt: die Spontanverfügbarkeit von Frauen zum sexuellen Gefallen. Soweit, so normal. Susis Showbar unterhält aber auch eine Loge am antisexistischen Millerntor des FC St. Pauli und das (er)regte im Zuge der Sozialromantiker Proteste Widerstand.

Susis Showbar Loge am Millerntor: Umstrittener Stangentanz

Susi versteht nicht, was „wir“ St. Paulianer gegen sie und ihr Etablissement haben.
Ritsch, ihr Wirtschafter zeigt sich aber kompromissbereit: „Wir haben zur Kenntnis genommen, dass einige Fans Frauen gegenüber nicht so freundlich eingestellt sind. Deshalb haben wir beschlossen, gegen Kaiserslautern genauso fußballbegeisterte Boys wie Mädchen einzuladen. Sie sollen unsere Freude über ein erzieltes Tor durch ihre Tanzdarbietungen an der Stange zum Ausdruck bringen.“
… schreibt die Mopo – und lässt das Zitat unwidersprochen, dass sich „nur“ wenige Fans des FC St. Pauli an der „Trockenfickerei“ an den Stangen in der Loge stören.

Susis Showbar vs.  FC St. Pauli

Susis Showbar, Ecke Reeperbahn Große Freiheit bei Tag – Photo credit: ukg.photographer on Visual Hunt / CC BY-SA

Der Konflikt liegt hier ganz woanders: Das was für mich und sicher auch andere St. Paulianerinnen unerträglich ist, sind die Macht und Machismen, die in Logen hinter getönten Scheiben nicht nur die Mädels zu Lustobjekten machen, sondern das ganze Millerntor zur Sexfolklore gleich mit. Gerade gestern habe ich ein kurzes aber wichtiges Gespräch darüber geführt, was denn der Unterschied zwischen Tita von Teese (Foto) und einem Tabledance auf der Reeperbahn ist.

Subjekt=sexy

Es ist schlicht die Kunst, Frauen als Subjekte zu erhalten, die in einer Rolle ihre Würde wahren können. Ob das gelingt, hängt elementar mit dem Umfeld (Loge) und den Betrachtenden (Männer, die Logen besuchen/sich leisten) zusammen. „St. Paulis Susis Showbar – sexy Table Dance auf der Großen Freiheit?“ weiterlesen

Nu auch HH-mittendrin: Blog-Sterben auf St. Pauli

Das Blogsterben auf St. Pauli geht weiter: nu meldet auch HH-mittendrin, das vor allem durch seine alternative und umfassende Berichterstattung zu den #Gefahrengebieten bekannt wurde, seine Schließung an:

Leider haben wir uns dazu entschieden HH-Mittendrin nicht mehr weiter fortzusetzen. Das hat vor allem einen Grund: Wir können den redaktionellen Betrieb nicht länger finanzieren.

Mit der Überschrift „Hello, Goodbye“ verabschiedete sich dieses Frühjahr bereits das vom Hamburger Abendblatt vor zwei Jahren gestartete Blog „St. Pauli News“ vom digitalen Regelbetrieb: mit dem vorerst letzten Posting erklären die Bloggerinnen, dass die Zukunft ihres Blogs vor allem wegen der schwierigen Vermarktung ungewiss ist – ein Problem, das nicht nur digitale Verlagsprodukte haben. Auch von anderen Blogs im Viertel, wie dem von mir sehr geschätzten Team um das Redakteursprojekt „HH-mittendrin“, hört man, dass die finanzielle Gegenwart nicht rosig aussieht. „Nu auch HH-mittendrin: Blog-Sterben auf St. Pauli“ weiterlesen

EWALD Bienenhonig :)

Einen Wald gibt es am Millerntor schon lange nicht mehr. Eigentlich weiss auch keiner so genau, ob es am Heiligengeistfeld überhaupt je einen Wald und damit Waldbienen gegeben hat und trotzdem gibt es bald Waldbienenhonig vom FC St. Pauli zu genießen: EWALDbienenhonig – ein Ergebnis ausdauernder Bestäubungsarbeit, die zwei Bienenvölker letzte Woche auf einem Balkon an der Südtribüne aufgenommen haben. „EWALD Bienenhonig :)“ weiterlesen

Visit St. Pauli

Willkommen auf St. Pauli

Dieses Magazin beschäftigt sich mit dem magischen FC St. Pauli, seinem Kampf um den richtigen Bundesliga-Fußball im Falschen, und dem Stadtteil St. Pauli, direkt an den Toren Hamburgs an der Elbe gelegen.

