‚Macht die Logen auf‘ – Teilöffnung des Millerntor-Stadions

Nun ist es amtlich: der FC St. Pauli kann zum ersten Heimspiel der Saison 20/21 das Millerntor für Fans öffnen – zumindest für ca. 2.200.

Mein Podcast Zwischenruf zur Verlosung der Corona-Tickets

Heute am Morgen, als die Meldung dann offiziell über die Ticker kam (seit gestern rumorte es ja schon in der aktiven Fanszene deshalb), rief ich Markus an, um zu wissen, ob wir uns bewerben wollten für eine der verlosbaren Tickets für das erste Heimspiel gegen Heidenheim.

„Das ist billiger Ersatz. Ich geh da nicht hin“

„Das ist doch kein Fanerlebnis, wie ich das haben will. Das ist billiger Ersatz. Ich geh da nicht hin“, war seine Antwort.

„Wie läuft denn das?“, wollte er dann doch wissen. 15 EUR kosten die Tickets pauschal, habe ich ihm geantwortet. Unter allen Dauerkarten-Inhaber:innen werden die 2.200 und ein paar Zerquetschte dann verlost.

Infos beim FCSP.

Die Zahl der jetzt zugelassenen Zuschauer*innen ergibt sich aus den Absprachen des Vereins mit den Hamburger Behörden. Wenn alles gut läuft und die pandemische Lage es zulässt, besteht die Möglichkeit, das Konzept anzupassen und das Kontingent zu erhöhen.

Die Auslosung übernimmt das Kartencenter.

Presseabteilung FCSP

Wie steht es um die Plätze für die Behinderten?

In Absprache mit unserer Fanbeauftragten für Menschen mit Behinderung wird festgestellt, wie viele entsprechende Plätze z.B. für Rolli-Fahrer*innen zur Verfügung stehen. Wenn dann entsprechend mehr Menschen mit Behinderung sich auf Tickets bewerben, wird unter ihnen ebenfalls gelost.

Presseabteilung FCSP

Was ist eigentlich mit den Logen?

Soweit ich unterrichtet bin, gelten diese Konditionen nicht für die Logen. Mir wurde berichtet, dass diese eigene Mietverträge und deswegen eine eigene Nutzungsszenarien haben. Ich gehe davon aus, dass bei einer Teilöffnung des Stadions auch die Logen geöffnet werden. Wie wäre es denn, wenn man die eine oder andere Loge instantbesetzt – und diese Karten für diejenigen shanghait, die sich 15 EUR für ein FCSP Heimspiel nicht leisten können … was meint ihr?

Boys in Brown, lasst euch von der Lust leiten! #fcsp

Zweimal 0:4 – das ist bitter und tut in der Fanseele mächtig weh. Schnell sind da Zeigefinger in Richtung Spieler ausgestreckt, Trainer infrage gestellt oder mangelnde Einstellung diagnostiziert.

Podcast Bonus: Ich versuche es mal wieder mit Liebe und Empathie

„Wir müssen im Kopf arbeiten und wir müssen auf dem Platz arbeiten, in allen Bereichen.“ – Sportchef Uwe Stöver  ggü der Mopo

Und ich möchte ergänzen: Im Herzen auch. Die Lust am Spiel wiederfinden ist die Aufgabe der Stunde, den verloren Eros am eigenen Spiel, auch die Lust am Verlieren wieder erlernen. Eine Kunst, die auf St. Pauli einst zuhause war.

Ich erwarte keine Pflichterfüllung von euch, liebe Boys in Brown.

Ich gehe ans Millerntor, weil es mir Spaß macht. Ich handele da ganz nach dem Lustprinzip und ja, wenn ich ehrlich bin, ist manchmal auch eine Portion Masochismus dabei, euch und euren Vorgängern zuzusehen – aber geschieht alles freiwillig 😉

Wiederentdeckung des Eros im Fußball

Was ich mir von euch wünsche, ist ein Auflaufen ohne Gepäck, nur mit der Lust am Spiel aufgeladen und der Vorfreude, unseren Support zu feiern – meinetwegen mit sauber herausgespielten Kontern und fulminanten Abschlüssen. Lasst euch in unseren Klangteppich fallen und schaltet das schlechte Gewissen aus, die Sachzwänge des Profitums sollen sich auflösen in einem herzhaften Lachen, wenn euch mal wieder ein Maulwurf das Tor vermasselt. Eure Lust zu spüren, mit den Kerlen aus Braunschweig zu spielen, gäbe mir viel mehr, als jedes gepresste Bekenntnis, dass ihr uns verpflichtet seid.

