Ein Punkt für Ewald Lienen

Nach solchen Spielen, wie am vergangenen Freitag neige ich ja zu leichter euphorischer Übertreibung, aber auch nach einem Wochenende, an dem die anderen Mitbewerber um den Abstieg in die Dritte Liga sogar siegen konnten, überwiegt das gute Gefühl: diese Boys in Brown hatten sich den Sieg verdient und der zweiten Liga ein Signal gesendet, „wir wollen doch noch mitspielen, lieber Zug zum Klassenerhalt, bitte noch nicht abfahren“. „Ein Punkt für Ewald Lienen“ weiterlesen

Und es lag doch nicht am Rasen

„Kommen sie hier her, hier gibt es keine Verlierer“, tönt eine Frauenstimme vom Band gegen Lady Gagas übersteuerte Stimme vom Scooter und dem Gemurmel der DOM-Besucher. Und liefert das nachgereichte Motto des Spiels gegen Energie Cottbus.

Foto: DOM Hamburg
Foto: DOM Hamburg

Und in der Tat waren wir schon während des Spiels ratlos. Wovor haben die Jungs denn bloß so eine Angst?

Der erste Torschuss in der 2. Hälfte in der 80. Minute, keine Konter und herumgeschobene Verantwortung, bei der dann der arme Thorandt das Spiel nach vorne machen muss. 

Moritz Volz wurde das dann irgendwann zu doof, und als er sich zweimal ein Herz nahm, wurde es auch gleich gefährlich.

„Der Zug zum Tor hat verschlafen“, kommentierte ich zum Quotenrocker gewandt, „Ja, der Schubert hat ein Konzept, das glaube ich schon, aber die Jungs verstehen ihn nicht“, war seine Antwort.

Und in der Tat führen alle Fragen über die Ursachen eines solchen Spiels zum Trainer. „Wir brauchen keine Jahrgangsbesten“, war für J. klar, „Mit Stani fing der Ärger auch an, als der Jahrgangsbester wurde“.

Früher hat man mehr geschimpft, aber enttäuscht war man nie, weil die Boys in Brown immer mal wieder frech und fröhlich über ihren Möglichkeiten spielten. Immer mit Magie und manchmal mit Wucht. Das fehlt vielleicht dem Schubertschen Konzeptfussball, die Inspiration, die aus Fußballern Personen macht. Ist vielleicht kein Wunder, dass die unkonformen, wie Naki und Takyi raus sind aus seinem Kader.

Wir wollen aber keine effizienten Torverhinderer, wir wollen euch, ganz und gar, aber immer auch mit Emitotion, mit magischem Möchten; egal in welcher Liga.

FC St. Pauli – Eintracht Braunschweig: Ein lauer Frühlingskick

Die Temperaturunterschiede waren es. Bestimmt. Auf der Süd und im Schatten der Haupttribüne sah es nach winterlichen vier Grad aus. Eine Temperatur, bei der Wasser seine höchste Dichte hat übrigens. Und gegenüber, in der Nord und auf der Gegengeraden sorgte die tief stehende Sonne für annähernd 20 Grad. Das Spielfeld war geteilt. Und die Boys in Brown mussten bei jedem Angriff diese Klimazone durchqueren, was sie sichtbar irritierte.

Die Mannschaft schien meine Anregung vom Bochum-Spiel umsetzen zu wollen und bezog endlich Kevin Schindler in ihr Angriffspiel mit ein – und nach Kruses Großchance in der siebten Minute, sah es ja doch so aus, als würde das Spiel so heiter verlaufen, wie das Wetter auf der Wetterseite.

Die größte Dichte herrschte im ganzen Spiel vor dem 16er der Gäste. Dort liefen unsere Boys in Brown immer wieder in ein Gestrüpp von blauen Waden – unfähig, den Ball platziert zu passen. „Wenn die das noch abstellen, dass der Ball immer drei Meter wegspringt bei der Ballannahme, dann könnte das sogar mal klappen mit dem Kurzpassspiel“, analysierte W. neben mir.

Viel passierte dann nicht mehr, wie das Hamburger Abendblatt heute Morgen, mit der Abwandlung des Klassikers aus dem Kasino „Keine Arme, keine Kekse“, auf den Punkt brachte: „Keine Stürmer, keine Tore!“

Nach dem Spiel gab es dann das erste Bier vor der Domschänke. Braunschweiger noch verabschiedet und ihnen einen schicken Restsonntag gewünscht. Meiner war dann nämlich noch sehr gemütlich.

Highlight:

Was sonst noch war, lest ihr beim Übersteiger. Und Fotos von der Kiffer-Choreo in der Süd findet ihr bei Stefan.

Unentschieden mit Empfangsstörung

Es ist schon schade, dass ich das ehrwürdige AFM-Radio nicht mit den Handy-TV-Bildern von Liga Total synchronisiert bekomme. Das wäre der perfekte Ersatz für das Nicht-Dabeisein.

Gestern blieb es trocken in Strande bei Kiel. Gegen Mittag hatte ich den Jolly Roger aufgeheisst und es kribbelte schon vorängstlich: würde das halten, was wir uns in Lübeck versprachen? St. Paulianischen Fußball wie er sein soll, ohne Allüren und ohne Angst vor grossen Namen. Die Allüren sind fast alle gegangen, Lehmann zur Eintracht, ber der man sich immer unwillkürlich fragt, wie sie zu diesem Namen gekommen sind.

Das AFM-Radio verstümmelt und der Videostream verpixelt, so hab ich das Spiel mehr gespürt, als gesehen/gehört. Fast wie in der Nord ;) – und ich kann das Genörgel nicht teilen, habe mich über spielfreudige Boys in Brown gefreut, und wieder einmal über Fin Bartels und auch Kruse, Naki, Bruns, wie sie sich schon in der Hälfte der Eintracht ranwarfen und störrisch die Linien hielten. Geradezu magisch, dass unserer 17 dann der Fehlkopfstoss gelang. Hallo? Eintracht Frankfurt, und nach 140 Minuten das erste Gegentor der Saison. Da gibt’s nix zu meckern, nur einfressen in eine frühe Saison.