Reeperbahn, ich komm an

Pyjama Hotel St. PauliWir lieben die Reeperbahn, den Hafen mit Hafenstraße, Pudel und Fischmarkt.
Die Meile zwischen Schanze und Kiez, mit Weinbar, tollen Hotels und Restaurants. Wir lieben die Menschen, die ihren Stadtteil beleben, bewirtschaften und bevölkern. Die sich gegen Gentrifizierung wehren und ihn jeden Tag gestalten.
 
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St. Pauli Champs – Jugendgang aus den 80ern – (Anti-)Helden einer Hamburger Jugend

Mir fiel gerade wieder eine VHS-Kassette in die Hände, die mir einiges Wert ist. Ich habe 15 Jahre suchen müssen bis ich Ende der 90er in ihren Besitz gelangte. Und das kam so:

Alle alten Männer meines Jahrgangs, die westlich von St. Pauli aufgewachsen sind, haben sie erlebt, die Jugendgangs aus St. Pauli, die gerne mit der S-Bahn nach Othmarschen und Co. fuhren, um die Parties der Popper aufzumischen. Waren selbst keine Kinder von Traurigkeit, am WE hingen wir ja selber auf dem Kiez ab. Das waren aber immer gleich 30, manchmal 100 Jungs auf einmal, die da in Bomberjacken vor dem Tore lauerten. Das machte schon Angst. Faszinierte aber auch gleichzeitig.

ST. PAULI CHAMPS: „Grundlos schlagen sie Leute“

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Ich habe in Erinnerung, dass mir am meisten auf den Zeiger ging, dass wir unseren Eltern nie klar machen konnten, was sich da auf Hamburgs Straßen abspielte. Die nahmen das gar nicht wahr und deswegen auch nicht ernst. Wie haben wir uns gefreut als dann im November 1985 die Serie „Wild in den Straßen“ ausgestrahlt wurde, die in zwei Folgen das Treiben der St. Pauli Champs dokumentierte. Ein ganzes Jahr hatten die auf dem Kiez und anderswo die Gang gedreht. Mit 16mm Kamera, die vom Bruder einer unserer Kumpis mitgehalten werden durfte: einem der Törzs (oder wie die sich noch schreiben) Brüder. Ihr Vater moderierte dann die Sendungen an -im Pullunder, wie sich das gehörte.

St. Paulis Jugendgang: „Blut, schön Blut“

Denke daran öfter, wenn ich heute Meldungen über (rechte) Gewalt lese. Darüber, dass ich auch soweit sein könnte, eines gesetzten Tages, wenn meine Töchter mir davon erzählen, das ins Land der Pubertätsmärchen zu senden. Außerdem würde mich mal brennend interessieren, was aus den damals porträtierten denn so geworden ist.

Thorsten Jeß, der Regisseur der Doku könnte das noch wissen. Von dem habe ich dann auch die Kopie einer alten VHS bekommen, war so erstaunt, dass es wirklich Fans seiner Doku gibt. Wenn der wüsste wie viele wir sind 😉

Die Dokumentation gibt es seit einiger Zeit auch auf Youtube …

„Wild in den Straßen“: St. Pauli Champs Teil 1

„Wild in den Straßen“: St. Pauli Champs Teil 2

Uwe Knuth: Der St. Pauli Maler und "Bänker vom Kiez" wird 80

Es ist ein sonniger Spätsommertag, als ich von der Reeperbahn nach Bahrenfeld radle. Ich bin verabredet mit Uwe Knuth dem Maler, der auch Bänker war. Als einer der Vertrauten von Kiez-König Willi Bartels hat er die Finanzierung seines Immobilien-Imperiums organisiert. Das Hotel Hafen Hamburg unter anderem, in dessen oberen Glaserkern er sehr gerne malt. Mit traumhaftem Blick auf die St. Pauli Landungsbrücken und seinen Hafen.

80 Jahre – davon am längsten Maler

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Uwe Knuth wird diesen Monat 80 Jahre alt, weswegen die Fabrik der Künste eine Ausstellung seiner Bilder zeigt. Vernissage ist heute Abend.
In seinem gemütlichen Atelier stehen und hängen überall Bilder. „Ich muss noch die raussuchen, die in die Ausstellung sollen“, so entschuldigt er das Durcheinander. Wir trinken Wasser und plaudern über sein Leben und seine Malerei.

Eigentlich malt er schon länger Bilder, als er arbeitet.

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