Voran Sankt Pauli – auf die Lust! 😉

„Das Verlieren ist beim FC St. Pauli einmal eine große Kunst gewesen“

Transskript

Der Ausschnitt ist Teil der Episode 19 des MOPO Podcast „Hamburger 2erkette“
Erik: [00:00:18] Natürlich auch ganz gut zupass. Ich werde meine Wunden verarzten die mir die acht Gegentore zugefügt haben und ich werde versuchen meine Einstellung gegenüber jedem einzelnen Spieler nochmal wieder auf Null zu setzen und mal ein bisschen Empathie reinzubringen und den einfach mental und esoterisches ein bisschen mehr zuzutrauen als sie sich selber zutrauen. Vielleicht hilft das ja schon.
Sievi: [00:00:49] Wer weiß. Na du hast doch eigentlich einen ganz guten Draht dahin mit deinem Sankt Pauli Blog.
Sievi: [00:00:55] Na ja ich kann mir gut vorstellen dass der eine oder andere Spieler da was liest und du bist ja nun auch rede- und wortgewandt.
Erik: [00:01:05] Dann kann ich Ihnen nochmal sagen Ich kann nicht nur über Leistung sprechen ich möchte auch nicht darüber sprechen was jetzt irgendjemand von den Spielern erwartet.
Ich würde mich am allermeisten freuen wenn die die Lust am Fußballspielen wiedergewinnen. Dass sie einfach nach dem Lustprinzip agieren und nicht nach dem Leistungsprinzip das ist ja auch eines der Probleme die ich mit dem modernen Profitum und der Trainerausbildung in diesem Profifußball habe. Das ist mir alles viel zu sehr leistungsbezogen und Druck bezogen und viel zu wenig Lust orientiert.
Und ich bin fest davon überzeugt dass in dem Moment wo ich Lust habe daran etwas zu tun wo ich wie mein  Freund Christian meinte den Eros am Fußballspielen. Das lebensbejahende am Fußballspiel, das uns ja alle dahin trägt jedes Wochenende wieder finde; wenn ich das verliere dann habe ich mehr verloren als mir ein Mentalitätscoach wieder zurückgeben kann.
Und das kann eben nur aus den Jungs selber kommen. Vielleicht hast du recht, und es hilft, wenn sie von mir so eine Art Carte blanche erhalten und ich sage: meinetwegen dürften sie auch verlieren.
Also ich habe gar kein Problem damit auch die Lust am Verlieren wieder zu entdecken weil das ist ja beim FC Sankt Pauli mal eine große Kunst gewesen. Ich kann da nur an Liedzeilen von Thees Uhlmann erinnern, die fantastisch sind, wo es heißt „Meine Schulter ist nass von des Nebenmannes Tränen“.
Das sind einfach wundervolle Textzeilen, die natürlich aus dem Leid geboren sind und auch aus der Lust am Leiden. Und das ist sehr stpaulianisch und diese Einstellung die dürfen aus meiner Sicht auch Profi-Fußballer haben. Weil aus dieser Lust entsteht nämlich dann irgendwann auch das, was die Magie am Millerntor ausgemacht hat und dann werden sie auch wieder anfangen zu gewinnen. Da bin ich mir ganz sicher.

Podcast: Beinahe sowas wie Euphorie

Nach dem ersten Saisonspiel in Magdeburg rieben sich gestandene St. Paulianer verwundert die Augen. Der magische FC hatte sein erstes Spieö gewonnen. Das alleine wäre nicht so verwunderlich gewesen, aber das Wie könnte schon zu so etwas führen, das sich wie Euphorie anfühlt.

Der FC St. Pauli hatte gegen einen motivierten Aufsteiger, aus dem Osten, einen Rückstamd egalisiert und sogar das Spiel gedreht – durch einen Standard. „Das gab es noch nie“, schwärmte Markus am Abend, als wir uns zum Podcasten treffen. 

Vorfreude auf das erste Heimspiel

Willi, Markus und ich schnacken bei Kuchen und Bier (Kein Astra!) über den Start des FC St. Pauli,

  • Unseren neuesten Neuzugang aus Holland – „Veerman ist der neue Morike Sako“
  • Das rassistische Plakat von Astra
  • Unser Pokalspiel
  • Und eine neue Form der Vision, die unsere Welt ein wenig besser macht.

Hört auf zu meckern!

Der FC St. Pauli steckt nach dem Unentschieden gegen Sandhausen mitten im Abstiegskampf und irgendwie nimmt das keiner so richtig wahr.

Gestern rief mich W. an und kofferte los. Da habe im Verein wohl keiner den Schuss gehört, wo denn Oke sei; bei Aue stehe in diesen Tagen der Präsident in der Kabine und drohe jedem, der nicht an seine Leistungsgrenze gehe, mit der Ausfertigung seiner Papiere. Auf Nachfrage wollte er das nun nicht von Oke, also mit Drohungen in die Kabine latschen und herumkrakeelen, „aber eines ist doch klar: ES MUSS WAS PASSIEREN!“, rief er in die Muschel und legte vor Schreck auf.

Tabelle 2. Bundesliga, via FCSP.com

„Was erlauben Bouhaddouz?“

Da ist W. in guter Gesellschaft, langjährige Allesfahrer schütteln genauso verwundert den Kopf, wie andere Blogs in meiner Blogroll.

„Trotzdem ist es alles uninspiriert. Ein taktisches Konzept ist nicht erkennbar. „Karo einfach“ oder „Fußball der 90er“ waren Kommentare nach dem Spiel. Leider wird in den – ziemlich aussagslosen – Pressekonferenzen auch nie nachgefragt, was denn die Idee für ein Spiel, für die Mannschaft im Allgemeinen sein soll. Soll das eigentlich offensiv sein? Oder defensiv? Warum schaffen wir es trotz schneller Spieler nicht, ein Kontersystem zu entwickeln? Ist das alles nur Verunsicherung?“

It’s the economy, stupid

Die ganze Liga, von Platz sechs bis 18 steckt mitten im Abstiegskampf. Soweit, so normal. Statt sich über die einigermaßen gelungene Rückrunde zu freuen (13:12 Tore 😉 und anzuerkennen, dass eben im modernen Fußball, dessen Protagonisten alle gleich ausgebildet sind, alle dieselben taktischen und gegentaktischen Schemata aufrufen und alle dieselben Talente ausbilden (für Freiburg, Dortmund und Leverkusen), eben alle auf Strecke ähnlich stark oder schwach sind. Das hat sich lange angekündigt; diese Saison ist es soweit.
Das einzige Gegenmittel: Mannschaftliche Geschlossenheit. Teamgeist, Liebe und Hoffnung.
Wirklich Leute, rüstet mal ab. Umarmt eure Boys in Brown trotz eines verschossenen Elfmeters. Das hilft.

Jetzt rufen sie wieder nach Stani?

Ich habe schon Leute getroffen, die ernsthaft sich Stani zurück wünschen. Und dann? Kauschi erreicht die Jungs ja, das kann man sehen! Der FC St. Pauli ist fünfter der Rückrundentabelle. Und kann trotzdem absteigen. Ja, nimm es hin. Supporte noch mehr!
Team-Kreis FCSPInspiration kann man ausgerechnet beim untergehenden Dino finden. Andreas Fischer, langjähriger Rautenkapitän fand im RautenTV des Abendblatts über Ostern die richtigen Worte:

„Stellt euch hinter eure Mannschaft, hinter jeden einzelnen Spieler. Und wenn das nicht geht, sucht euch euren Liebling heraus und stellt euch an seine Seite. Es gibt den Rest der Saison keine anderen.“ – Andreas Fischer – Ex-Rautenkapitän

Und wenn wir den Klassenerhalt geschafft haben, mit urstpaulianischen Hippie-Tugenden (oder meinetwegen einem lärmenden „Kämpfen Pauli“ ;), dann freuen wir uns auf die nächste Saison – Kauschis und „Uns Uwes“ erster ganzer übrigens.

St. Pauli wieder stabil (FCSP – FCN 0:0)

Was soll man nach so einem Spiel sagen? Ich war einigermaßen ausgepowert, soviel Spannung und so viel Action auf dem Rasen war selten. Eine schöne, intensive Zeit, diese 90 Minuten. Da konnte man ganz im Jetzt sein, sich fragen, wieso Azziz Bouhaddouz dann famose Freistöße schießt, wenn er vorher die Pose eines Christiano Ronaldo imitiert? Wieso die beinahe als untrainierbar geltenden Boys in Brown nach zwei Niederlagen zu einer stabilen Spannung in der Lage sind, während man mit einem frischen Bier in das Flutlicht blinzelt. „St. Pauli wieder stabil (FCSP – FCN 0:0)“ weiterlesen

"Kein Vergeben, kein Vergessen" – Choreo: Es gibt Wichtigeres als Toreschießen #fcspsv98

Als ich mich in diesen Tag begab, wehte von Westen ein Hauch Frühling über Altona. Kein kräftiger Schub, sondern ein leises Versprechen, dass es unaufhaltsam besser wird. Als ich am Millerntor ankam, war der Hauch noch da.

Absolute Stille zum Holocaust Gedenktag

Pünktlich zum Herz von St. Pauli waren alle an ihrem Platz und was dann folgte, war eine herzfüllende Demonstration von 30.000 Menschen, die sich gegen Rechts und das Vergessen stemmten.

Kein Vergeben Kein Vergesse Choreo am Millerntor. Foto: Markus Willnauer

Statt „Hells Bells“, liefen die Boys in Brown und ihre Gäste gestern zu einer Schweigeminute mit Trauer-Choreo ein, um die Opfer des Holocaust zu würdigen und sich gegen Rechts und das Vergessen zu stemmen. Stark, wie leise dieser Protest war, den auch der gesamte Gästeblock mit trug. Wie kraftvoll Stille sein kann, wird einem im Alltag ja nicht immer bewusst – gestern lief wohl nicht nur mir ein Schauer über den Rücken.
Der Spieltag gegen Darmstadt war einer dieser Tage, in denen St. Pauli sein Wesen kollektiv zu zeigen in der Lage war. Das Spiel gerät dadurch zwar nicht zur Nebensache – es wirkt aber nach, dass Fußball eben nicht alles ist.

„So ein stilles Stadion habe ich noch nie erlebt“

Das Spiel ist dann auch schnell erzählt: Darmstadt schießt mit seinem ersten Torschuss das goldene Tor des Tages (ein schönes übrigens) und unsere Boys in Brown erkämpfen und erspielen sich zehn hochkarätige Chancen, ohne aber zu treffen. Was auch an einem meiner Lieblingstorhüter liegt, dem Portugiesen Fernandes, der unsere Jungs und uns auf der Geraden zum Wahnsinn trieb.
Bei allem Ärger über diese Niederlage, sehe ich auch Zuhause echte Fortschritte. Johannes Flum machte ein Riesenspiel, Allagui war quirlig und echt stpaulianisch glücklos. Warum Azziz keine Kopfbälle mehr kann, bleibt ein Mysterium für mich, aber das löst Kauschi wohl auch noch.
Ich mache mir auf jeden Fall keine Sorgen. Willis Wunsch aus unserem letzten Podcast scheint sich also zu erfüllen: Sportlich langweilig, seelisch und im Detail spannend.
Dann kann nu auch der Frühling kommen. 😉

"Aziz Bouhaddouz macht Duisburg naß"

Man möge mir die Headline verzeihen – da war wohl der Wunsch Vater des Gedanken 😉

Das Millerntor am 2. Advent vor dem Spiel gg den MSV

Anders, als Markus sich das in unserem Podcast zum Trainerwechsel (hier anhören ;) gewünscht hatte, spielte am 2. Advent keine entfesselte Mannschaft in braun-weiss und siegt souverän 3:0. Nee, die Boys in Brown agierten von vorne bis hinten verunsichert – und das gegen einen Gegner, der wirklich limitiert zu Werke ging.
Markus Kauczinski nannte das nach Abpfiff „aus den Gliedern spielen“ – und das taten sie dann auch; nach dem in dieser Saison obligatorischen Gegentreffer.

19:10 Podcast mit Markus Kauczinski und dem MSV Duisburg – hier anhören:


Die „20 Minuten Luft“, die ich hier auch schon einmal erwähnte, brachte dann zwei Tore für den FCSP, eines davon, der Ausgleich durch Waldemar Sobotoa, hatte den ganzen Druck der letzten Wochen in eine Schuss gelegt. Da war es auch egal, dass er den Ball nach einem Abwehrfehler serviert bekam, genauso, wie Lasse Sobiech seinen Elfmeter. Nee, die Lehre aus diesem Spiel ist, dass Druck eben Tore erzeugt, weil er Fehler beim Gegner motiviert. So einfach ist Fußball.
Mehmet Scholl hat ja ganz recht: wenn alle dieselben Systeme spielen, dann wird das Spiel langweilig und statisch – dann entscheiden Fehler. Eine Heilung könnte die Inspiration der freien Radikalen sein, wie Cenk Sahin einer ist und Sami Allagui einer war gestern.
So richtig frei und radikal hat sich Aziz wohl auch gefühlt – aber nur kurz. Sein Schabernack mit dem Duisburger wertete der humorlose Schiri als glatt Rot – und sagt damit mehr darüber, wie spaßbefreit er ist, als über das so genannte Vergehen.
Das Herz von St. Pauli schlug gestern wieder kraftvoll – nicht die ganze Zeit, aber das kann ja noch kommen. Kauczinski kann auf jeden Fall Emotionen in diesem Verein nach ein paar Tagen schon besser lesen, als Olaf Janssen nach einem Jahr, was die Einwechslung von Schnecke Kalla beweist.

FC St. Pauli – Stadionmusik als Black Box

Als wir das erste Mal „Let’s get united“ von Slime im Stadion hörten, lief das Video auf der Anzeigentafel; seither läuft es in jeder Halbzeitpause anstatt des immer mitgesungenen „Antifa Hooligans“. Das gefällt vielen von uns auf der Gegengeraden nicht. Mir auch nicht.

Antifa Hooligans: Photo by In_VeRo_SiMiLe on Visual Hunt / CC BY-NC

Inzwischen regt sich auch in anderen Blogs Widerstand gegen diese Form der „Zwangsbeglückung“.

„Warum spielen die jetzt diesen doofen Slime Song statt Antifa Hooligans?“, Curious

Der magische FC Blog hat nachgefragt und eine lange, aber unbefriedigende Antwort erhalten – kann man hier nachlesen.

Slime sind eine Band „aus dem eigenen Stall“

Mich interessiert das nicht, ob Slime aus dem eigenen Stall kommt, halte das eigentlich sogar für problematisch (Stichwort: Gema) – interessieren tut mich eine ganz andere Frage:

Wer bestimmt eigentlich, welche Musik im Stadion gespielt wird?

Nach meinem Nachdenken darüber, dass meiner bescheidenen Ansicht nach, der FC St. Pauli mehr vielfältige Musik sehr gut gebrauchen  könnte (Lost in Punkrock) und vorschlug, das Procedere zu demokratisieren und Playlists zu spielen, die eingereicht werden können, bekam ich zu hören, das ginge nicht.

„Die machen das schon seit der Regionalliga“

Sinngemäß teilte man mir von Vereinsseite mit, dass das Menschen machen würden, die das schon „seit der Regionalliga machen“ und sich nicht reinreden lassen würden, was sie spielen. Wie bitte?
Einschub: wie immer an dieser Stelle, denn der Kommentar kommt immer, erwähne ich ausdrücklich, dass ich das gar nicht schmälern möchte, was aktive Fans für den Verein tun und taten; vor allem in Zeiten, wo keiner Bock darauf hatte, sich für jeden hoffnungslosen Novemberspieltag Musik zusammen zu sampeln und den auf der Schrottanlage zu spielen.

Kinnings, das nennt man „Filz“

Aber: Ist das nicht genau das, was man landläufig unter „Filz“ versteht und den ich auch an anderer Stelle in diesem Verein wahrnehme? Das verhaken von Strukturen, das Sich-aneinander-gewöhnen in einer Form, die dann Veränderung und ja, auch Vielfalt verhindert.

Ich frage das in diesem Zusammenhang gerne nochmal:
Wo bleibt die Vielfalt in der Stadionregie?

Meine Forderung, auch andere Musik- und Lebensweisen im Stadion hörbar zu machen, erneuere ich hiermit, und wenn das NOCH nicht im Stadion geht, dann höre ich eben vorher öffentlich meine Halbzeitmusik, hier in meinem Blog; lade euch herzlich ein, euren ‚Soundtrack St. Pauli‘ mit mir zu teilen. In den Kommentaren oder als eigenes Posting …

Vorbild Babelsberg: Jede_r kann mitbestimmen

… ein gutes Beispiel, wie man Stadionmusik organisieren kann, habe ich bei Babelsberg 03 gefunden.

Vor jedem Spieltag werden auf unserer Website sechs verschiedene Songs zur Abstimmung gebracht. Die drei Meistgewählten werden dann in der Halbzeitpause unseres nächsten Heimspiels den Zuschauern präsentiert.

 

1. Heimsieg in der DFB Realität

Ich bin neulich in die Falle der eigenen Wahrnehmung gefallen, als ich mir gegen den 1. FCK aus der Region den „ersten Heimsieg“ der Saison gewünscht habe, zumindest den ersten, den ich am Millerntor miterlebe.
Dabei hatte ich schon einen eingefahren. Zusammen mit den Boys in Brown; gegen die Fortuna aus Düsseldorf.

DFB-Realität?

In einem Spiel, und das passiert nur bei manchen, bei dem die Realität des DFB und die von mir erlebte an einem oder mehreren Punkten divergiert.
Das kann man sich in der Wirkung so ähnlich vorstellen, wie die vielen Situationen in der ersten Bundesliga diese Saison: wenn der Stürmer jubelnd abdreht, kurz verschämt zögert, bis der Schiri auf den Anstoß zeigt, sich das Hemd vom definierten Oberkörper reißt, nur um zu verpassen, dass sich der Mann in Neongelb, mit fragendem Blick und klopfenden Fingern auf sein Headset von einer höheren Instanz sagen lässt, dass das alles Mögliche war, was er da gesehen hat, nur kein Tor.

„Auf die Beschaffenheit des Tages selbst einzuwirken, das ist die höchste aller Künste.“ – Henry David Thoreau, Walden

Den Videoschiedsrichter gibt es in der zweiten Bundesliga nicht. Dafür existiert in mir aber eine mächtige Instanz, die ähnlich arbeitet; die eher auf emotionalen Fakten basiert, aber am Ende – so habe ich das einst beschlossen – die für das Ergebnis eines Spiels und die Bewertung eines Spielerlebnisses letztlich entscheidende Stelle ist. Das führt dann dazu, dass die Realität sich aufspaltet: in eine DFB-Realität und in eine echte.
Zum ersten Mal nahm ich diese Fähigkeit 2012 beim Pokalspiel in Stuttgart wahr. Seitdem immer mal wieder.
Es gibt Schiedsrichter, die mit ihrer Art, auf das Wesen eines Spiels einzuwirken, diese Realitätsspaltung noch forcieren; Herr Brych gehört definitiv dazu. Ich kann inzwischen beinahe körperlich spüren, wenn es geschieht. Beim abgepfiffenen ersten Tor und beim zweiten nicht gegebenen auch. Bei dem überfälligen Elfmeter dann spaltete sich das Spiel von Herrn Brychs Tatsachenrealität ab und wurde zu meinem ersten Heimsieg: Einem am Ende verdienten 3:2 für die Boys in Brown.
Jetzt mag der eine oder andere denken, dass ich mir die Saison dann ja zurecht wünschen kann. Armer Narr, möchte ich da entgegnen: ich wünsche mir das ja nicht, ich erlebe das so. Dummerweise habe ich bisher noch keine Möglichkeit gefunden, wie meine Realität sich in der offiziellen Tabelle niederschlägt. Aber was nicht ist, kann ja noch werden. Die Quantensignatur dieses Heimsiegs bleibt ja bestehen.

Also: Folgt morgen „mein“ 2. Heimsieg (in Folge?)

Am Freitag kommen also die Roten Teufel ans Millerntor. Die durchleben ja gerade die Hölle, wie man hört; haben sich aber gerade pünktlich zum Spiel bei uns mit Hoffnung aufgeladen. Dagegen wäre normalerweise kein Kraut gewachsen: der FCK ist Vorletzter, wir Sechster; also hätten wir – unserer Magie gemäß – die drei Punkte, schlimmstmöglich spielend, in die Region entlassen müssen. Aber eines ist anders morgen. Neben 29.000 Supportern wandern auch noch hunderte Zahnbürsten ans Millerntor.
Wie ich gerade in der neuen VIVA lesen konnte, „sammeln wir heute im Millerntor und auch am kommenden Montag in Sandhausen Zahnbürsten und Zahnpasta. Der Verein verteilt diese an Hilfsbedürftige, insbesondere sozial benachteiligte Kinder. Alle Fans haben die Möglichkeit, Zahnbürstenspenden vor, während und nach dem Spiel an den dafür bereitgestellten Boxen auf dem Südkurvenvorplatz abzugeben.“
Das könnte in der Tat das Quentchen sein, das den sonst vorinszenierten Ablauf von „Aufbaugegner kommt ans Millerntor und wird auch aufgebaut“, aushebelt. Und da ihr alle aufgefordert seid, NEUE Zahnbürsten mitzubringen, wird am Ende hoffentlich auch die DFB-Realität mit der meinen übereinstimmen – zu meinem ersten „offiziellen“ Heimsieg dieser Saison 😉
 

Südkurve St. Pauli: Keine Gästefarben erlaubt

 

football scarf st. pauli
Football Scarf
Photo credit: Graeme Bird via Visual hunt / CC BY-NC-ND

Beim Heimspiel gegen Union Berlin sind auf der Südkurve keine Gästefarben (Trikots, Schals, Banner, etc.) erlaubt. Das stellt der FC St. Pauli erneut explizit klar – das ist irgendwie doch auch nachvollziehbar und hat nichts mit fehlender Toleranz zu tun.

Beim Heimspiel des FC St. Pauli gegen den 1. FC Union Berlin am Freitag (10.3., 18:30 Uhr) ist das Tragen von Fankleidung und Fanutensilien der Gästemannschaft auf der gesamten Südtribüne nicht erlaubt.

Südkurve ist die Kurve der Ultràs

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FC St. Pauli – Dynamo Dresden Kurzkommentar (zum Spiel ;)

Kurzkommentar FC St. Pauli - Dynamo Dresden

»Der FC St. Pauli erspielt sich auf tiefem Boden einen ungefährdeten 2:0-Heimsieg gegen den Tabellenfünften Dynamo Dresden. Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen – damit verlässt der FC St. Pauli die direkten Abstiegsränge. „Eine Präsenz, die man am Millerntor lange nicht mehr“ … . Vor allem das Energie kostende Pressing ließ Dynamo nie ins Spiel kommen.«

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Millerntor: schwarze Büx + gelber Pulli nur im Gästebereich

Kommen Sie aus Sachsen und drücken der Dynamo die Daumen?Haben Sie auch keine der wenigen Karten für den Gästeblock bekommen, aber das Glück, einen Geschäftspartner zu haben, der Sie auf die Haupt- oder eine andere Tribüne am Millerntor mitnimmt? Fein, herzlich willkommen, Sie Glückspilz.
Ihren Fanschal lassen Sie in diesem Fall aber lieber zuhause, denn der FC St. Pauli hat kategorisch das Mitführen und Tragen von „Farben des Gegners“ außerhalb des Gästeblocks untersagt. „Millerntor: schwarze Büx + gelber Pulli nur im Gästebereich“ weiterlesen

Der schönste Absteiger aller Zeiten

Das war gemein, was da gestern ablief, mal wieder: Die Boys in Brown engagiert, spielfreudig und körperbetont. So sehr hatten sie den VfB Stuttgart im Griff, dass man sich die Augen reiben wollte: Wer will hier nochmal aufsteigen?
St. Pauli war stark aus der Winterpause gekommen, vor allem das Duo Cenk Sahin und Jerry Dudziak sprühten vor Energie, ließen den Bundesligaabsteiger immer wieder schlecht aussehen.

Boys in Brown besser

Die Rückkehr von Lenny Thy und die Premiere von Møller Dæhlin und Flummy schien zu glücken: Wer war hier die eingespielte Elf?
Und dann schlägt die Fußballweisheit St. Pauli einen Zahn nach dem anderen aus; natürlich ist Stuttgart immer für einen guten Konter gut – und der kam in der 85. Minute. Wenn man bis dahin keine zwei Tore geschossen hat, wird es duster.

Für eine gute Leistung kann auch St. Pauli sich nix koofen.

Am Ende, das befürchteten wir alle, als wir uns vor der Domschänke vor dem klammen Bier den Pessimismus auszureden versuchen, könnte St. Pauli der schönstspielende Absteiger aller Zeiten werden. ;(

Kurzkommentar zum Heimspiel FCSP vs VfB Stuttgart.
Elbvertiefung Newsletter Kurzkommentar zum Heimspiel FCSP vs VfB Stuttgart.

»St. Pauli verliert gegen den VfB Stuttgart mit 0:1. Mit einer energischen Leistung hielten die Kiezkicker den Bundesligaabsteiger in Schach, waren lange die bessere Mannschaft. Außer einem Lattenschuss gab es aber keine Torchancen für Braun-Weiß – da langte ein guter Konter in der 85. Minute für den Nackenschlag. So verdient sich St. Pauli nur den Titel »Bester Tabellenletzter aller Zeiten« …«

Zuerst erschienen im Newsletter „Elbvertiefung“ der ZEIT Online.

Ein Punkt für Ewald Lienen

Nach solchen Spielen, wie am vergangenen Freitag neige ich ja zu leichter euphorischer Übertreibung, aber auch nach einem Wochenende, an dem die anderen Mitbewerber um den Abstieg in die Dritte Liga sogar siegen konnten, überwiegt das gute Gefühl: diese Boys in Brown hatten sich den Sieg verdient und der zweiten Liga ein Signal gesendet, „wir wollen doch noch mitspielen, lieber Zug zum Klassenerhalt, bitte noch nicht abfahren“. „Ein Punkt für Ewald Lienen“ weiterlesen

Hibbelig (FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg)

Ich bin schon den ganzen Tag hibbelig, kann den Abend und den Anpfiff des Montagabendspiels des 11. Spieltages kaum erwarten, ertappe mich aber auch dabei, dass ich mir wünschte, er wäre schon vorbei.
Das liegt natürlich daran, dass der FC St. Pauli vom Boden der Tabelle empor blickt und alle anderen Tabellenkinder ausgerechnet an diesem Wochenende ihren persönlichen Turnaround geschafft haben, selbst Arminia Bielefeld. Kaum auszudenken, was nach einer Niederlage passiert, wenn das rettende Ufer zwei Siege entfernt bleibt, die man on-top gewinnen muss. „Hibbelig (FC St. Pauli – 1. FC Nürnberg)“ weiterlesen

Das Herz von Sankt Pauli …. #Fangesang

… es schlägt noch!
Es ist eine der schönen Traditionen am Hamburger Millerntor, dass nach der „Gästehymne“ auch die inoffizielle Hymne des FC St. Pauli gespielt – und die letzte Strophe des Liedes vom ganzen Stadion gesungen wird:

DAS HERZ VON SANKT PAULI, das ruft mich zurück

FC St. Pauli Fangesang: Wenn wir St. Pauli Supporter vor dem Spiel „Das Herz von St. Pauli“ singen, läuft mir regelmäßig ein warmer Schauer über den Rücken.

Songtext fürs Mitsingen am Millerntor: "Das Herz von St. Pauli"
Der FCSP hat diesen Songtext fürs Mitsingen am Millerntor in seiner Geschäftstelle hängen: „Das Herz von St. Pauli“

Die Hymne des Hamburger Stadtteils und des FC St. Pauli.

Die letzte Strophe wird traditionell a capella gesungen:

„Das Herz von St. Pauli,
das ist meine Heimat,
in Hamburg, da bin ich zuhaus“

Original Transscript aus dem Millerntor Stadion;
… und ich hibbele schon den ganzen Tag auf diesen Moment hin, wenn der Song vom Band aufhört und das ganze Millerntor a capella singt:

DAAAS HERZ VON ST. PAULI, DAS IST MEINE HEIMAAAAT …

Anspruchsloser Adventskick

Nordkurve Flagge HerzDie Stunden vor unserem Heimspiel gegen die Region am heutigen ersten Advent plätschern merkwürdig unaufgeregt dahin. Ich bin weder hibbelig, wie sonst, noch besonders kämpferisch gestimmt. Irgendwie ist alles gesagt, die Woche über. Selbst der Tabellenplatz hat nichts magisches mehr (17;). Die 18 ist so eindeutig und Kaiserslautern so unbestritten der Favorit, dass jeglicher Rest von Anspruch verflogen ist.
Für mich ist die Krise deswegen vorbei. Es ist alles getan, geschimpft und gestärkt worden diese Woche. Mir fällt einfach nichts mehr ein, was man nu noch besprechen müsste – und das macht mich eigentlich ganz froh: so gehe ich gleich ans Millerntor ohne Anspruch, aber mit Vorfreude auf A., C. und die optimistischen Fatalisten; endlich verstehe ich, aus welchem Grundgefühl dieser Name entstanden sein muss – St. Pauli ist eben immer noch die einzige Möglichkeit.
ps vor fast genau sieben Jahren spielten die Boys in Brown schon so desolat gegen die Region, dass ich tief in die Woche hinein mich grämte – und lieb hatte ich sie doch 😉